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Analyse: Peking verliert die Geduld mit den USA

Lange nicht mehr hat China mit solcher verbalen Härte reagiert: «Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen»Großansicht

Washington/Peking (dpa) - Lange nicht mehr hat China mit solcher verbalen Härte reagiert. «Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen», ließ die regierungstreue Nachrichtenagentur vernehmen.

Wenn die USA weitere Nackenschläge verhindern wollten, müssten sie ihre «riesigen Militärausgaben und aufgeblähten Sozialausgaben» beschneiden. Zwar drückte Peking nur aus, was in den USA und in der Welt viele denken - doch der Ton erinnert fatal an die Verbalattacken aus der Zeit des Kalten Krieges.

Die Absicht des größten Gläubigerland der USA ist klar. Peking verliert die Geduld. Gigantische 1,15 Billionen US-Dollar hat das Reich der Mitte in amerikanische Schatzanleihen investiert. Bereits seit Monaten stichelt Peking immer mal wieder gegen den Dollar. Die Zeit, das die Amerikaner allein die Leitwährung stellen, nähere sich dem Ende. Jetzt wird es für die USA ernst.

Zwar stufte die «New York Times» die Herabstufung eher als eine «symbolische» Aktion ein, deren konkrete Folgen derzeit noch alles andere als klar seien - doch die knallharte Reaktion aus Peking lässt nichts Gutes ahnen.

Praktisch bis zur letzten Minute hatte Washington versucht, die Herabstufung zu verhindern. Bereits am Freitagnachmittag hatte S&P der Regierung die Hiobsbotschaft zukommen lassen, die offizielle Verkündung wurde vorsorglich auf den Abend verschoben - die Börsen rund um die Welt hatten geschlossen.

US-Medien berichteten, das Finanzministerium habe gar einen Rechenfehler in den Kalkulationen der Ratingagentur entdeckt. Um sage und schreibe zwei Billionen Dollar habe die Agentur die künftigen Schulden überschätzt. «Eine Urteil, das um zwei Billionen danebenliegt, spricht für sich selbst», zitierten Zeitungen eine Sprecherin des Ministeriums. Doch die Agentur ließ sich nicht beirren.

Das Timing könnte nicht schlimmer sein: Seit Tagen spielen die Finanzmärkte verrückt. Wall Street meldete in der vergangen Woche die schwersten Kurseinbrüche seit drei Jahren. Weltweit geht die Angst vor einem Rückfall in die Rezession um.

Hinzu kommt, dass jetzt auf beiden Seiten des Atlantiks eine «Doppelkrise» herrscht. Über Europa hängt der Makel der Mega-Schulden aus den Mittelmeerländern. Jetzt droht auch Italien abzurutschen, immerhin die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wenn jetzt auch noch der Primus der Weltwirtschaft ins Gerede gerät, kann niemand die Folgen exakt einschätzen.

Optimisten in den USA setzen darauf, dass die direkten Konsequenzen der Herabstufung eher gering ausfallen. Sie verweisen darauf, dass die beiden großen US-Agenturen Moody's und Fitch die Bestnote «AAA» trotz Magenschmerzen beibehalten - zumindest fürs erste.

«Der Schritt sollte die Märkte nicht allzu sehr überraschen», meint Ajay Rajadhyaksha, Top-Manager bei Barclays Capital in New York. Tatsächlich hatte S&P die Herabstufung schon vor Wochen angedroht - für den wahrscheinlichen Fall, dass sich die USA nicht zu wirklichen massiven Konsolidierungsmaßnahmen einigen können. Doch auch der Wall-Street-Banker räumt ein, dass die Herabsetzung zur Unzeit kommt.

Mit offener Sorge wird daher die Öffnung der Märkte am Montag erwartet. Setzt sich die Unsicherheit der vergangenen Woche fort? Skeptiker verweisen darauf, dass eine «herabgestufte USA» auch für die Märkte eine völlig neue Realität bedeutet - und damit Unsicherheit.

Tatsächlich ist das US-Schuldenproblem atemberaubend. Gut 14,3 Billionen Dollar Staatsschulden sind es derzeit, IWF-Experten gehen davon aus, dass sie bereits sehr bald auf 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung anwachsen werdrn. Allein das Haushaltsdefizit liegt dieses Jahr bei über zehn Prozent - beinahe schon «griechische Verhältnisse».

Finanzen / USA
06.08.2011 · 22:06 Uhr
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