News
 

Analyse: Macht und Milliarden - G8 bangt um Zukunft

Toronto (dpa) - Ob Armut und Hunger, Klimawandel oder die Bedrohung durch Atomwaffen: Wenn die Staatenlenker der sieben führenden Industrienationen sowie Russlands (G8) zu ihren Gipfeln zusammenkamen, standen bisher immer die drängendsten Probleme der Welt auf der Agenda.

Anders bei der Finanz- und Wirtschaftskrise. Das Krisenmanagement übernahm die weit größere G20-Gruppe. Sie versammelt - neben der G8 - auch die wichtigsten Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien.    

Wie Staaten vor der Pleite bewahrt werden können, wie verhindert werden kann, dass eine Bankenmisere die Steuerzahler jemals wieder Aber-Milliarden kostet, darüber verhandeln diesen Samstag und Sonntag die G20-«Chefs» - zum vierten Mal bereits. Die globale «Krisenfeuerwehr» tagte im November 2008 erstmals auf Chefebene - die Bekämpfung der schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg war von der G8 allein nicht mehr zu leisten.

«Quo vadis, G8?», schon seit dem Gipfel 2005 im britischen Gleneagles diskutiert die Runde die Frage einer Erweiterung. Mit den G20-Gipfeln bietet sich eine neue Arbeitsteilung an. Möglicherweise liegt die Zukunft der G8 in der Entwicklungs- und Sicherheitspolitik. Die Runde der «Chefs» aus den USA, Kanada, Japan, Russland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien mag zwar in den Schatten der G20 gerückt sein, bedeutungslos geworden ist sie noch lange nicht.

Die G20 genießen vor allem deshalb Respekt in der Staatenwelt, weil sie mehr Legitimität haben: Hier sind die aufstrebenden Volkswirtschaften China, Indien oder Brasilien vertreten - die Hälfte der neuen «Weltwirtschaftsregierung» sind solche Schwellenländer und Ölexporteure.

Und gerade mit Blick auf die neue Verteilung der Zuständigkeiten sind die G8 weiter wichtig. Bis auf China gehören zur G8 alle ständigen Mitglieder und damit die fünf Veto-Mächte des UN-Sicherheitsrats. Sollte das nun in Kanada eingeführte Format «erst G8, dann anschließend G20» Schule machen, wären in der kleinen Runde Vor-Absprachen möglich. Wie schwierig es ist, wenn zu viele Staaten einen Kompromiss suchen, hatte der letztlich erfolglose Debattenmarathon beim Kopenhagener Klimagipfel gezeigt.    

Vor allem aber dürften die G8-Gipfel nach Einschätzung deutscher Regierungskreise künftig mehr Beratungen statt Beschlüssen dienen. «Da kann man sich in Ruhe austauschen ohne den Druck, Entscheidungen treffen zu müssen», heißt es in Berlin. Und die Länder eint, dass sie durchweg Demokratien sind. Ganz grundsätzlich liegen sie auf einer Wellenlänge. Zumindest auf dem Papier gelten hier Werte wie Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit.

Absprachen der G8 sind auch deshalb wichtig, weil es immer mehr neue Foren anderer Staaten gibt: etwa die BRIC-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien und China), das MEF (Major Economies Forum) oder die Shanghai-Kooperationsorganisation. Neu ist die Diskussion um die Zukunft der aufwendigen und teuren Spitzenkonferenzen nicht. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Beispiel rief schon 2007 beim Gipfel im gleichnamigen Ostseebad den Heiligendamm-Prozess ins Leben und machte die großen Schwellenländer China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko (G5) zu Dauergästen. Sie brachte auch die dauerhafte G8-Erweiterung ins Gespräch. Diese Diskussion zumindest ist mit der starken Rolle der G20 derzeit vom Tisch.   

Neu ist indes die Frage nach der Inszenierung. Mögen es auch die mächtigsten und reichsten Staatenlenker sein, die sich bis Samstag im idyllischen Städtchen Huntsville nördlich von Toronto treffen: Muss es immer gleich die Rote-Teppich-Schau vom Feinsten sein? Geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Konkrete Ergebnisse bringen die G8- Gipfel allzu selten, als dass sie nach Ansicht von Kritikern derart hohe Rechnungen rechtfertigen können - gut 860 Millionen Euro kosten G8 und G20 diesmal zusammen.

G8 / G20 / Gipfel
25.06.2010 · 22:57 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen