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Analyse: Unterschiedliche Bewertung der Statistik

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Berlin (dpa) - Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, hätte eigentlich Grund zur Freude. Das erste Mal seit der Wiedervereinigung ist die Zahl der erfassten Straftaten in Deutschland unter die Marke von sechs Millionen gesunken.

Im vergangenen Jahr stieg auch die Aufklärungsquote weiter - auf einen Rekordwert von nunmehr 56 Prozent. Doch der Gewerkschafter schlug am Freitag eher düstere Töne an. «Es ist seit langem erwiesen, dass diese Statistik nicht das entsprechende Sicherheitsgefühl und das Sicherheitsgeschehen in Gänze wiedergibt.»

Im Interview des Südwestrundfunks (SWR) wird Witthaut konkret: «Diese Statistiken können sehr wohl so manipuliert werden, dass nach außen hin alles gut dasteht.» Zum Beispiel gebe es Versuche, einen aufgeklärten Einbruch dreifach zu erfassen, indem als separate Delikte Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung dazu gezählt würden. Tatsächlich handele es sich aber nur um eine aufgeklärte Tat.

Auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, warnt davor, die Statistik zu positiv zu bewerten. «Die Statistik spiegelt nur die Fälle wieder, die der Polizei gemeldet oder von der Polizei selbst registriert werden.»

Beispiel Wohnungseinbrüche: Ihre Zahl ist - im Gegensatz zu den Entwicklungen in vielen anderen klassischen Kriminalitätsfeldern - gestiegen - um mehr als sechs Prozent auf rund 121 300. Die Aufklärungsquote ist mit 16 Prozent vergleichsweise niedrig. Für Wendt hängt dies mit Polizeipräsenz zusammen. «Dies ist ein typisches Beispiel dafür, dass mit mehr Einsatz und Personal auch bessere Ergebnisse erzielt werden könnten.» Mehr Polizisten auf der Straße könnten auf mögliche Täter abschreckend wirken. Allerdings ist bei diesen Äußerungen zu berücksichtigen, dass Gewerkschaften regelmäßig die Gelegenheit nutzen, um mehr Personal zu fordern.

Auch wenn laut Statistik einige Fallzahlen zurückgehen, kann der einzelne Bürger eine andere Wahrnehmung vom Kriminalitätsgeschehen haben. Wenn junge Täter ihre Opfer in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf Bahnhöfen attackieren, scheint der Öffentlichkeit dieses als Beleg für die schlimmer werdende Jugendkriminalität. Tatsächlich sind die Zahlen aber gesunken: Die Statistik weist weniger Jugendliche im Alter von 14 bis unter 18 Jahren aus, die als Tatverdächtige erfasst wurden - insbesondere auch bei der Untergruppe der Gewaltkriminalität Jugendlicher. Jedoch sinken die Zahlen von einem hohen Niveau aus.

Ob ein Opfer eine Tat überhaupt bei der Polizei anzeigt, ist auch abhängig davon, ob der Schaden von der Versicherung ersetzt werden soll - dann ist die Anzeige in der Regel Pflicht. Deshalb werden gerade Wohnungseinbrüche besonders häufig gemeldet, wie Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bei der Vorstellung der Statistik am Freitag in Berlin erinnerte. Dagegen fällt einigen Bürgern nicht einmal auf, wenn ihr Computer Ziel einer Attacke im Internet wird und zum Beispiel persönliche Daten ausgespäht werden. Dass die Zahlen im Bereich der Computer- und Internetkriminalität dennoch rasant steigen, dürfte gerade wegen der Dunkelziffer besonders besorgniserregend sein.

Innere Sicherheit / Kriminalität
20.05.2011 · 21:19 Uhr
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