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Analyse: Obama als Krisenmanager im Terrorkampf

Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama hat dazu gelernt, diesmal ließ er nichts anbrennen - erst recht nicht so kurz vor den Wahlen am Dienstag. Nur wenige Stunden, nachdem die ersten Berichte über verdächtige Päckchen in Dubai und Großbritannien im Fernsehen auftauchten, trat er persönlich vor die Kameras.

Der Präsident selbst war es, der nach widersprüchlichen und verwirrenden Meldungen Klarheit schuf, die Nachricht übermittelte: Es waren keine Attrappen, es waren Bomben.

Und ruhig, staatsmännisch versicherte Obama der Bevölkerung, dass sein Sicherheitsteam alle nötigen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriffen habe: «Das amerikanische Volk kann darauf vertrauen, dass wir in unserer Entschlossenheit nicht wanken werden, die Al-Kaida und ihre Verbündeten zu besiegen und gewalttätigen Extremismus in allen seinen Formen auszurotten.» Da kamen sogar die Republikaner nicht umhin, ihm Lob zu spenden.

Das war ganz anders vor gut zehn Monaten, als es Weihnachten beinahe über Detroit zu einem Flugzeuganschlag gekommen wäre. Obama urlaubte damals auf Hawaii, wartete drei Tage nach der missglückten Aktion des «Unterhosenbombers», bis er sich mit einer persönlichen Erklärung an die Öffentlichkeit wandte.

Das entsprach seiner bisherigen Linie, unnötige Alarm-Töne in der Terrorismusdebatte zu vermeiden, wie sie die Demokraten selbst manchmal dem Republikaner George W. Bush angelastet hatten. Aber in diesem Fall kam es schlecht an, Obama sah aus wie einer, der die drohende Terrorismus-Gefahr leichter nimmt als er sollte.

Das können ihm seine Kritiker diesmal tatsächlich nicht vorwerfen. Sprecher Robert Gibbs rechnete demonstrativ vor, was geschah und wann, seit Obama am Donnerstagabend 22.35 Uhr Washingtoner Zeit von seinem Sicherheitsberater John O. Brennan erstmals über die verdächtigen Päckchen informiert wurde.

Und welch eine Erleichterung: Diesmal, anders als so oft zuvor, konnte den US-Geheimdiensten kein Versagen vorgeworfen werden, und die internationale Zusammenarbeit klappte. Entsprechend klopfte sich die US-Regierung - bei allem Dank für die Unterstützung aus Saudi- Arabien und Großbritannien - auch selbst reichlich auf die Schulter.

Dabei ist es aber gar nicht den Spionagebehörden in den USA zu verdanken, dass die Bomben nicht in Synagogen in Chicago explodierten oder in den Flugzeugen. «Es gab einen sehr spezifischen Hinweis von einem engen Verbündeten», zitieren US-Medien Regierungsbeamte, und es ist klar, wen sie damit meinen: Saudi-Arabien.

US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano selbst musste am Samstag auf Fragen zumindest indirekt einräumen, dass die Pakete ohne den Tipp wahrscheinlich ihr Ziel erreicht hätten. Denn die US- Regierung hat nach den Anschlägen vom 11. September ihr ganzes Gewicht auf bessere Personenkontrollen auf Flughäfen gelegt. So soll es demnächst an Sicherheitssperren unangenehmes Abtasten auch privatester Körperteile geben. Aber die Kontrollen der Luftfracht in reinen Transportmaschinen wurde vernachlässigt, nur ein Bruchteil wird bisher untersucht.

So zeigte sich die ranghöchste Republikanerin im Heimatschutzausschuss des Senats, Susan Collins, auch besorgt über diese gefährliche Lücke. «Al-Kaida wird weiter die Schwächen in unserem System testen, und es sieht so aus, dass wir Schwächen bei der Luftfracht haben.»

Experten erwarten nun auch eine verstärkte Debatte innerhalb der Regierung über eine Ausweitung geheimer Operationen gegen die Al- Kaida im Jemen, die hinter den Anschlagsversuchen vermutet wird. Denn die Bomben enthielten die gleiche Art von Sprengstoff, die der im Jemen ausbildete «Unterhosenbomber» bei sich trug. «AQAP (Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel) hat sich in eine zunehmend tödliche und agile Organisation verwandelt», zitiert die «Washington Post» den Nahost-Experten Christopher Boucek vom Institut Carnegie Endowment for International Peace.

Bereits in der Vergangenheit haben die USA im Jemen den Einsatz von Spezialtruppen sowie Marschflugkörpern verstärkt und die Militärhilfe für die Regierung aufgestockt. Zur Zeit wird die Stationierung einer bewaffneten CIA-Drohne im Jemen erwogen.

Aber nun stehen in den USA erst einmal die Kongresswahlen an. Wird die so offensichtlich gewordene Terrorbedrohung Obama und seinen bedrängten Demokraten nützen, weil sich der Präsident als rasch handelnder Krisenmanager präsentieren konnte? Wohl kaum, meinen Experten übereinstimmend. Denn was diese Wahl prägt, sind die Themen Wirtschaft und die Arbeitslosigkeit, daran dürfte sich wenig ändern.

Terrorismus / USA / Großbritannien
30.10.2010 · 21:47 Uhr
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