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Analyse: Mallorca-Urlauber reagieren gelassen

Palma de Mallorca/Madrid (dpa) - Mallorca am Tag nach dem Terroranschlag: Schon kurz vor 9.00 Uhr beginnt es lebhaft zu werden an den Stränden. Das Thermometer zeigt 26 Grad, bis zu 35 Grad sollen es noch werden.

Von seiner Dachterrasse aus kann Wolfram Seifert einen weiten Strandabschnitt in Richtung Palmanova beobachten, wo am Donnerstag die Bombe explodierte. «Der Strand füllt sich wie an jedem Tag», berichtet der Publizist. «Äußerlich deutet nichts auf das Geschehen vom Vortag hin.»

Mutmaßliche Terroristen der baskischen Untergrundorganisation ETA hatten mitten in der Reisesaison in der Urlauberhochburg Palmanova einen Bombenanschlag verübt und zwei Polizisten getötet. Das Attentat löste in der Reisebranche Sorgen um das Tourismusgeschäft aus. «Auf kurze Sicht wird der Anschlag sich auf die Nachfrage auswirken», befürchtet Aurelio Vázquez, Präsident eines Zusammenschlusses von Hotelketten.

Mallorca hatte bereits aufgrund der Wirtschaftskrise für dieses Jahr einen Einbruch der Touristenzahlen erwartet. In letzter Zeit nahm der Zustrom der Urlauber jedoch kräftig zu, die Auswirkungen der Krise schienen nicht so schlimm zu werden wie befürchtet. Das Attentat - der erste tödliche ETA-Anschlag auf den Balearen - bedeutete nun einen neuen Rückschlag für die Urlaubsinsel und ihr Image.

In Großbritannien, von wo die meisten Urlauber in Palmanova stammen, warnte das Außenministerium Reisende vor dem Terror in Spanien. «Dort besteht eine hohe Terror-Gefahr», betonte das Londoner Foreign Office auf seiner Internetseite. «Anschläge können willkürlich sein und sich an Plätzen ereignen, die von Ausländern und Touristen frequentiert werden.»

Die Verantwortlichen auf Mallorca wiesen die Warnung zurück. «Das Attentat war ein absoluter Einzelfall», sagte der Vorsitzende des mallorquinischen Fremdenverkehrsverbandes, Alvaro Middelman, dem Audiodienst der dpa. «Deshalb würde ich sagen, die Insel ist genauso sicher wie sie es vorher war.» Der Tourismusminister der Balearen, Miquel Nadal, betonte: «Der Anschlag war gegen die Polizei gerichtet und nicht gegen die Urlauber.»

Die ETA hatte in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, mit Anschlägen in Urlauberorten dem Tourismus in Spanien - als einem der wichtigsten Stützpfeiler der Wirtschaft des Landes - Schaden zuzufügen. Es gelang ihr aber nie, deutsche oder britische Urlauber von Reisen nach Spanien abzuhalten. Im Gegenteil: Spanien stieg weltweit zum drittwichtigsten Reiseziel auf, hinter Frankreich und den USA.

In Palmanova waren am Tag nach dem Anschlag zahlreiche Polizisten in den Straßen zu sehen. Dies sind die Menschen in dieser Jahreszeit und in dieser Gegend jedoch gewohnt. Nur acht Kilometer entfernt liegt der Marivent-Palast, in dem die königliche Familie alljährlich ihre Sommerferien verbringt. König Juan Carlos und Königin Sofía werden am Samstag in ihrer Ferienresidenz erwartet und ihre Urlaubspläne auch nicht ändern. Ihre Töchter Elena und Cristina sind mit ihren Kindern bereits seit mehreren Tagen auf Mallorca.

Die Touristen auf Mallorca reagierten eher gelassen auf den Terroranschlag. «Ich habe das am Abend im Fernsehen gesehen», sagte Sabine Oddo, die gut 20 Kilometer entfernt an der Playa de Palma Urlaub macht. Bei den Urlaubern sorgte eher ein anderes Thema für Gesprächsstoff. «Die Schweinegrippe ist ein größeres Thema», berichtete Oddo. Der Reisekonzern TUI wies entsprechende Befürchtungen jedoch zurück. «Das Schweinegrippe-Virus ist inzwischen weltweit verbreitet», betonte eine Sprecherin. «Deshalb ist es egal, ob man sich in Deutschland, Spanien oder den USA aufhält. Die Chance, das Virus von Deutschland nach Spanien zu schleppen, ist dabei genauso groß wie andersherum.»

Terrorismus / ETA / Tourismus / Spanien
31.07.2009 · 13:14 Uhr
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