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Analyse: Tod von «Jacko» löst Erdbeben im Netz aus

Eintrag zu Jacksons Tod auf der Internetplattform Twitter.Großansicht
Hamburg (dpa) ­ Die Nachricht von Michael Jacksons Tod verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet. Der Hollywood-Onlinedienst tmz.com hatte zuerst gemeldet, dass der «King of Pop» einen Herzinfarkt nicht überlebt hatte.

«Wir haben erfahren, dass Jackson keinen Puls mehr hatte, als die Rettungsmediziner eintrafen», schrieb tmz.com am Donnerstag um 14.20 Uhr Ortszeit (23.20 Uhr unserer Zeit). Der zum Online-Giganten AOL gehörende Dienst musste kurz darauf vor dem großen Interesse der Internet-Gemeinde am Schicksal von «Jacko» kapitulieren. Die Server von tmz.com brachen zeitweise unter der Last der Anfragen aus dem Web zusammen.

Aber nicht nur der AOL-Dienst hatte seine Schwierigkeiten, den Ansturm zu bewältigen. 30 der wichtigsten Internet-Nachrichtenseiten in den USA waren zeitweise nicht zu erreichen oder reagierten deutlich langsamer als üblich, registrierte das Spezial-Unternehmen Keynote Systems, das die Leistungsfähigkeit von Webangeboten regelmäßig überprüft. Betroffen waren besonders die Portale der lokalen Zeitung aus Los Angeles (LATimes.com) sowie die TV-Sender ABC News und CBS. «ABCNews.com konnte über zwei Stunden hinweg von 90 Prozent der User nicht erreicht werden», sagte Shawn White von Keynote Systems.

Auch der Kurznachrichtendienst Twitter ächzte unter der Last. Im Sekundentakt sendeten die Twitter-Anwender News, Gerüchte, Kondolenzbekundungen und Kommentare in ihren «Tweets» und brachten den Dienst an den Rand des Absturzes. In einer Stunde trafen mehr als 100 000 Kurztexte zu Michael Jackson ein. Zeitweise musste die Suchfunktion des Kurznachrichtendienstes deaktiviert werden, um Twitter online lassen zu können. Dennoch versagten die Twitter-Server immer wieder ihren Dienst.

Selbst der Suchmaschinen-Riese Google wurde von dem «Erdbeben» erschüttert, das die Todesmeldung des Klatschdienstes tmz.com ausgelöst hatte. Da Millionen von Internet-Nutzern bei Google News in kürzester Zeit nach «Michael Jackson» suchten, gingen die Suchprogramme von Google von maschinengesteuerten Attacken aus, wie sie von einem mit kriminellen Absichten gesteuerten «Bot-Net» ausgeführt werden können.

Die Web-Anwender bekamen deshalb zeitweise nur eine Fehlermeldung des Google-Systems zu sehen: «Ihre Eingabe sieht wie eine automatisch generierte Anfrage von einem Computer-Virus oder einer Spyware- Anwendung aus.»

Im Online-Lexikon Wikipedia tobte nach der Meldung von tmz.com ein Streit unter den Autoren, die den Eintrag von Michael Jackson bearbeiteten. Kurz nachdem der AOL-Dienst ohne nähere Quellenabgabe den Tod gemeldet hatte, wurde auch der Wikipedia-Eintrag entsprechend geändert. Andere Autoren machten diese Eingabe wieder rückgängig, da keine verlässlichen Quellen für die Todesnachricht vorlagen. Der «Edit-War» flaute erst ab, als ein Gerichtsmediziner bestätigt hatte, dass Jackson nicht wiederbelebt werden konnte.

Musik / Internet / USA
26.06.2009 · 23:25 Uhr
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