News
 

Analyse: Seehofer-Debakel stürzt CSU in neue Krise

Schreckgeweitete Augen bei den Anhängern der CSU.Großansicht
München (dpa) - Es ist Horst Seehofers Niederlage. Ein knappes Jahr nach seinem Amtsantritt hat der CSU-Chef seine Partei bei der Bundestagswahl in ein neuerliches Debakel geführt. Um die 42 Prozent für eine CSU, die auf über 45 Prozent gehofft hatte - es ist das schlechteste CSU-Ergebnis seit 1949.

Unmittelbar nachdem die erste Prognose über die Fernsehschirme flimmert, gerät der CSU-Chef bei der Münchner Wahlparty unter Druck. «Das ist nicht nur eine Niederlage, das ist ein Desaster, eine Katastrophe», sagt Seehofers gestürzter Vorgänger im Parteivorsitz, Erwin Huber. Denn 42 Prozent sind noch schlimmer als die 43,4 Prozent bei der Landtagswahl 2008, die Huber sein Amt kosteten.

Ein christsozialer Alptraum ist wahr geworden: Am Berliner Koalitionstisch wird die CSU die schwächste Partei sein - und der bayerische Ministerpräsident der schwächste der drei Parteichefs. Bei der CSU-Wahlparty bricht zunächst Jubel über den schwarz-gelben Wahlsieg aus, gefolgt von fassungslosem Raunen, als die CSU-Prognose folgt. Die FDP hat bundesweit mehr als doppelt so viele Stimmen eingefahren wie die CSU - genau das, was Seehofer mit seinen wochenlangen Attacken auf die FDP verhindern wollte. Auch CSU-Politiker, die mit ihm keine Rechnung offen haben, halten die Angriffe für einen Fehler: «Klar ist, dass es viele Mitglieder an der Basis gab, die das nicht verstanden haben», sagt Innenminister Joachim Herrmann.

Seehofer wollte eigentlich sowohl der FDP als auch der SPD Wähler abspenstig machen, indem er die CSU als «soziales Gewissen» darstellte. Nun sieht es so aus, als habe der Parteichef der FDP damit scharenweise Wähler zugetrieben - und die gesamte Union geschwächt. In guten Jahren holte eine starke CSU in Bayern 8 bis 9 Prozent auf den Bund bezogen. An diesem Wahlabend sind es nur noch etwa 6,5 Prozent. Die FDP, der kleine Partner in der Landesregierung mit der CSU, liegt in Bayern über dem Bundesdurchschnitt. Mehrere CSU-Politiker reden von «bayerischen Effekten». Gemeint ist damit wohl eher ein «Seehofer-Effekt».

Seehofer wird sich nicht nur bohrenden Fragen nach der Wahlkampfstrategie stellen müssen. Unter Druck gerät er auch wegen seines Führungsstils, den viele CSU-Leute als autokratisch und unberechenbar kritisieren. «Wir werden dafür sorgen, dass die CSU wieder alle Kräfte zusammen bündelt», sagt der Europaabgeordnete Markus Ferber vieldeutig. Er wurde von Seehofer in einem Streit um die Europapolitik niedergebügelt. Und Ex-Parteichef Huber fordert «eine klare, erkennbare, nachvollziehbare und berechenbare Linie». Was im Klartext bedeuten soll: An all dem fehlt es in der Seehofer-CSU.

Die Lage ist so ernst, dass CSU-Spitzenpolitiker bereits ihre Loyalität mit Seehofer bekunden. Unter anderen springt Sozialministerin Christine Haderthauer für ihn in die Bresche: «Ich würde jeden, der versucht, eine Führungsdiskussion vom Zaun zu brechen, davon abhalten.» Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, rammt Seehofer schon mal Pflöcke ein. Er will beide Posten behalten, den Parteivorsitz und das Ministerpräsidentenamt: «Ich werde alles tun für diese Partei, für dieses Land. Beides ist ein erheblicher Teil meines Lebens.»

Wahlen / Bundestag / Bayern
27.09.2009 · 20:55 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
25.07.2017(Heute)
24.07.2017(Gestern)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen