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Analyse: Menschen wie Du und ich im Steinmeier-Team

Barbara KisselerGroßansicht
Potsdam (dpa) - Der ganz große Überraschungscoup blieb bei der Präsentation des SPD-Wahlkampfteams aus. Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier will in den nächsten acht Wochen den Kampf ums Kanzleramt mit einer Mischung aus vielen Routiniers und einigen neuen Gesichtern bestreiten.

Darunter sind eine Frau als mögliche Verteidigungsministerin, ein Bauern-Vizepräsident für die Landwirte und ein erfolgreicher Unternehmer für die mittelständische Wirtschaft - an der Seite eines potenziellen Superministers für Wirtschaft und Finanzen namens Peer Steinbrück.

Ansonsten wirken die zehn Frauen und acht Männer, die der SPD-Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag vor der malerischen Kulisse der Potsdamer Havellandschaft nach zweitägiger Klausur vorstellte, auf den ersten Blick eher wie «Menschen wie Du und ich». Aber hätte die SPD in Zeiten von Unternehmenskrisen, Banken-Crash und Klagen über unverschämt hohe Managerabfindungen ihrem Kanzlerkandidaten wirklich einen Top-Lenker aus der Wirtschaft zur Seite stellen können?

Flankiert von der Schweriner Sozialministerin Manuela Schwesig (35) und einem der zwei Nicht-SPD-Mitglieder im Team, der Berliner Kulturfachfrau Barbara Kisseler (59), erschien Steinmeier zum obligatorischen «Gruppenbild mit Kandidat». Bewusst habe er so viele Frauen ausgewählt - um ein «deutliches Signal» für mehr Gleichstellung in der Gesellschaft zu geben. Gleiches gelte für die Nominierung der SPD-Verteidigungsexpertin Ulrike Merten für das klassische «Männerressort» Bundeswehr.

Steinmeier wie auch SPD-Chef Franz Müntefering wissen, dass sie in den nächsten Wochen einen harten Wahlkampf an gleich zwei Fronten führen müssen. Dabei geht es für sie nicht nur darum, verlorene oder zögernde Stammwähler zurückzugewinnen und neue Wähler zu überzeugen. Beide müssen auch Frust und Resignation in der eigenen Partei entgegenwirken.

Denn die seit Wochen schlechten Umfragewerte für die SPD und der eher größer werdende Vorsprung von Schwarz-Gelb knapp 60 Tage vor der Entscheidung wirken auf viele sozialdemokratische Wahlkämpfer zermürbend. «Die Union hat ihr Potenzial bereits ausgeschöpft, die SPD längst noch nicht», machte Steinmeier den Genossen Mut. Und immer wieder folgte dann seine Zusicherung an die Partei, er setze «nicht auf Platz, sondern auf Sieg». Auch Müntefering legte nach: «Die Lage ist offen und nun gilt's.»

Allen Unkenrufen zum Trotz soll für die angeschlagene Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) der Platz im Wahlkampfteam freigehalten werden - bis die Umstände ihrer Dienstwagen-Affäre abschließend geklärt sind. Auch wenn Steinmeier es offiziell nicht so sehen möchte: Mit der 42-jährigen gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, Carola Reimann, hat er ein zweites Eisen im Feuer. Die promovierte Biotechnologin ist im Team zuständig für Forschung und Hochschulen. Bei einem dauerhaften Ausfall Schmidts könnte sie in den kommenden Wochen zugleich auch den Gesundheitspart übernehmen.

Die deutsche Forschungsszene nimmt die Ernennung der anerkannten Gesprächspartnerin Reimann mit Interesse zur Kenntnis. Zeichnet sich doch mit der neuen Zukunftstechnologie Synthetische Biologie und der denkbaren «Produktion» bislang nicht bekannter Lebewesen bald ein ähnlich brisanter gesellschaftlicher Konflikt ab wie einst beim Klonen oder der embryonalen Stammzellenforschung. Kritiker fürchten hier einen unzulässigen Eingriff der Forschung «in die Schöpfung der Natur».

Parteien / SPD / Wahlen
30.07.2009 · 16:54 Uhr
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