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Analyse: Tsunami verwüstet Südsee-Paradies

Der Tsunami hat in der Inselwelt des Südpazifiks wahrscheinlich 120 Menschen getötet.Großansicht
Singapur (dpa) - «Wir sind um unser Leben gerannt», berichtet ein Mädchen namens Ngutu über die Katastrophe. Ein mächtiges Erdbeben und fünf Killerwellen haben das idyllische Südsee-Paradies auf Samoa zerstört.

Entlang der 80 Kilometer langen Südküste der Hauptinsel Upolu ist die Verwüstung verheerend. Einheimische und Touristen hatten im Morgengrauen kaum 25 Minuten Zeit, um sich nach dem Schreck des heftigen Bebens der Stärke 8,0 vor dem Tsunami in Sicherheit zu bringen. Viele schafften es, aber mehr als 120 Menschen sind der Naturkatastrophe wahrscheinlich zum Opfer gefallen. Auch auf der Schwester-Insel Amerikanisch-Samoa schlug die Natur erbarmungslos zu.

«Nichts steht mehr an der Südküste», sagte die Vorsitzende des Hotelverbandes von Samoa, Nynette Sass, fassungslos im neuseeländischen Rundfunk. «Es ist alles platt, alles», berichtete der Neuseeländer Graeme Ansell über die Touristenanlage Sau Sau Beach. «Es ging alles rasend schnell. Kein Gebäude steht mehr. Wir sind alle auf die Hügel gerannt.»

Ngutus Schwester Barcelona (17) beschrieb einem australischen Sender die Szene nach der Rückkehr in ihr Dorf: «Kein Haus steht mehr richtig. Die Dächer sind ins Meer gerissen worden. Autos sind umgeworfen, Möbel liegen auf der Straße. Vor der Küste treiben Dächer und Möbel im Meer.»

Radioreporterin Marita Huch fuhr am Mittwoch aus der Hauptstadt Apia an die rund 80 Kilometer entfernte Südküste. Sie sah Leichen, die in dicken Schlammschichten und Sanddünen steckten, berichtete sie der dpa. «Bei den meisten Toten handelt es sich um Kinder und ältere gebrechliche Menschen - solche, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten.» Wie viele Touristen in den Ferienanlagen an der Südküste waren und ob welche vermisst wurden, wusste zunächst niemand. «Die ersten Warnungen sind alle in der Landessprache erfolgt, das war ein Problem für die Touristen», meinte Huch.

«Die Touristen sind an der Südküste nur mit Schlafanzug bekleidet in Sicherheit gebracht worden - ohne Pässe, Geld und Dokumente», berichtete der in der Hauptstadt Apia stationierte neuseeländische Polizist Ross Ardern im Radio. «Einige Leute haben versucht, sich mit dem Auto in Sicherheit zu bringen, und die Wellen rissen die Wagen weg», sagte Palanitina Toelupa, die Verwaltungschefin im Gesundheitsministerium von Samoa. «Es ist herzzerreißend.»

Das Seabreeze Hotel in der Paradies-Bucht ist zerstört. Seine Besitzerin Wendy Booth konnte sich gerade noch retten. «Die zweite Welle traf uns durch den Fußboden. Das Wasser rauschte zur Hintertür hinaus und riss uns mit», berichtete sie dem australischen Radiosender Fairfax Radio Network. «Wir konnten uns an einem Geländer festhalten, mein Mann und ich klammerten uns aneinander. Der Sog zurück Richtung Meer nach der Welle war gigantisch. Die Kraft des Wassers riss unsere Einrichtung durch das Dach.»

Nach Angaben von Hoch suchte ein Kontrollboot der Küstenwache nach Überlebenden, die vielleicht auf das Meer hinaus gerissen worden waren. Mindestens ein Fischerboot wurde nach ihren Angaben vermisst.

Samoa, die frühere deutsche Kolonie, hat sich als «Südsee-Juwel» vermarktet und in den vergangenen Jahren Touristen vor allem aus Australien und Neuseeland angezogen. Dort sind Schulferien, deshalb waren auch viele Familien am Wasser. Paradies-Strand und Kokosnuss-Bucht heißen die idyllischen Regionen am Meer. Amerikanische Fernseh-Crews drehten dort gerade die neuesten Episoden der Reality-Show «Survivor».

Die Südküste lockt mit langen Sandstränden, viele der Anlagen entsprechen dem, was Besucher aus kälteren Gefilden erwarten: Hütten, von einfach bis luxuriös, die am Strand möglichst nur wenige Meter vom Meer entfernt unter Palmen stehen. Von den Anlagen war nach dem Sturm nichts mehr übrig. Ob die Touristen es alle auf die nahen Anhöhen schafften, war unklar. Ein deutsches Urlauber-Ehepaar aus Berlin überlebte leicht verletzt.

Samoa / Erdbeben
30.09.2009 · 13:32 Uhr
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