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Analyse: USA beißen bei Nordkorea auf Granit

Schulterschluss: US-Präsident Barack Obama und Südkoreas Präsident Lee Myung-bak umarmen sich während des G20-Gipfels in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul vor wenigen Tagen.Großansicht

Washington (dpa) - Wieder eine Provokation Nordkoreas, wieder große Worte aus Washington. «Empört» sei Barack Obama über den Granatenhagel auf Südkorea, erklärte das Weiße Haus. «Schulter an Schulter» stünden die USA mit Seoul.

Schon Ende September hatten die Verbündeten mit einem gemeinsamen Seemanöver eine «klare Botschaft der Abschreckung» an das kommunistische Regime gesendet, nachdem im März ein südkoreanisches Kriegsschiff versenkt worden war - wohl durch einen Torpedo des Nordens. Wie unbeeindruckt die Machtdemonstration Pjöngjang ließ, wird spätestens jetzt klar.

Die jüngsten Enthüllungen über das Atomprogramm des bizarren Regimes von Militärführer Kim Jong Il und nun der tödliche Beschuss lassen kaum Zweifel: Obama beißt bei Nordkorea auf Granit - ob er es nun mit Zuckerbrot und Peitsche oder Kalter Schulter versucht. Und das schwierige Verhältnis zu China macht es nicht einfacher.

Bei seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren hatte es der junge Präsident noch mit demonstrativer Offenheit gegenüber Pjöngjang probiert. Keine zwölf Monate später hat der Norden «uns in die ausgestreckte Hand gebissen», sagte ein US-Diplomat dem Magazin «Time». Seitdem lehnt die Obama-Regierung die Sechser-Gespräche mit Nordkorea, China, Südkorea, Japan und Russland ab, solange das Regime sein Atomwaffenprogramm nicht konkret herunterfährt. Seit Dienstag heißt es aus dem US-Außenministerium immerhin, man plane eine «maßvolle und gemeinsame» Antwort, bei der China und die anderen Länder der Sechser-Runde eingebunden werden sollen.

Washington habe darauf gehofft, dass «strategische Geduld» und Druck durch UN-Sanktionen Kim Jong Il dazu bringen, sich Forderungen nach einer sofortigen Abkehr von nuklearen Ambitionen zu beugen, meinen die US-Politologen Robert Carlin und John Lewis, die das bettelarme Land bereits ein paar Mal besuchten. «Aber das Problem durch das nordkoreanische Atomprogramm wird immer schwieriger zu lösen, je mehr Zeit verstreicht.» In der Tat: US-Geheimdienste schätzen, dass Pjöngjang inzwischen über acht bis zwölf Atombomben verfügt, gebaut mit nuklearem Material des Atomzentrums Yongbyon.

Wo Washington anzusetzen hat, weiß jeder - beim wichtigsten Verbündeten des kommunistischen Regimes. Auf dem G20-Gipfel in Seoul vor wenigen Wochen soll Obama mit Chinas Präsident Hu Jintao über Nordkoreas Nuklearprogramm gesprochen haben. Peking will eine Wiederaufnahme der Sechser-Beratungen. «Einziges Problem ist, dass Peking durch relative Untätigkeit über die Jahre klar gemacht hat, dass man nicht sonderlich besorgt über eine Atommacht Nordkorea ist», meint das «Time»-Magazin. Mehr noch: China werde «immer stärker als jemand betrachtet, der Nordkoreas nukleare Absichten möglich macht», meint Scott Snyder, Nordkorea-Experte des renommierten US- Politikinstituts Council on Foreign Relations.

Aber die Beziehung ist delikat, nicht zuletzt wegen der leidigen Handels- und Wechselkursstreitigkeiten. Auf dem Gipfel in Südkorea schoss Obama unverhohlen eine Breitseite gegen Peking: China gebe riesige Geldsummen aus, um seine Währung unterbewertet zu halten, klagte er. Wenn Präsident Hu im Januar Washington besucht, steht gleich eine ganze Latte brisanter Themen zur Debatte.

«Kurz gesagt - Obama hat keine guten Optionen», schreibt «Time». Robert Carlin und John Lewis raten, sich mit einem Nordkorea, wie es ist, abzufinden - und nicht auf Wandel oder Kollaps zu hoffen. «Leider sind die Amerikaner wahrscheinlich stärker von Nordkorea isoliert, als es die Nordkoreaner vom Rest der Welt sind», schreiben die beiden Experten in der «Washington Post». Die US-Politik Pjöngjang gegenüber müsse noch einmal ganz vorne beginnen. «Ein realistischer Start wäre ganz einfach: Die Existenz Nordkoreas, wie es eben ist, akzeptieren - als souveräner Staat mit Interessen.»

Selbst wenn Obama diesen Weg einschlagen wollte. Auf die Unterstützung der wiedererstarkten Republikaner kann er kaum zählen. Nichts anderes wolle Pjöngjang, «als die Entschlossenheit der USA und Südkoreas zu schwächen und die USA zu den Sechser-Gesprächen zurückzuzwingen», schreibt die konservative Heritage-Stiftung in Washington. «Beugt Euch nicht den Forderungen Nordkoreas.» Zu welchem Schritt auch immer sich Obama entscheidet - Ärger ist programmiert.

Konflikte / Nordkorea / Südkorea / USA
24.11.2010 · 11:49 Uhr
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