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Analyse: Superstar Lindner rettet die FDP

Christian LindnerGroßansicht

Berlin (dpa) - Wiederauferstehung Teil II: Vor einer Woche glänzte Kubicki in Kiel, jetzt hat Lindner in NRW sein Meisterstück gemacht. Die FDP liegt ihm zu Füßen - wohl oder übel auch Parteichef Rösler.

An diesem sensationellen Abend bricht Philipp Rösler mit einer Tradition. Um 18.41 Uhr kommt er die Treppe herunter, geht auf die kleine Bühne im Dehler-Haus. «Die Menschen hören uns wieder zu, sie vertrauen uns», jubelt der FDP-Chef.

Sonst verbringt der 39-jährige Vizekanzler den Wahlabend stets oben im Präsidiumszimmer vor dem Fernseher. Auch nach der Kiel-Wahl machte es Rösler so. Er wollte sich nicht anbiedern, beim ersten Erfolg nach der Pleitenserie, den Wolfgang Kubicki eingefahren hatte. Das fanden einige seltsam. Weil Putschgerüchte kursierten, hätten sie ihren Chef gerne gesehen.

Jetzt ist Rösler da. Und er tritt die Flucht nach vorn an. Er lobt Christian Lindner, der in aussichtsloser Lage in Düsseldorf bereit gewesen sei, sich in die Verantwortung nehmen zu lassen und zu kämpfen. «Es ist ein verdienter Sieg», sagt Rösler.

Auch die Bundespartei sieht er stabilisiert. Und meint seine eigene Lage. Rösler muss das unterstreichen, er will Vorsitzender bleiben. Die FDP stehe zu ihren Idealen und werde nicht weichen. «Egal, wie groß der Druck von außen ist.» Das ist ein Wort.

Seine Gegner erklären nämlich, Lindner und Kubicki hätten «trotz» Rösler gesiegt. Die Stimmung im Dehler-Haus zeigt aber, dass sie ihren «Philipp» sehr wohl noch mögen. Der Applaus für Rösler ist lang und herzlich.

Die gefühlte Nummer eins der FDP ist jetzt aber «CL». Messias, Lichtgestalt, Wunderkind - er kann sich vor Ehrentiteln kaum retten. Christian Lindner hat geliefert. Nach Hochrechnung hat er die FDP mit etwa 8,4 Prozent in den Düsseldorfer Landtag gebracht. Das wäre das zweitbeste Ergebnis der Liberalen in NRW seit 1954.

Verraucht ist der Zorn, weil der 33-Jährige Mitte Dezember die Bundespartei ihm Stich ließ, den Posten des Generalsekretärs hinschmiss, weil es für ihn mit Rösler nicht mehr ging.

In der Parteizentrale gibt es bei den ersten Zahlen kein Halten mehr. Alle liegen sich in den Armen. Minister, Landeschefs, Abgeordnete, Julis. Sogar Kubicki ist da. «Lindner hat einen geilen Wahlkampf gemacht», meint ein Anhänger.

Mit dem Erfolg bei der kleinen Bundestagswahl hält die FDP ihre Existenzkrise vorerst für beendet. Generalsekretär Patrick Döring ist anzusehen, wie stolz er auf den zweiten Sieg innerhalb von acht Tagen ist. «Diese Ermutigung tut jedem Liberalen gut, in ganz Deutschland», ruft er den rund 200 Parteifreunden zu, die bei Pils und Weißwein feiern.

Lindners Aufholjagd war sensationell. Im März lag die NRW-FDP in Umfragen bei nur zwei Prozent. Lindner machte einen Power-Wahlkampf - und hat den Grundstein für eine neue FDP gelegt. Die Liberalen seien als politische Selbstmörder verspottet worden, als sie Neuwahlen riskierten: «Prinzipienfestigkeit ist keine Dummheit, sondern Ausdruck von Tugend und Charakter», sagt Lindner.

Einst förderte der verstorbene Jürgen Möllemann das politische Talent Lindner. Er verpasste ihm den Spitznamen «Bambi». Seit diesem Sonntag kann der sich wie ein kapitaler Zwölfender fühlen. Er will Rösler nicht zum Revierkampf herausfordern - noch nicht.

Wahlen / Landtag / NRW / FDP
14.05.2012 · 01:37 Uhr
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