News
 

Analyse: Mixas Rücktritt löst die Probleme nicht

MixaGroßansicht
Augsburg (dpa) - Die Forderungen nach einem Rücktritt oder zumindest einer Amtspause des umstrittenen Augsburger Bischofs Walter Mixa waren in den vergangenen Tagen immer lauter geworden.

Sogar von höchster Stelle der katholischen Kirche in Deutschland wurde Mixa mehr oder minder sanft dazu gedrängt, sein Amt für eine Weile ruhen zu lassen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Robert Zollitsch, formulierte es im diplomatischen Kirchendeutsch so: Man habe zusammen mit Mixa überlegt, «ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne».

Am Mittwochabend vollzog Mixa diesen Schritt: Er bat in einem Brief an Papst Benedikt XVI. um seine Entlassung, wie die «Augsburger Allgemeine» meldete. Sowohl vom Amt des Augsburger Bischofs als auch vom Amt des Militärbischofs der Bundeswehr wolle er entbunden werden.

Zuletzt hatte sich Mixa in Demut geübt. An die Gläubigen hatte er pastoral zum Zusammenhalt aufgerufen, geschlagene Heimkinder um Verzeihung gebeten und die aufgebrachten Priester in seinem Bistum mit seinem Charisma zu besänftigen versucht. «Es tut mir im Herzen weh, dass ich vielen Menschen Kummer bereitet habe. Ich bitte um Verzeihung», ließ er noch am Dienstag verlauten. Doch alles war vergebens - am Ende blieb ihm nur der Rückzug.

Die Vorwürfe gegen Mixa sind nach wie vor ungeklärt. Der Sprecher des Augsburger Priesterrates, Bernhard Ehler, bringt es auf den Punkt: «Wir haben ein Problem, das nicht gelöst ist.» So wird es ganz offensichtlich auch von der Deutschen Bischofskonferenz gesehen. Mixa soll als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (1975-1996) Heimkinder brutal geprügelt haben, räumt aber trotz vorliegender eidesstattlicher Erklärungen allenfalls Ohrfeigen ein. Er soll in dieser Zeit zudem nennenswerte Geldbeträge aus dem Vermögen einer Waisenhausstiftung zweckentfremdet haben und erklärt dazu lediglich, es mit der «finanziellen Zuordnung» nicht so genau genommen zu haben.

Mit Spannung wird nun die Vollversammlung des Diözesanrates im Bistum an diesem Wochenende erwartet. Der Unmut über den Bischof ist derart groß, dass einige Mitglieder des Laiengremiums bereits erklärt haben, sie kämen nicht, wenn Mixa anwesend ist. Der Ratsvorsitzende Helmut Mangold will die Vorwürfe gegen Mixa auf der Versammlung an diesem Freitag thematisieren. Intern wird darauf gedrängt, dass es im personellen Umfeld von Mixa Konsequenzen gibt. Mixa hat nach Auffassung vieler mit seinem Verhalten das Bischofsamt beschädigt.

Der von der Stiftung eingesetzte Sonderermittler Sebastian Knott entdeckte bei seinen Nachprüfungen zwei brisante Zahlungen aus Stiftungsmitteln: einmal 15 000 Mark für diverse Wertgegenstände, unterzeichnet von Walter Mixa, und einmal eine Zahlung über 40 000 Mark für die Ausstattung und Erneuerung einer Kapelle, unterschrieben höchstwahrscheinlich von Mixa. Für beide Zahlungen konnten bislang keine Belege oder Rechnungen gefunden werden. Unklar ist, wer hier kassierte.

Regelrecht peinlich ist die Angelegenheit um einen von Mixa gekauften Piranesi-Stich von einem kirchennahen Hochstapler in Rom für 43 000 Mark. Der Stich ist nicht nur überteuert - Schätzwert heute 2000 Euro -, sondern offensichtlich gefälscht. Auf dem «Kunstwerk» steht die Jahreszahl 1707, da war Piranesi (1720-1778) noch gar nicht geboren. Undurchsichtig auch dieser Ankauf: Mixa ließ ein spätgotisches Kreuz mit zwei Renaissance-Engeln für 70 500 Mark anschaffen. Der Schätzwert dafür liegt laut Sonderermittler bei 47 000 Mark. Und völlig dubios ist die Anschaffung eines Solariums, wohlgemerkt für ein Kinderheim, für rund 6000 Mark. Es wurde kaum benutzt.

Und auch Mixas Bischofsring - Kosten 3854,34 Mark - wurde von der Waisenhausstiftung bezahlt. Es war ein Abschiedsgeschenk an den Bischof, offenbar ohne Beschluss des dafür zuständigen Gremiums. Und für wen war der Wein, der in Mixas Zeit mit über 5380 Mark berechnet ist, alles aus Stiftungsmitteln? Der Waisenhausstiftung ist dadurch offenbar erheblicher finanzieller Schaden entstanden. Der Sonderermittler spricht von einem vorläufigen Fehlbetrag von etwa 15 000 Mark - rund 7500 Euro. Die Summe könnte erheblich steigen.

Münchens Erzbischof Reinhard Marx hat als Vorsitzender der Bayerischen Bischofskonferenz Mixa vorigen Samstag besucht. Er soll mit dem angeschlagenen Amtsbruder die Situation ausführlich erörtert haben. Immerhin verlassen die Gläubigen in Scharen die Kirche.

Mixa hat nun gehandelt, wenn auch zögerlich, spät und erst nach Rücktrittsforderungen aus Politik und Gesellschaft. Und der Vatikan dürfte das Rücktrittsgesuch wohl annehmen. Mixas 69. Geburtstag an diesem Sonntag dürfte also kaum ein Freudenfest werden.

Kirchen / Kriminalität
21.04.2010 · 23:10 Uhr
[5 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

Weitere Themen