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Analyse: Merkel kämpft für Schwarz-Gelb

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Berlin (dpa) - Das Wahlkampf-Finale beginnt mit Liebesliedern: «Die Welt ist wunderschön, wenn wir zusammen sind», schmachtet sich ein Duo auf der Berliner CDU-Bühne an. Er ganz in Schwarz, sie in Rot - ein Zufall im Vorprogramm?

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) - in neutralem Weiß - lässt auch bei ihrem letzten Auftritt vor der Wahl jedenfalls keinen Zweifel daran, dass ihr wenig liegt an einer Neuauflage der schwarz-roten Koalition mit der SPD. «Deutschland kann sich keine Experimente leisten», zitiert sie Slogans der Adenauer- Zeit und fordert Wahlkampf bis zur letzten Minute. Die Amtsinhaberin setzt noch einmal alles auf die schwarz-gelbe Karte - ob es dafür reicht, ist nicht sicher.

Sechs Wochen «heißen» Wahlkampfs gehen an diesem Samstag zu Ende - sechs Wochen, in denen der Vorsprung des bürgerlichen Lagers in den Umfragen schrumpfte. Es ist sogar schon die Rede von einem Patt zwischen Union und FDP auf der einen und SPD, Linkspartei und Grünen auf der anderen Seite. Merkel weiß das, wenn sie fordert: «Morgen ist nicht der Tag, an dem man taktische Spielchen machen darf.» Die Union brauche beide Stimmen, nicht nur für die Kanzlerin, sondern auch für die Direktkandidaten von CDU und CSU. «Verantwortung», «Vernunft», «Kraft», «Stärke» - das sind die Schlüsselwörter ihrer Rede.

Die Frau, die an diesem Vorwahltag in einem früheren Busdepot durch die Reihen gespannter Anhänger einzieht, sieht müder aus als auf den riesigen Wahlplakaten ringsum. Wenige Stunden zuvor ist sie aus Pittsburgh zurückgekehrt, vom Treffen der 20 stärksten Wirtschaftsmächte. Auch nach dem Berliner Auftritt ist für sie nicht Schluss. Die CDU-Chefin will anschließend noch Wahlkampfhilfe in Brandenburg leisten, wo am Sonntag parallel der Landtag gewählt wird.

Wer sich in den Stuhlreihen unter den «Angie»-Schildern umhört, erfährt: «Mit der FDP wär' schon schöner, aber ob es reicht?» Hier jubeln sie, wenn Merkel den deutschen Mittelstand in Schutz nimmt, wenn sie fordert, dass Leistung sich lohnen muss, ob in der Schule oder bei der Steuererklärung. Wenn sie wie fast immer Ludwig Erhard erwähnt und - im früheren Sperrgebiet zwischen Ost- und West-Berlin - die Verdienste der Union um die Einheit. Besonders aber applaudieren die Menschen, wenn Merkel das Gespenst eines Bündnisses von SPD und Linken an die Wand malt. Und wenn sie ausschließlich für die Union reklamiert: «Wir sind Volkspartei.»

Wahlen / Bundestag / CDU
26.09.2009 · 22:38 Uhr
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