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Analyse: Merkel will Athen-Spekulanten das Handwerk legen

Angela Merkel und Giorgos PapandreouGroßansicht
Berlin (dpa) - Griechenland ist vorerst wieder flüssig, die Erleichterung bei der Bundesregierung groß. Ihre Strategie, nicht voreilig Blankoschecks für Athen auszustellen und auf eine Beruhigung der Märkte zu setzen, hat sich bisher bewährt.

Jetzt will Berlin dabei helfen, das bei den Deutschen beliebte, aber marode Reiseland ins 21. Jahrhundert zu führen. Zeiten ändern sich: Am 9. November vergangenen Jahres stand der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou im Kreis der EU-Partner an der Seite der Kanzlerin am Brandenburger Tor, um den 20. Jahrestag des Mauerfalls zu feiern. Damals ahnte die Öffentlichkeit nicht, dass die dramatische Verschuldung Athens den Euro bis ins Mark erschüttern wird.

Vier Monate später ist Papandreou wieder in Berlin. Der Sozialist bemüht sich bei der abendlichen Pressekonferenz im Kanzleramt, den Eindruck zu verwischen, er sei als Bittsteller zu Angela Merkel gekommen. Griechenland habe nicht um finanzielle Hilfen gebeten, stellen er und die Hausherrin mehrfach klar.

Beide Politiker loben die deutsch-griechische Freundschaft über den grünen Klee. Merkel kündigt eine Kommission an, in der deutsche Experten den Griechen in Schlüsselbereichen helfen sollen, die Wirtschaft fit für den globalen Wettbewerb zu machen. Experten fürchten, dass wegen des drastischen Sparkurses der Konsum in Griechenland einbrechen und die ohnehin schon schwache Konjunktur im Inselstaat abwürgen wird.

Merkel geißelt die Spekulanten, die rund um den Globus auf eine Staatspleite Griechenlands gewettet hatten. Ihnen müsse das Handwerk gelegt werden. Doch seit Monaten sind die internationalen Bemühungen um strengere Regeln für Großbanken, Hedgefonds und Spekulanten ins Stocken geraten. Die mächtigen Finanz-Lobbyisten der Wall Street und Londoner City ziehen an den Strippen, um harte Gesetze zu verhindern.

Merkel sieht die Stabilität des Euro nicht grundsätzlich in Gefahr. Sie sei zuversichtlich, dass sich die Lage wieder beruhige. Die von den Griechen an Investoren verkaufte Anleihe habe bewiesen, dass die Märkte dem Sanierungskurs der Athener Regierung vertrauten. Die Kanzlerin zollte Papandreou Respekt für die harten, bei der Bevölkerung unpopulären Schritte.

Nach Einschätzung der Bundesregierung ist die Lage am Peloponnes aber weiterhin ernst. In der Tat hat sich Athen mit dem Verkauf der 5-Milliarden-Staatsanleihe nur eine Verschnaufpause verschafft. In diesem Jahr müssen die Griechen über 50 Milliarden Euro aufnehmen. Dafür muss das heruntergewirtschaftete Land horrende Aufschläge zahlen, auch wenn der Zinsdruck sich etwas abgeschwächt hat. «Das kann kein Land in der EU auf Dauer verkraften. So können wir nie wieder wettbewerbsfähig werden», warnte Papandreou in einem Interview.

Die Griechen erlagen bei ihrer jüngsten Anleihe nicht der Versuchung, sich auf einen Schlag noch mehr frisches Geld zu borgen. Die Nachfrage von Finanzinvestoren war so groß, dass man locker 15 Milliarden Euro hätte einsammeln können. Im Athener Finanzministerium dürfte man daraufsetzen, dass sich die Lage weiter entspannt und bei kommenden Anleihen geringere Risikoprämien fällig sind.

Experten halten es dennoch für möglich, dass die EU-Partner Griechenland in den kommenden Monaten noch unter die Arme greifen müssen. Ein Kauf griechischer Anleihen bei der nächsten Umschuldung von mehr als 22 Milliarden Euro sei nicht ausgeschlossen, sollte der Markt nicht alle Anleihen abnehmen.

Keinen Hehl machten Merkel und Papandreou daraus, was sie von den jüngsten «Stammtisch-Parolen» von Berliner Hinterbänklern halten, die Athen den Verkauf griechischer Inseln nahelegten. Merkel distanzierte sich von den Äußerungen und stellte klar, dass kein Mitglied ihrer schwarz-gelben Regierung die Griechen kritisiert habe. Auch Papandreou riet zur Besonnenheit. Kein Grieche habe die deutschen Steuerzahler gebeten, ihre Schulden, Renten oder Urlaube zu bezahlen.

EU / Finanzen / Griechenland / Deutschland
05.03.2010 · 22:48 Uhr
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