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Analyse: US-Hilfe in Haiti: Die Weltmacht handelt

US-Soldaten kontrollieren den Eingang des Flughafens von Port-au-Prince.Großansicht
Washington (dpa) - Mindestens 1000 US-Soldaten sind bereits in Port-au-Prince eingetroffen, weitere 9000 bis 10 000 sollen folgen.

Der amerikanische Flugzeugträger «USS Carl Vinson» ist mit Elite-Einheiten an Bord vor der Küste Haitis vor Anker gegangen, weitere US-Kriegsschiffe sind auf dem Weg. Auf dem Internationalen Flughafen haben die Amerikaner gleich vollständig die Kontrolle übernommen. US- Hubschrauber fliegen über den Inselstaat. Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben ist die friedliche Invasion der Weltmacht USA in vollem Gange.

Keine Sekunde haben die Amerikaner gezögert, Präsident Barack Obama hat die Hilfe für das Land im eigenen «Hinterhof» zur Chefsache gemacht und die gigantische Hilfsmaschinerie der Militärs in Gang geschoben. Das Problem: Das Beben hat große Teile der ohnehin desolaten Infrastruktur des Armenhauses Haiti in Schutt und Asche gelegt. Kein Strom, kein Wasser, Hafen und Airport zerstört - bevor die Hilfswelle anlaufen kann, müssen derartige «Flaschenhälse» erst einmal instand gesetzt werden. Das liegt derzeit so gut wie vollständig in den Händen der Amerikaner.

Problem Flughafen: Zu den ersten ankommenden Maschinen gehörten in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) fünf US-Militärflugzeuge. An Bord war technisches Material, um die notwendigste Luftüberwachung zu garantieren, damit weitere Hilfsflüge mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten überhaupt einfliegen können. Die haitianischen Behörden übergaben auch die Hoheit über die Luftüberwachung an den «großen Bruder». AWACS-Aufklärungsflugzeuge kreuzen den Himmel über der Karibik - gleichsam als «Fluglotsen», um die Sicherheit des Luftverkehrs zu gewähren.

Noch treffen die Hilfen nur spärlich ein. Hilfsflugzeuge werden angewiesen, reichlich Kerosin an Bord zu haben - die Maschinen müssen wegen des verstopften Airports oftmals über Stunden Warteschleifen fliegen. «Wir hoffen, dass wir bald eine Kapazität von 90 Maschinen pro Tag haben», hofft PJ Crowley, Sprecher des US-Außenministeriums. Allein der US-Flugzeugträger hat 600 000 Tageseinheiten Lebensmittel an Bord.

Problem Verkehr: Viele Straßen sind unpassierbar, Hubschrauber mitunter die einzige Chance, schnelle Rettung zu bringen. So hat der Flugzeugträger «Carl Vinson» 19 Helikopter an Bord, die mit Hilfsflügen begonnen haben. Oberste Priorität ist dabei die Versorgung mit Trinkwasser.

Die schlimmste Furcht, die derzeit auf Haiti umgeht, ist die Angst vor Plünderungen und «Hungerrevolten» - auch hier stehen die USA bereit. Notfalls sollen Soldaten dafür sorgen, dass es bei der Verteilung von Nahrungsmitteln und Wasser gerecht zugeht. Schon berichten erste TV-Reporter, mitunter herrsche bei solchen Aktionen das «Recht des Stärkeren». Nach Angaben der UN wurden bisher etwa 8000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt - das ist der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Es heißt, zwei bis drei Millionen Menschen seien bedürftig.

Schon spricht US-Verteidigungsminister Robert Gates von vereinzelten Plünderungen. «Der Schlüssel ist es, Lebensmittel und Wasser so schnell wie möglich herbeizuschaffen, damit die verzweifelten Menschen nicht zur Gewalt greifen.» Generalstabschef Mike Mullen kündigte für die nächsten Tage die Ankunft von 9000 bis 10 000 weiteren Soldaten an - allein 5000 seien für «Sicherheitsbelange» vorgesehen.

Die USA scheinen zu einem längerfristigen Engagement bereit zu sein. Es gehe nicht nur darum, was Haiti für «die nächsten 30 Tage braucht, sondern für die nächsten sechs Monate», betont Crowley immer wieder. Eine der Ängste, die in Washington umgeht, ist es, dass Not und Elend auf Haiti zu einer längerfristigen politischen Destabilisierung führen könnte - mit möglichen Flüchtlingsströmen in die USA als Folge.

Die USA, die Anfang des 20. Jahrhunderts Kolonialmacht in Haiti waren, «haben wenig andere Möglichkeiten, als sich langfristig stark zu engagieren«, sagt Michael Shifter, Vizedirektor des Washingtoner Think Tanks «Inter-American Dialog» der Zeitung «Wall Street Journal». Die Not nach dem Beben sei einfach zu groß. «Wir werden in dieser schwierigen Zeit Hilfe leisten», verspricht Obama.

Erdbeben / Haiti / USA
16.01.2010 · 21:51 Uhr
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