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Analyse: Missbrauchskandal überschattet Bischofstagung

Mitglieder der katholischen Laienbewegung «Wir sind Kirche» halten vor dem Münster in Freiburg eine Mahnwache.Großansicht
Freiburg (dpa) - Hilfe für die Erdbebenopfer in Haiti, deutsche Soldaten in Afghanistan, die Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft: Wichtige Themen haben sich die katholischen deutschen Bischöfe bei ihrer Frühjahrstagung in Freiburg vorgenommen.

Das Medieninteresse ist enorm. So richtig glücklich sind die Bischöfe darüber nicht. Denn das Thema, mit dem die katholische Kirche Schlagzeilen macht und Kritik auf sich zieht, sollte eigentlich nicht im Mittelpunkt der Tagung stehen. Es ist der Missbrauchskandal und seine Folgen. Dieses Thema überschattet die gesamte Versammlung, bringt den ganzen Ablaufplan durcheinander.

Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, Gastgeber und seit zwei Jahren Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), hatte am Dienstag sichtlich empört auf Äußerungen der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) reagiert, der Ministerin ein Ultimatum gestellt und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Telefonat um Schützenhilfe gebeten. Am Mittwoch versucht der oberste deutsche Katholik den Konflikt zu beruhigen, Schadensbegrenzung ist sein Ziel. Zollitsch wirkt bei seinen öffentlichen Auftritten an diesem Tag ruhig, lächelt viel, macht sogar einen Witz.

Der 71-Jährige kennt die Regeln des Medienmarktes. So lässt er gleich zu Beginn der Pressekonferenz zur Problematik der alternden Gesellschaft von seinem Sprecher Matthias Kopp ankündigen, dass er sich erst am Schluss zum Streit mit der Justizministerin äußern werde. Fragen zu diesem Thema werden nicht zugelassen, auch zur Alkoholfahrt der EKD-Ratsvorsitzenden Magot Käßmann will sich Zollitsch zunächst nicht äußern. Aus «ökumenischer Rücksicht», wie er sagt. Mit den Botschaften, die aus ihrer Sicht im Zentrum der Tagung stehen sollten, bleiben Zollitsch und seine Bischofskollegen nahezu ungehört.

Am späten Nachmittag müssen die 65 Bischöfe ihre Tagung unterbrechen. Zollitsch äußert sich nun doch zu Käßmann, nachdem diese zurückgetreten ist. Danach geht es zurück in den Sitzungssaal. Fachleute erörtern mit den Bischöfen die Frage, wie sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen verhindert werden kann. Konkrete Antworten für die Öffentlichkeit auf diese drängende Frage haben die obersten deutschen Kirchenvertreter bislang nicht gefunden, auch nach drei Tagen Beratung nicht.

Mögliche Ergebnisse sollen an diesem Donnerstag verkündet werden. Die Frage, welche Lehren die katholische Kirche aus dem Missbrauchskandal zieht, wird dabei im Mittelpunkt stehen. Rede und Antwort wird Zollitsch als Chef der Bischofskonferenz stehen müssen. Die übrigen Bischöfe stehen für Interviews nicht zur Verfügung, heißt es.

Kriminalität / Kirchen / Schulen
25.02.2010 · 12:42 Uhr
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