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Analyse: Schulterschluss in Griechenland

Blick auf die Akropolis in Athen: In Griechenland wird nach dem Beschluss der EU, Griechenland notfalls zu helfen, aufgeatmet.
Athen (dpa) - Das muss sich gut angefühlt haben für Giorgos Papandreou. Griechenlands Regierungschef, der Kassenwart einer Nation vor der Pleite, hat nicht wirklich viele Freunde dieser Tage. Und dann das.

Papandreous Hauptgegner, der konservative Oppositionsführer Antonis Samaras, möbelte die Stimmung seines Gegenspielers beim EU-Gipfel telefonisch auf: «Giorgos, ich stehe Dir bei. Du hast meine volle Unterstützung», zitierten Mitarbeiter Samaras. Und der Oppositionschef sagte der schuldengeplagten Nation im Fernsehen: «Wir alle tragen jetzt das Trikot Griechenlands.»

Und überhaupt ist Erleichterung im Land zu spüren, dass die Europäische Union die Griechen vor dem Bankrott retten wird, wenn ihnen sonst niemand mehr etwas zu einigermaßen bezahlbaren Zinsen leihen mag. «Durchatmen in Hellas», titelte die konservative «Apogevmatini». «Uff! Wir können aufatmen», seufzte die regierungsnahe Athener Zeitung «Ta Nea».

Diese Haltung schlägt auch auf die zuletzt arg belasteten deutsch-griechischen Beziehungen durch. Keine als Vampir dargestellte Bundeskanzlerin mehr in der Presse. Wichtig sei, so die Kommentatoren, dass das Land international aus den Schlagzeilen komme und sein hartes Sparprogramm durchsetze.

«Wäre ich (Angela) Merkel, hätte ich auch so reagiert. Könnten wir Kredite einfach so auf die Schnelle kriegen, wir würden uns zurücklehnen», sagte freimütig ein Bäcker in Athen. «Jetzt müssen wir hart arbeiten und umdenken.»

Nachdem er sich das Sicherheitsnetz in Brüssel hat spannen lassen, muss Papandreou nun seine Landsleute überzeugen, dass es keine Alternative zum Sparen gibt. Kein leichter Job, die Gewerkschaften von massiven Streiks abzuhalten. Und die einfachen Leute wollen Beweise, dass Schluss ist mit systematischer Steuerhinterziehung und Vetternwirtschaft - gern betrieben von Ärzten, Rechtsanwälten und anderen Freiberuflern. Und auch die Millionäre mit den großen Jachten in Piräus und den Luxusvillen auf der Jet-Set-Insel Mykonos sollen ihren Beitrag zahlen, um das Land zu gesunden. Angst vor neuen harten Maßnahmen hat die griechische Linke: Die linksliberale «Eleftherotypia» meinte, die Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Notfallplan, sei ein «Riff», auf das das Schiff Griechenland auflaufen könnte. «Jetzt nicht nachlassen. Es ist nur der Anfang vom Ende eines langen Leidensweges zur Genesung der Finanzen des Landes», kommentierte der Nachrichtensender Skai.

Schwierige Zeiten kommen auf die Griechen zu. Experten gehen davon aus, dass Rentner und Arbeitnehmer in den kommenden drei Jahren fast ein Fünftel ihres Einkommens verlieren werden. Viele Rentner sind bereits jetzt auf die Hilfe von Verwandten und Nachbarn angewiesen. «Ich schäme mich zwar, aber mit 500 Euro im Monat, wovon 250 in die Miete fließen, können es zwei Menschen nicht schaffen,» sagte Eva Papadopoulou. Die kinderlose Frau und ihr Mann bauen auf die Mildtätigkeit der Kirche.

EU / Gipfel
26.03.2010 · 18:10 Uhr
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