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Analyse: Sarkozy packt die Koffer

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Paris (dpa) - Der eine ist noch Präsident, der andere noch nicht: An diesem Dienstag werden sich Frankreichs Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart treffen.

Seite an Seite werden der scheidende Präsident Nicolas Sarkozy und sein gewählter Nachfolger François Hollande auf den Pariser Champs-Elysées an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern. Der Tag ist in Frankreich nationaler Feiertag - genug Zeit also anschließend für Sarkozy, seinen Umzug vorzubereiten und Möbelkisten zu packen. Das ganze Umzugsgut soll erst mal in die Wohnung von Gattin Carla im schicken 16. Pariser Arrondissement gebracht werden, wusste die Zeitung «Le Parisien» bereits.

Sarkozy wirkte zuletzt erschöpft von einem kräftezehrenden Wahlkampf, der auch seinen erfolgreichen Herausforderer zeichnete. Bis Sonntag hatte der Wahlverlierer im Glauben an eine spektakuläre Trendwende jegliche Planung für den Fall einer Niederlage abgelehnt. Nun muss es schnell gehen, denn am 15. Mai will der neue Hausherr Hollande bereits mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler nach der feierlichen Amtseinführung einziehen. Und Hollande hat einen üppig gefüllten Terminkalender, auf dem an oberster Stelle ein Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht.

Denn die gegenseitige Bestätigung der deutsch-französischen Freundschaft ist für die beiden wichtigsten europäischen Wirtschaftsnationen gerade in Krisenzeiten ein unabdingbares vertrauensbildendes Ritual. Zumal nicht nur wichtige internationale Weichenstellungen und Konferenzen, sondern auch Jahrestage anstehen. Vor dem Pariser Rathaus wird der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an diesem Dienstagabend mit seinem Pariser Amtskollegen Bertrand Delanoë anlässlich des 25. Jahrestages der Städtepartnerschaft beider Kapitalen ein «Europadorf» eröffnen.

Es könnte Delanoës letzte Amtshandlung als Pariser Bürgermeister sein - er wird in französischen Medien bereits als Justizminister der neuen Regierung Hollande gehandelt. Denn der wird mit Blick auf seine internationalen Verpflichtungen unmittelbar nach der Amtseinführung aufs Gaspedal drücken müssen. Einer seiner Berater betonte am Montag im Rundfunksender Europe 1 bereits, eine Reise zu Merkel mache nur Sinn, wenn Hollande ihr auf gleicher Augenhöhe als offizieller Präsident gegenübertrete. Doch vorher muss noch die Regierung stehen.

Unklar bleibt, für wie lange die neue Regierung im Amt sein wird. Denn schon im Juni stehen Parlamentswahlen an, und da werden die Karten für Hollandes Parti Socialiste (PS) neu gemischt werden. Die Grünen und wahrscheinlich auch die Linksfront fordern Anteil an der Regierung, während die rechtsextreme Ultranationalistin Marine Le Pen zunehmend aggressiver auftritt. Sie zielt allerdings vor allem auf Sarkozys konservative UMP-Partei, auf deren Kosten sie sich in der politischen Mitte neu definieren will.

Sarkozy dagegen macht Ernst und will sich aus der Politik zurückziehen. Was er als Frührentner machen wird? «Wenn man Präsident der Republik war, hat man keine Lust, wieder bei Null anzufangen», hat er vor kurzem erklärt und nach Angaben der Zeitung «Le Parisien» betont: «Ich rauche und ich trinke nicht, ich bin nicht gedopt, nicht mal durch die Politik. Ich habe Lebenslust, ich liebe das Leben - ich habe keine Angst vor dem Nichts.»

Wahlen / Regierung / Frankreich
08.05.2012 · 08:06 Uhr
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