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Analyse: Schockstarre bei der CDU

Verlierer RüttgersGroßansicht
Düsseldorf (dpa) - Als um 18.00 Uhr der CDU in Nordrhein-Westfalen das schlechteste Landtagswahlergebnis ihrer Geschichte prognostiziert wird, kann man eine Stecknadel fallen hören.

Das Desaster hatte sich bereits herumgesprochen in der CDU-Parteizentrale an der noblen Wasserstraße in Düsseldorf. «Ganz schlimm», raunt ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Union.

Die Anhänger in den Partyzelten ringen mit der Fassung, die Mienen sind versteinert oder spiegeln eine Gefühlslage zwischen gewaltiger Enttäuschung und blankem Entsetzen wider. Die Hochrechnungen tragen ein Übriges dazu bei.

Es ist die Grünen-Chefin Sylvia Löhrmann, die es den versammelten CDU-Anhängern via Bildschirm in aller Deutlichkeit als erste öffentlich verkündet: «Schwarz-gelb ist abgewählt.» Oben im ersten Stock hält sich Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) mit seinen Vertrauten seit 17.00 Uhr zunächst verborgen. Die Jalousien sind heruntergelassen.

Zwei Düsseldorfer Schornsteinfeger sind mit ihren schwarzen Zylindern als Glücksbringer vor Ort und mühen sich rührend, die Umstehenden aufzuheitern. Aber auch wenn die ganze Schornsteinfeger- Innung angetreten wäre, wäre das Ergebnis nicht mehr zu retten gewesen.

Fröhlich - das ist an diesem 9. Mai 2010 bei der CDU nur der Name des Unternehmens, das für das leibliche Wohl der Gäste sorgt. Was fü ein Unterschied zum Wahlabend vor fünf Jahren, als Hunderte «Jürgen, Jürgen» skandierten, die Sektkorken knallten und ein Männerchor ein «Hallelujah» anstimmte. Damals beendete Rüttgers 39 Jahre SPD- Herrschaft. Nach nur fünf Jahren scheint alles wieder vorbei. Um 18.45 Uhr tritt Rüttgers dann mit Frau Angelika und flankiert von seinen Ministern vor die Anhänger. Applaus brandet auf zu einem trotzigen Stakkato.

«Dieser Wahlabend ist für die CDU und für mich ein bitterer Abend», räumt der Regierungschef ein. «Ich trage persönlich Verantwortung und will sie auch tragen.» Der CDU-Vorstand habe ihn aber gebeten, für Gespräche zur Verfügung zu stehen - gemeint sind etwaige Sondierungsgespräche mit SPD oder Grünen. «Jetzt warten wir ab, wer am Schluss die Nase vorn hat.» Als Rüttgers nach seinem kurzen Statement die Bühne verlässt, um hinüber in den Landtag zu eilen, trösten ihn die Anhänger noch einmal mit rhythmischem Beifall. Dann leeren sich die Zelte.

Wahlen / Landtag / Nordrhein-Westfalen
09.05.2010 · 19:55 Uhr
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