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Analyse: SPD und Grüne setzen auf rot-grünes Lebensgefühl

Rot-grünes LebensgefühlGroßansicht

Berlin (dpa) - Nach der Wahl ist vor der Wahl: SPD und Grüne rücken zusammen. Doch es wartet noch viel Arbeit bis zum ersehnten Machtwechsel im Bund. Die K-Frage beschäftigt die SPD - und ein Ausraster des Parteichefs.

Von der rauschenden Wahlparty in der SPD-Zentrale war nur noch ein Erinnerungsstück an der Außenfassade übrig geblieben. «Currywurst ist SPD», stand auf dem Riesenplakat, mit dem Hannelore Krafts Sozialdemokraten im Wahlkampf erfolgreich das Lebensgefühl der Menschen in NRW angesprochen hatten.

Doch allein mit Jubelfeiern und Selbstlob wollten sich SPD und Grüne am Montag nicht begnügen. Die beiden erklärten Wunschpartner blickten nach vorn. «Wir kämpfen für Rot-Grün», verkündete Generalsekretärin Andrea Nahles den engen Schulterschluss. Der Sieg in NRW sei eine «Gemeinschaftsleistung» von Rot-Grün. Unisono beteuerten die Wunschpartner in ihren 3,5 Kilometern voneinander entfernten Parteizentralen: Diesen Erfolg wolle man im nächsten Jahr wiederholen, zuerst in Niedersachsen und dann im Bund. Sie SPD kündigte ein kluges Stimmensplitting zwischen beiden Parteien in den Wahlkreisen an.

Nun wollen Rote und Grüne mit den konkreten Wahlkampf-Vorbereitungen starten. Frühzeitig will die SPD ihre Parteizentrale umbauen. Auf keinen Fall dürfe man aber jetzt übermütig werden, die Bundestagswahl sei noch längst nicht gelaufen, warnte Nahles. Doch es müsse der CDU zu denken geben, dass sie am Sonntag in «ganzen Landschaften vom Boden gefegt» worden sei.

Einige in der SPD liebäugeln sogar schon mit einer Neuauflage des «rot-grünen Projektes». Dagegen gaben sich die Grünen am Tag danach betont nüchtern. Ihre NRW-Vizeregierungschefin Sylvia Löhrmann warnte ausdrücklich vor einer Überhöhung. Ihr Motto: Gut, dass es durch vertrauenswürdige Arbeit geklappt hat - aber: «Es gibt keine rot-grüne Euphorie.» Parteichef Cem Özdemir beteuerte sogar: «Das Thema Eigenständigkeit steht nicht zur Disposition.» Die Abwahl von CDU-Kanzlerin Angela Merkel sei zu schaffen. «Daraus folgt nicht, dass Rot-Grün eine Naturgesetzlichkeit ist.»

Nun liegt es an den Wunschpartnern selbst, keine neuen Hindernisse aufzutürmen. Hinter verschlossener Tür ließen die Grünen im Parteirat dem Vernehmen nach keine Zweifel, dass die Reise voll zu Rot-Grün geht. Co-Parteichefin Claudia Roth sagt ganz im Zeitgeist: «Man muss es wollen, man muss daran glauben und man muss dafür kämpfen - und da können Sie sich sicher sein: Das werden wir tun.»

Die eigentliche Wahlsiegerin hatte Tipps parat, mit welchen Rezepten die SPD in die anstehenden Wahlschlachten ziehen soll. Vor allem komme es darauf an, Verlässlichkeit wieder zum eigenen Markenzeichen zu machen, riet eine übernächtigte Hannelore Kraft am Morgen in der Berliner Parteizentrale. Ob sich diese Mahnung auch an den oft sprunghaften SPD-Parteichef neben ihr richtete, blieb offen.

Ein Ausraster Sigmar Gabriels hatte da bereits auch in der SPD für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. In der ARD-Talkshow mit Günther Jauch war Gabriel am Wahlabend seinen alten Förderer Gerhard Schröder frontal angegangen, nachdem sich der Altkanzler für Peer Steinbrück als nächsten Kanzlerkandidaten ausgesprochen hatte. «Ich bin ja froh, dass er das selber gesagt hat, und nicht Herr Putin», platzte es plötzlich aus Gabriel heraus - in Anspielung auf die engen Kontakte Schröders mit seinem Duzfreund in Moskau.

Einige Mühe hatten die SPD-Akteure, die mit Krafts Wahlsieg neu eröffnete Kandidatendebatte unter der Decke zu halten. Ob dies auch in den kommenden Tagen gelingt, ist eher fraglich. So schwärmte Nahles in höchsten Tönen von der klaren Sprache des neuen SPD-Stars Kraft, die mit einem bürgernahen Kurs abgewanderte Stamm- sowie auch Nichtwähler in Scharen zurückgeholt habe. Und auch Frank-Walter Steinmeier, selbst für das Spitzenamt im Gespräch, äußerte sich über die weitere Entwicklung auffällig vage. «Momentan» müsse man noch davon ausgehen, dass Kraft in Düsseldorf bleibe, gab sich der Fraktionschef betont vorsichtig.

Wahlen / Landtag / NRW / SPD / Grüne
14.05.2012 · 22:04 Uhr
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