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Analyse: Strauss-Kahn kämpfte für Portugal

Brüssel (dpa) - IWF-Chef Strauss-Kahn war bei der EU immer ein gern gesehener Gast. Kompetent, bisweilen jovial und immer bereit, wackelnde Eurostaaten vor der Pleite zu retten. Die Verhandlungen zu Portugal werden zwar abgeschlossen - aber mit einem bitteren Beigeschmack.

So hatten sich die Euro-Finanzminister ihr Treffen zu den Milliardenhilfen für Portugal nicht vorgestellt. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, wollte nach Brüssel kommen, um das Engagement der Washingtoner Finanzinstitution bei der Rettung Portugal vor der drohenden Pleite auch persönlich zu demonstrieren. Von den 78 Milliarden Euro für Lissabon will der IWF ein Drittel schultern.

Der wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung in New York festgenommene Franzose musste sich von der Vizechefin des Währungsfonds, Nemat Shafik, vertreten lassen. Beim Betreten des gigantischen Ministerratsgebäudes im Europaviertel ließen sich viele Ressortchefs am Montag ihre Betroffenheit nicht anmerken: Schulterklopfen, Küsschen und kleine Scherze wie bei jeder Begegnung.

Offiziell wird vor Panikmache gewarnt - alles laufe wie geplant weiter, auch die Entscheidung zu den Portugal-Hilfen, lautet die Devise. «Die Kontinuität beim Internationalen Währungsfonds ist gesichert, daran gibt es keinen Zweifel», versichert der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Doch hinter den Kulissen wurde deutlich, wie tief der Schock sitzt. «Strauss-Kahn hat lange, lange darauf gedrungen, dass Lissabon die Hilfen annimmt», meint ein Diplomat. «Es ist auch sein Verdienst. Und nun das.»

In die Mikrofone sagt die elegante spanische Ressortchefin Elena Salgado, Strauss-Kahn habe eine «starke Persönlichkeit». Und sie rief wie ihr deutscher Amtskollege Wolfgang Schäuble dazu auf, auch bei einem Prominenten die Unschuldsvermutung gelten zu lassen: «Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich.»

Der belgische Minister Didier Reynders konstatierte, der Fall werden den Euro nicht schwächen. «Es ist ein sehr schwerwiegendes persönliches Problem von Strauss-Kahn.» Das müsse jetzt seinen juristischen Weg gehen. «Man hat die Version der Polizei und des Opfers gehört. Nun wird man auch die Version von Strauss-Kahn hören.»

Jeder in der Ministerrunde weiß, dass der Währungsfonds bei der Bewältigung der Schuldenkrise in Europa seit einem Jahr ein unverzichtbarer Partner ist. Was passiert, wenn der Generaldirektor nicht mehr wie bisher - einer ungeschriebenen Regel folgend - aus Europa gestellt wird?

«Da könnte jemand kommen, der das vielleicht gar nicht so wichtig findet», meint ein Experte. Beobachter rechnen schon länger damit, dass der nächste IWF-Chef aus einer aufstrebenden Wirtschaftsnation, beispielsweise aus Asien, kommen könnte. Auch wenn die Vorwürfe im einzelnen noch nicht aufgeklärt seien, trügen Skandale wie der Strauss-Kahns nicht zur Glaubwürdigkeit der Europäer in internationalen Organisationen wie dem IWF bei, lautet eine Befürchtung in Brüssel.

EU / Finanzminister / Eurogruppe
16.05.2011 · 20:46 Uhr
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