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Analyse: Treibt Lafontaine Grüne nach «Jamaika»?

Oskar Lafontaine hatte in dieser Woche überraschend auf eine Kandidatur für den Fraktionsvorsitz verzichtet.Großansicht
Saarbrücken (dpa) - Sollten sich die Grünen im Saarland heute für eine «Jamaika»-Koalition mit CDU und FDP entscheiden, dann könnte ausgerechnet Oskar Lafontaine einen großen Anteil daran haben.

Nicht, weil er als Spitzenkandidat für die Linke an der Saar bei der Landtagswahl am 30. August aus dem Stand fabelhafte 21,3 Prozent geholt hat. Nicht, weil die inhaltlichen Übereinstimmungen in einem rot-rot-grünen Linksbündnis zu klein wären. Und auch nicht, weil die SPD in einem Dreierbündnis mit Heiko Maas einen bei den Grünen unbeliebten Spitzenkandidaten hätte.

Nein, es wäre wohl das für viele Politiker im Saarland kaum nachvollziehbare Verhalten des Ex-SPD-Chefs und Ex-Landesvaters, das selbst glühende Anhänger eines Linksbündnisses bei den Grünen an der Saar verschrecken könnte - selbst wenn sie dann den ebenfalls nicht besonders wohlgelittenen CDU-Landeschef und Ministerpräsident Peter Müller mitwählen müssten. Dennoch: Landeschef Hubert Ulrich will sich nach wie vor nicht festlegen. «Das entscheiden die Delegierten», sagt er mit Blick auf den Parteitag. Für Rot-Rot-Grün sei die ganze Sache aber «nicht hilfreich gewesen». Das Rennen ist offen.

Am Donnerstagabend hatten sich die ersten Meldungen wie ein Lauffeuer auf der dritten und letzten Regionalkonferenz der Grünen verbreitet. Dort sollte über die Ergebnisse der Sondierungen gesprochen werden. Dann erfuhren die Grünen, dass Lafontaine sich nun auf das Saarland konzentrieren wolle und im Fall von Rot-Rot-Grün den im September übernommenen Posten als Fraktionschef im Landtag behalten werde. Es war eine politische Bombe, die möglicherweise erst mit Verzögerung heute auf dem Parteitag explodieren wird.

Für manchen Spitzen-Grünen war die Nachricht schon ohne offizielle Bestätigung Grund genug, «mehr von einer Drohung als von Hilfe» zu sprechen. Die Aussicht auf eine Dauer-Zusammenarbeit mit Lafontaine im Parlament treibt vielen die Zornesröte ins Gesicht. Der in den vergangenen Wochen stets um ausgleichende Neutralität bemühte Ulrich ist stinksauer, ein Affront sei das. Lafontaine wolle sich als «Neben-Ministerpräsident» neben Heiko Maas installieren. «Das heißt für die Zukunft eigentlich nur Probleme, nur Ärger», sagt Ulrich.

Das Verhältnis zwischen ihm und Lafontaine bezeichnen selbst wohlmeinende Beobachter bestenfalls als schlecht. Die Wunden, die sich Linke und Grüne an der Saar geschlagen haben, sind alt, auch wegen einiger Ex-Grüner, die nun in Lafontaines Reihen zu finden sind, wie die Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol. Sie war 2004 für die Grünen in den Landtag eingezogen und 2007 samt Mandat in Lafontaines Lager gewechselt und sitzt nun wieder im Parlament.

Aber auch Lafontaine selbst ist für viele, auch linke Grüne ein Problem auf dem Weg zu einem gemeinsamen Bündnis. Auch bei der SPD weiß man das und beruhigte besorgte Grüne und neugierige Beobachter hinter vorgehaltener Hand gerne mit Sätzen wie: «Der ist doch dann in Berlin und weit weg.» Am Freitag will die SPD offiziell am liebsten gar nichts sagen. Das was sie sagt, soll Zuversicht bekunden. Der Generalsekretär der Landespartei, Reinhold Jost, sagt, Lafontaines Schritt sei ein Signal für die Stabilität eines Linksbündnisses. Doch hinter den Kulissen herrscht bei der SPD blankes Entsetzen. Nach den vielen Enttäuschungen durch Lafontaine in den vergangenen Jahren könnte ausgerechnet der «Oskar» die Grünen nach «Jamaika» treiben.

Parteien / Bundestag / Linke / Saarland
11.10.2009 · 11:30 Uhr
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