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Analyse: Steinbrücks Auftritt im Bundestag

Ex-Finanzministers Peer Steinbrück (r) spricht im Bundestag während der abschließenden Beratungen über eine Ausweitung der Euro-Hilfen.Großansicht

Berlin (dpa) - Als Peer Steinbrück um 9.40 Uhr seine Zettel am Rednerpult im Plenarsaal zusammenpackte, gab es kräftigen Beifall. Auch prominente Parteilinke applaudierten. Doch längst nicht alle in den eigenen Reihen schienen hingerissen.

Die immensen Erwartungen, die viele an den Auftritt des möglichen Kanzlerkandidaten geknüpft hatten, wurden jedenfalls an diesem Tag nicht erfüllt. Vielleicht lag dies aber auch ganz in der Intention des SPD-Hauptredners. Eher mit gebremstem rhetorischem Schaum knöpfte sich der Ex-Finanzminister die letzten Euro-Volten der schwarz-gelben Koalition vor - zum einen wohl in der Absicht, die Euro-Skeptiker bei Union und FDP nicht unnötig zu reizen und im letzten Moment doch noch zu einem Ja bei der Stimmabgabe zu bewegen.

Doch die eher zahme Vorstellung hatte wahrscheinlich mehr mit der Wirkung auf das eigene Publikum zu tun. Das Wort von der Vorstellungsrede des künftigen SPD-Bewerbers hatte bereits vorher die Runde gemacht. Ein furioser Rundumschlag hätte jedenfalls nur den Eindruck weiter verstärkt, die Kandidatenfrage in der SPD sei längst in seinem Sinne gelaufen. Steinbrück war jedenfalls spürbar bemüht, diese gängige Ansicht von sich aus nicht noch extra zu befördern.

Einträchtig nahm er in der ersten SPD-Reihe neben seinen Mitkonkurrenten Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier Platz. «Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist der schönste Sozi im ganzen Land», fiel FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle mit leicht neidischem Unterton zu diesem Bild ein.

Eher unwahrscheinlich ist dagegen, dass Steinbrück den Rat seines CDU-Nachfolgers beherzigen wollte. «Wenn Sie Kanzlerkandidat werden wollen, müssen Sie sich noch ein bisschen bessere Manieren zulegen. Sonst wird das nichts», hatte Wolfgang Schäuble vor drei Wochen im Plenarsaal gegen Steinbrück gekeilt. Diesmal ließ sich der SPD-Redner kaum von den Zwischenrufen aus den Koalitionsreihen provozieren. Nur am Anfang seiner 20-minütigen Rede, als die Unruhe auf den Plätzen der Regierungsfraktionen besonders anstieg, platzte es aus ihm heraus: «Wie nervös müssen Sie eigentlich sein.»

Mit scharfzüngigen Pointen ging Steinbrück eher sparsam um. Wenn er die orientierungslosen Sprechblasen der Kanzlerin höre, dann falle ihm nur ein, dass im chinesischen Kalender derzeit das Jahr des Hasen sei. Genau diesen Eindruck vermittle die Regierung bei ihrem Krisenmanagement. Doch immerhin hatte er auch ein knappes Lob für Angela Merkel. Ihr Satz: «Scheitert der Euro, scheitert Europa» sei im Grunde richtig. Doch bei Union und FDP sähen das längst nicht alle so.

EU / Finanzen / Bundestag
29.09.2011 · 23:11 Uhr
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