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Analyse: Seehofers Geschenk an Merkel

CSU-Parteitag in NürnbergGroßansicht
Nürnberg (dpa) - Das Geburtstagsgeschenk der CSU ist für Angela Merkel zu schön, um wahr zu sein. Horst Seehofer verspricht der CDU-Chefin volle Unterstützung für den «Merkel-Wahlkampf».

«Ja, sie ist unser bestes Stück», sagt der CSU-Vorsitzende am Freitag beim Parteitag der Christsozialen in Nürnberg. Und als wäre das nicht schon genug, fügt er überschwänglich hinzu: «Wir tun alles für Dich.» Doch das, was Seehofer sagt, steht im krassen Gegensatz zu dem, was die CSU seit Monaten macht. Seehofer fordert die CDU heraus und stellt sich gegen die große Schwesterpartei - in der Europapolitik, bei der Steuersenkung. Deshalb fliegen in Nürnberg auch kleine Giftpfeile zwischen Merkel und dem CSU-Chef hin und her.

«Wir haben auch wieder den Biss, den eine Partei braucht, wenn sie etwas durchsetzen will», sagt Seehofer zu Beginn des Parteitags. Merkel schießt zurück. «Das ist schön. Beißt die Richtigen, und dann wird's gut», sagt sie in ihrer Rede. Die CDU-Chefin schwört die Christsozialen nicht bloß auf Geschlossenheit ein. Sie fordert, dass die Bayern der CDU nicht mehr die Zähne zeigen - und beißt ebenfalls. «Ihr könnt ruhig auch besser werden. Das nutzt uns allen.» Das kommt ganz und gar nicht gut an bei den CSU-lern. Viele Delegierte raunen.

Doch Merkel gibt den Kurs vor, denn sie will im Wahlkampf keinen Zank: «Deshalb, lieber Horst Seehofer, werden wir Arm in Arm und in eine Richtung marschieren.» Viel deutlicher kann sie es wohl nicht sagen.

Zuvor wartet Seehofer vor dem Messeeingang auf die Kanzlerin - minutenlang. Dann kommt sie, und die Unions-Granden ziehen sich erstmal zurück bis zum Auftritt des Geburtstagskindes. Als beide aus einem Hinterzimmer hinauskommen, sind die Blicke äußerst sachlich. Erst als sie in die Halle gehen, lächeln beide wieder. Drinnen wird die Kanzlerin - vor der Rede - herzlich empfangen. Doch die Überreichung des Geburtstagsgeschenks gerät zu einem Duell kleiner Bosheiten. Seehofer übergibt ihr die Geschichte Bayerns vom Anfang bis zur Gegenwart. «Ich kann mir vorstellen, dass du mich und uns nicht jeden Tag verstehst», sagt Seehofer.

Der Landesvater der Bayern zitiert Martin Luther über die Bayern: «Denn sie sind freundlich und gutwillig.» Und schenkt ihr ein kleines Bayerisch-Lexikon. Als er das Buch aufgeschlagen habe, sei das erste Wort das Fingerhakeln gewesen, sagt Seehofer. Das sei zwar eine bayerische Kampfsportart, bei der sich die beiden Kontrahenten aber immer gut vertrügen. «Kabarett auf höchstem Niveau», nennt das einer aus der oberen CSU-Etage. Ein anderer sagt: «Da sind Giftpfeile hin- und hergeflogen.»

Nach der Torte mit der Aufschrift 50 Prozent plus X zu ihrem Geburtstag im vergangenen Jahr, bei dem sie schon auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg zu Gast war, bekommt sie diesmal Bücher, zwei Lieder eines Kinderchors und eher mäßigen Beifall. Von Seehofer lässt sie sich jedoch nicht umgarnen. «Auf gute Kameradschaft und bissigen Wahlkampf», sagt Merkel. Ein CSU-Mann kommentiert das so: «Der bayerische Löwe ist erlegt und liegt im Kanzleramt.»

Parteien / CSU / Parteitag
18.07.2009 · 21:49 Uhr
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