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Analyse: Mexiko sonnt sich im Glanz des Gipfels

Mexikos Präsident Felipe Calderon will sein Land beim G20-Gipfel als aufstrebenden Schwellen-Staat präsentieren, der auf der globalen Bühne ernst zu nehmen ist. Foto: Ulises Ruiz BasurtoGroßansicht

Nicht kleckern, sondern klotzen: Für das vom Drogenkrieg gezeichnete Mexiko war das G20-Treffen eine einmalige Chance, sein Image aufzupolieren. Das Land gab viel Geld aus, um sie zu nutzen.

Los Cabos (dpa) - Das reichhaltige Buffet und die Getränke mit exklusivem Meeresblick waren gratis - und das zu jeder Tages- oder Nachtzeit. Heerscharen von Hostessen und Technikern standen ständig mit Rat und Tat parat. Für kostenlose Beförderung war natürlich auch hier gesorgt. Mexiko hat bei dem G20-Gipfel in Los Cabos keine Kosten und Mühen gescheut, alle Teilnehmer aus den wichtigsten Volkswirtschaften der Erde zu verwöhnen und für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

Die Botschaft war klar: «Die Augen und Ohren der Welt sind auf uns gerichtet», sagte Präsident Felipe Calderón. Eine bessere Gelegenheit, Mexiko als aufstrebende Wirtschaftsmacht zu präsentieren, hätte er sich kaum wünschen können. Zwar hatte das Land schon beim Weltklimagipfel 2010 in Cancún gezeigt, dass es in der Lage ist, große Konferenzen zu organisieren. Aber der G20-Gipfel war nach den Worten Calderóns das wichtigste internationale Treffen, das Mexiko je veranstaltet hat. Das Land kann sich zudem rühmen, als erster Staat Lateinamerikas eine solche Veranstaltung beherbergt zu haben.

Für Mexiko, das meist nur wegen des blutigen Drogenkrieges in die Schlagzeilen kommt, ging es aber auch um eine Imageaufbesserung. «Der Gipfel wird Mexikos Prestige sehr gut tun», gab sich Calderón überzeugt. Der 49 Jahre alte Konservative, der bei der Präsidentenwahl am 1. Juli nicht erneut antreten darf, hatte bei seinem Amtsantritt den Drogenkartellen den Krieg erklärt. Rund 50 000 Menschen kamen seither in dem Konflikt ums Leben.

Die zweitägige Konferenz schlug nach Zahlen der Veranstalter mit umgerechnet rund 90 Millionen Euro zu Buche. Das ist selbst für ein erdölreiches Land wie Mexiko eine beträchtliche Summe. Sogar ein neues Kongresszentrum für bis zu 6000 Zuhörer wurde in dem Nobelbadeort am Golf von Kalifornien in Rekordzeit hochgezogen. Dazu kamen millionenschwere Investitionen in neue Straßen.

«Das war schon eine große Anstrengung», räumte eine Mitarbeiterin des Finanzministeriums in Los Cabos ein. «Aber diese wird Früchte tragen.» Jeder ausgegebene Peso, so erhofft sich Mexiko, wird nämlich außerdem dazu beitragen, mehr zahlungskräftige Touristen auf die Halbinsel Baja California zu locken.

Die Ausgaben für das Prestige-Event stießen aber nicht nur auf Zustimmung. Allein das neue Kongresszentrum habe das 31fache des jährlichen Budgets des nationalen Programms zur Leseförderung verschlungen, merkte die Zeitung «La Jornada» kritisch an. Für die Gipfelgegner war das Treffen in Los Cabos ohnehin eine reine Verschwendung. «Die G20-Staaten stützen eine Finanzdiktatur, die für ihre hausgemachten Krisen die arbeitende Bevölkerung zahlen lässt», kritisierte Gilberto Piñeda, einer der Sprecher der mexikanischen Anti-G20-Koalition, der rund 130 verschiedene Bürgerinitiativen angehören.

G20 / Gipfel
19.06.2012 · 22:47 Uhr
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