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Analyse: Obamas Stunde des Triumphs

Mit der Nachricht vom Tod des Terrorchefs Osama bin Laden hat sich Barack Obama den Sieg bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Herbst 2012 praktisch gesichert.

Washington (dpa) - Bin Laden ist tot - ein großer Moment für Obama. Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein. Denn in den USA beginnt bereits der Präsidentschaftswahlkampf.

Der US-Präsident gab sich nicht als strahlender Sieger - und doch war es für Barack Obama die Stunde eines großen Triumphs. Als er am späten Sonntagabend (Ortszeit) nach mehrfacher Verzögerung endlich vor die Kameras trat, waren sich die amerikanischen Medien bereits einig: Mit der Nachricht vom Tod des Terrorchefs Osama bin Laden hat sich Obama den Sieg bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Herbst 2012 praktisch gesichert.

«Der Gerechtigkeit ist Genüge getan», fasste Obama in Worte, was Millionen Amerikaner in dieser Sekunde fühlten. Mit der Erfolgsmeldung konnte der Präsident den Menschen etwas von der Last nehmen, die seit den grausamen Anschlägen des 11. September 2001 auf der Seele der US-Bevölkerung gelegen hatte. «Ein zerrissenes Land ist geeint», so ein Kommentator der «Washington Post». Und der Präsident hat gezeigt, dass er mit seiner Art der Terrorbekämpfung auf Erfolgskurs liegt.

Von Anfang an hatte Obama George W. Bushs Krieg im Irak als Fehlentscheidung verurteilt, die vom eigentlichen Ziel ablenke: den Chef des Terrornetzwerks dingfest zu machen, dessen bärtiges Gesicht seit nunmehr fast zehn Jahren für den Tod von rund 2600 Amerikanern aller Religionen stand. «Bin Laden war kein muslimischer Führer, er war ein Massenmörder von Muslimen», stellte Obama in seiner Rede klar. Und auch, dass die USA keinen Krieg gegen die Muslime führen. Obama hat von vornherein auf Zusammenarbeit mit ihnen gesetzt - was ihm im eigenen Land nicht bei allen Lob eingetragen hat.

«Tot oder lebendig» wollte Obamas Vorgänger Bush den Terrorchef. Aber er konzentrierte sich hauptsächlich - oder, wie seine Kritiker sagen, stattdessen - auf den irakischen Diktator Saddam Hussein. Obama hingegen machte von vornherein klar: Sein Krieg findet am Hindukusch statt. Und zwar mit Hilfe des pakistanischen Geheimdienstes. Führende Republikaner wie Ex-Vizepräsident Dick Cheney stuften den unerfahrenen obersten Chef der Armee gar als Sicherheitsrisiko für die USA ein. Die andere Seite, das liberale Lager der Demokraten, prangerte Obama wegen seines gebrochenen Versprechens der Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo an.

Doch Obama und seine Mannschaft setzten unbeirrt auf eine Karte: Neben den 20 Milliarden Dollar, die Washington seit den Anschlägen auf das World Trade Center in das pakistanische Militär gepumpt hat, spielten Geheimdienstoperationen im Grenzgebiet zu Afghanistan in den vergangenen Monaten eine immer größere Rolle.

Sie führten schließlich dazu, dass viele Amerikaner in der Nacht zum Montag wieder jubelten: «Yes, we can.» Obama, der angesichts von schwächelnder Wirtschaft, hoher Arbeitslosigkeit und enormer Staatsverschuldung viel von seiner Popularität eingebüßt hatte, kann nun mit Rückenwind in den Wahlkampf 2012 gehen. «Die Entwicklung markiert mit Sicherheit einen der entscheidendsten Momente seiner Präsidentschaft», kommentierte die «New York Times». «Sie erlaubt es Obama, den größten Sieg des Jahrzehnts auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit für sich zu verbuchen.» Ein Sieg, der George W. Bush verwehrt blieb.

Obama hatte seinen Vorgänger nach dem Gebot der Fairness telefonisch informiert, bevor er am Sonntagabend ans Mikrofon trat. Bush gratulierte. Auch ihm wird klar sein: Diese Rede war die wohl wichtigste in Obamas erster Amtsperiode. Sie war noch nicht zu Ende, da brachen die ersten Jubelchöre vor dem Weißen Haus aus. Für viele ein Déjà vu. So hatten sie Obama gefeiert, als er 2008 seine erste Präsidentschaftswahl gewonnen hatte.

Terrorismus / USA
02.05.2011 · 21:59 Uhr
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