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Analyse: Revolutionär Obama als Weltveränderer

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Kairo (dpa) - Ganz allein betritt Barack Obama von der Seite die festlich mit Blumen sowie den Flaggen der USA und Ägyptens geschmückte Bühne. Der US-Präsident lässt sich schon vor Beginn seiner Ansprache von den ausgesuchten 2500 Ehrengästen in der traditionsreichen Kairo-Universität feiern.

«Wir lieben Dich» schreit einer begeistert inmitten der «historischen Rede», die die Welt verändern soll. «Danke», sagte Obama strahlend, um dann wieder ernst von den Telepromptern die für ihn ungewöhnlich lange Rede zu Ende zu bringen - die er mit einem arabischen «Al-Salamu Aleikum» (Friede sei mit Euch) begonnen hatte.

Obama setzt seine Politik der «Hoffnung» und des «Wandels» fort - im Ausland modifiziert als Politik der «ausgestreckten Hand». Anders aber als sein im Nahen Osten besonders verhasster Vorgänger George W. Bush will er die Menschen überzeugen, mitreißen, begeistern - ihre «Herzen und Köpfe» gewinnen. Zumindest in der getäfelten, feinen Universitätsaula gelingt ihm dies blendend, zumal er betont, dass die USA niemandem ein politisches System aufzwingen wollten.

Er wolle zuhören und lernen, offen sein - und das wünsche er sich auch in der islamischen Welt. Obamas Rede war unausgesprochen eine radikale Absage an jeden Gedanken eines «Kampfes der Kulturen». Aber der US-Demokrat will dennoch fast so etwas wie eine Revolution: Feindschaften sollen begraben, Frieden und Wohlstand überall geschaffen werden.

Obama redet dabei weder irgendjemandem nach dem Mund und schon gar nicht entschuldigt er sich dauernd für Amerika, wie das Konservative in den USA wie der republikanische Politiker Mitt Romney befürchtet hatten. «Eine brilliante Rede eines politischen Fuchses», meint ein sichtlich beeindruckter Student nach der Ansprache. Allerdings bot sie kaum Überraschungen.

Obama forderte von Palästinensern Gewaltverzicht und Augenmaß, von Israel mehr Friedenswillen und ein Ende des Siedlungsbaus. Er betonte aber gleichzeitig die Verlässlichkeit der USA als Partner des Staates, dessen Existenzberechtigung nicht zuletzt durch den Holocaust belegt worden sei, wie Obama hervorhebt. Er opfert nicht, wie manche in Israel befürchteten, die amerikanisch-israelische Freundschaft, um bei den Arabern zu punkten.

Der US-Präsident ging erneut auf den Iran zu, sogar auf die radikal-islamische Hamas. Aber er ließ kaum einen Zweifel an seinem Willen, eine Nuklearmacht Iran zu verhindern. Und die Hamas könne nur eine Rolle spielen, wenn sie der Gewalt abschwöre. Einen neuen Nahostplan, wie manche arabische Stimmen gefordert hatten, legte Obama in dem trotz der Scheinwerfer eher düster wirkenden Kuppelsaal schon gar nicht vor.

Der charismatische US-Präsident hat sich im Ausland ebenso ehrgeizige Ziele gesetzt wie im Inland. Was er nach gut vier Monaten Amtszeit erreicht hat, ist vor allem eine Veränderung der Stimmung und des Tons - und das strebt er auch erkennbar in der islamischen Welt an. Kein US-Präsident vor Obama hat das Leiden der Palästinenser so drastisch ausgesprochen, er sprach von den «täglichen Erniedrigungen», unter denen Palästinenser in den besetzten Gebieten leiden müssten.

Gleichzeitig kritisierte er klar Israel, sprach dem Siedlungsbau die Legitimität ab und meinte, die Israelis würden interne Probleme zuweilen mit dem Verweis auf den Palästinenser-Konflikt zu übertünchen versuchen. Er wisse, dass er mit einer Rede nicht «Jahre des Misstrauens» und der Entfremdung auslöschen könne, betonte Obama - und setzt auf eine allmähliche Stimmungsänderung gegenüber der Supermacht Amerika.

Obama folgte dem Rat vieler US-Experten: Er umschmeichelte besonders die Frauen und die Jugend der islamischen Welt. Mit dem Verweis auf die demokratischen Rechte und den Anspruch, am Wohlstand der Welt teilzuhaben, spekuliert Obama gezielt auf eine Welt, «in der alte Autokraten herrschen und die Masse der jungen Menschen keine Perspektive hat», so der konservative Ex-Berater des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton, Dick Morris.

International / USA / Nahost / Ägypten
04.06.2009 · 18:30 Uhr
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