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Analyse: Lob für «Angelas Führungsrolle» in Cannes

US-Präsident Obama überschüttete die Kanzlerin in Cannes mit Lob und Anerkennung. Foto: Guillaume HorcajueloGroßansicht

Cannes (dpa) - Die Kanzlerin brauchte nach dem denkwürdigen Abendessen nur drei Wörter, um das bisher Undenkbare auszusprechen: «Wir sind gewappnet.» Sie meinte: Griechenland kann die Eurozone verlassen, wenn es das will.

Angela Merkel, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und die Spitzen der EU hatten nach dem eher ungemütlichen Abend mit dem griechischen Premier Giorgos Papandreou die rote Linie überquert, hinter die sie nie wieder zurückkommen: Europa lässt sich nicht erpressen.

Ein Grund für die Härte dürfte sein, dass zuhause niemand mehr versteht, wieso einem Land geholfen werden soll, das die Partner in so schwere Verlegenheit bringt und sich bisher als Fass ohne Boden erwies.

In Cannes demonstrierte die Kanzlerin im Krisengespräch mit dem Griechen, dass sie im Zweifel ohne zu zögern hart durchgreifen kann. Nichts war zu erkennen von der in der Griechen-Krise oft als zögerliche Bremserin oder Madame No gescholtenen Kanzlerin. Tacheles statt diplomatischer Floskeln, harte Worte statt reiner Appelle.

Allerdings ging und geht es auch um sehr viel. «Scheitert der Euro, scheitert Europa» - diese ihre Linie hatte Merkel zuletzt in ihrer Regierungserklärung noch einmal bekräftigt. Und ein weicher Kurs gegen Griechenland hätte den Euro-Rebellen im Berliner Regierungslager weiter mächtig Aufwind gegeben.

Die Wähler honorieren das - auch wenn die Griechenland-Krise die Deutschen pessimistisch in die Zukunft blicken lässt. 82 Prozent glauben, dass der «schlimmste Teil der Krise» noch bevorsteht, heißt es im jüngsten ARD-Deutschlandtrend. Das Krisenmanagement Merkels beginnt offensichtlich zu greifen - die Arbeit auf internationalem Parkett verbessert nach dieser Umfrage die Wertschätzung ihrer Arbeit von zuvor 48 Prozent auf jetzt 57 Prozent.

Auch in der Runde der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Volkswirtschaft der Erde (G20) kam ihr Stil an. Sarkozy und auch US-Präsident Barack Obama - beide kämpfen schon um ihre Wiederwahl - überschütteten die Regierungschefin mit Lob und Anerkennung. Obama schmeichelte «Angelas Führungsrolle» ganz ausdrücklich.

Führung ist auch gefragt, wenn sich Merkel sofort nach dem G20-Gipfel wieder dem mühsamen innenpolitischen Geschäft stellen muss. Schon an diesem Sonntag steht in Berlin der Koalitionsausschuss mit CSU-Chef Horst Seehofer und FDP-Chef Philipp Rösler an: Ein Konzept für die geplanten Steuersenkungen soll her. Und eine Woche später muss die CDU-Chefin auf dem Parteitag in Leipzig die Basis von ihrem Kurs überzeugen.

Die Steuerdebatte in der Koalition ist extrem verfahren, auch, wenn die neueste Einnahmenschätzung satte Mehreinnahmen für die Staatskassen erwarten lässt. Ein Kompromiss für ein mögliches Gesamtpaket ist noch völlig offen.

Merkel dürfte den zweistündigen Rückflug von Cannes nach Berlin genutzt haben, um auch mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) das Steuerkonzept auszuloten. Mit großer Wahrscheinlichkeit droht wieder eine lange Nachtsitzung. Es sind Tage für Menschen mit Kondition.

G20 / Gipfel / EU / Finanzen / Deutschland
05.11.2011 · 00:43 Uhr
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