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Analyse: Poker mit ungewissem Ende

Berlin (dpa) - Es ist ein Pokerspiel mit ungewissem Ende - und die Beteiligten lassen sich kaum in ihre Karten schauen. Die Zukunft des Autobauers war daher am Freitag völlig offen.

Eine erste Spitzenrunde im Kanzleramt zur Opel-Rettung war in der Nacht zum Donnerstag gescheitert. Die Bundesregierung pochte danach auf einen neuen Sachstand für Verhandlungen. Sie sah die US-Seite und die Opel-Interessenten am Zug, forderte «entscheidungsreife Verträge» und drohte, ein geplantes zweites Opel-Spitzentreffen platzen zu lassen. Zugleich machte Berlin klar, dass man sich nicht auf eine Opel- Rettung um jeden Preis einlassen werde. Eine Insolvenz steht mehr denn je im Raum - möglicherweise wird aber auch über Pfingsten weiter um Opel gerungen.

Am Mittwoch hatte der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) nach Darstellung der Bundesregierung einen weiteren, kurzfristigen Finanzbedarf für Opel in Höhe von rund 300 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Die Bundesregierung führte dies als einen wesentlichen Grund dafür an, dass das Treffen schließlich ohne ein konkretes Ergebnis zu Ende ging. Die staatliche Zwischenfinanzierung für Opel soll höchstens 1,5 Milliarden Euro betragen. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg bekräftigte am Freitag: «Für die Bundesregierung bleibt es dabei: Ein Brückengeld (...) kann gewährt werden. Aber die Höhe des Brückengeldes liegt fest und ist nicht verhandelbar.» Mit dem Brückenkredit, das an ein Treuhandmodell gekoppelt werden soll, soll Opel mehr Zeit für Verhandlungen bekommen.

GM will jedoch nach Angaben der «Frankfurter Rundschau» (Samstag) gar nicht von dieser neuen Forderung gesprochen haben. Die genannte Summe sei bereits Teil des bisher beantragten Überbrückungskredites für Opel von 1,5 Milliarden Euro. Dies habe GM-Chef Fritz Henderson dem Opel-Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Freitag versichert. Bei den Verhandlungen sei es darum gegangen, eine Tranche früher auszahlen zu lassen. Der US-Seite kann das Schicksal von GM-Europe und somit auch von Opel tatsächlich nicht völlig egal sein. Daran erinnerte auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) im Deutschlandfunk: ««Es gab vor einem halben Jahr eine Unternehmensbewertung des weltweiten General-Motors-Konzerns. Da waren die europäischen Einheiten des Konzerns etwa 50 Prozent des Gesamtwertes des Unternehmens.»

Auch der italienische Fiat-Konzern, der neben Magna zu den beiden ernstzunehmenden Interessenten für Opel gehört, taktiert. Fiat-Chef Sergio Marchionne erklärte, Fiat nehme nicht an dem zweiten Opel-Treffen in Berlin teil, das für Freitag anberaumt war. Die neuen Geldforderungen von GM «würden Fiat dazu zwingen, Opel finanziell zu unterstützen und sich damit unnötigen und irrationalen Risiken auszusetzen.» Marchionne fügte jedoch hinzu, dass Fiat offen bleibe, um weiter mit GM und der Bundesregierung über Opel zu sprechen.

Zuletzt blieb Magna als potenzieller Investor und zog noch einen Trumpf. Vertreter des kanadisch-österreichischen Zulieferers verhandelten am Freitag in einem Berliner Hotel fieberhaft mit GM. Zwischenzeitlich drohte Magna offenbar ebenfalls mit einem Ausstieg. Die Online-Ausgabe der «Bild»-Zeitung berichtete unter Berufung auf Verhandlungskreise: «Auch Magna steht kurz davor hinzuschmeißen.» Magna hatte bereits signalisiert, sich beim Stopfen des neuen Finanzierungslochs von 300 Millionen Euro beteiligen zu wollen. Nachdem Fiat sich zurückgezogen hat, rechnete sich der Zulieferer bis zuletzt in den Gesprächen mit der Bundesregierung die besten Karten aus.

Auto / Opel
29.05.2009 · 17:05 Uhr
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