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Analyse: «Liebe und Respekt» für Jacko

Ansturm der Jackson-Fans am Staples CenterGroßansicht
Los Angeles (dpa) - Die «Stadt der Engel» im Ausnahmezustand: Mehrere hunderttausend Michael-Jackson-Fans haben Los Angeles am Dienstag zur großen Abschiedsbühne für den «King of Pop» gemacht.

Stolz hält die Spanierin Kathrin wenige Stunden vor der Trauerfeier im Staples Center ihr goldglitzerndes Plastikarmband und die lila Eintrittskarte in die Luft. Ihren Nachnamen will die 31-Jährige aus gutem Grund nicht nennen. Für 300 Dollar hatte sie das Ticket am Montagnachmittag auf den letzten Drücker einer Lotterie-Gewinnerin abgekauft, ein illegales Geschäft. «Da stand viel Polizei rum und ich habe gesehen, wie einige Leute festgenommen wurden», erzählt sie.

Sascha Winterlich aus Langenhagen bei Hannover hatte weder in der Ticketlotterie noch auf dem Schwarzmarkt Glück. «Ich habe eben noch versucht eine Karte zu kaufen, aber die Preise sind gigantisch hoch. Das geht ab 1000 Dollar los und bis 10 000 hoch», klagte der 21- jährige Lehrling noch am Montagabend. Aber ans Aufgeben dachte er nicht. «Ich werde gleich neben dem Friedhof im Auto schlafen, um dort nichts zu verpassen. Und am Dienstag geht's noch mal zum Staples Center, vielleicht gibt's irgendeine Sicherheitslücke und ich komme doch noch rein.»

Doch Sascha und zig tausende Fans in den Straßen von Los Angeles hatten schlechte Karten. Die Konzert-Arena wurde streng abgeriegelt. Schon am Montag gingen Polizisten alle paar Meter in Stellung. Endlose Reihen von Metall-Gittern säumten die Straßen. «Eine enorm große Menge von uns wird hier sein», sagte ein LAPD-Offizier grinsend. Die genaue Zahl dürfe er aber nicht verraten.

Dem Ansturm von Fans und Reportern aus aller Welt waren Polizei und Veranstalter zunächst gut gewachsen. Vor dem Staples Center schossen über Nacht Tribünen hoch, Platz für 2000 Reporter, Kameras und Scheinwerfer. Reibungslos ging die Ausgabe der begehrten 17 5000 Eintrittskarten über die Bühne. Auf dem Parkplatz des riesigen Dodger-Stadions erhielten die glücklichen Gewinner im Drive-Thru, ohne aus dem Auto steigen zu müssen, ihre glitzernden Armbänder. «Nicht mehr abmachen, nicht durchschneiden, aber Duschen können Sie damit», gab ein Helfer der strahlenden Gewinnerin Betty Beattie durchs Autofenster mit auf den Weg. «Wir sind so aufgeregt, ein Stück Geschichte zu erleben», freute sich die 66-jährige Kalifornierin. «Oh nein», ein Jackson-Fan sei sie allerdings nicht.

Vor dem Forest Lawn Friedhof, wo Fans und Reporter schon seit Tagen campierten, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Am Dienstagmorgen (Ortszeit) sollte Jackson dort tatsächlich beigesetzt werden. Mike Von Fremd, Star-Reporter des Senders ABC, der den Fall der Berliner Mauer und viele Kriege coverte, ging beim Morgengrauen auf Sendung. «Die Geschichte hat riesige Ausmaße angenommen. Es ist faszinierend, wie viele Menschen um diesen sehr kontroversen Mann trauern», meint der Nachrichten-Veteran. «(...) Er wird an der Seite von einigen sehr berühmten Filmstars zur Ruhe gebettet.»

Forest Lawn in den Hügeln von Hollywood, nicht weit von den Filmstudios Disney und Warner, zählt zu den begehrtesten Promi- Friedhöfen. Stars wie Bette Davis, Liberace und Mitte Juni auch David Carradine wurden hier bestattet. Auch Jacksons Großmutter soll hier beerdigt sein. Mit der Ruhe vor der großen Pforte zu dem Totenpark war es zunächst aber vorbei. Scharen von Fans richteten sich auf eine lange Nacht ein. «Seine Leiche ist schon seit letzter Woche hier, das weiß ich», erklärt Yolanda Nogara. Sie wollte hier Wache halten, um das «große Weltereignis» nicht zu verpassen. «Ich will einfach nur in seiner Nähe sein», meint die 48-jährige Kalifornierin.

Langes Warten in der Hitze, unbequeme Nächte im Auto, Schlange stehen und Hoffnungen begraben - die Fans hielten durch. «Das ist schon stressig, aber für Michael mache ich das gerne», sagt Sascha Winterlich. Kathrin aus Mallorca hoffte auf einen würdevollen Abschied. «Für manche ist das hier ein Spektakel und ein Riesenspaß, doch ich bin echt traurig und geschockt. Ich wünsche mir nur, dass Michael bei der Feier Liebe und Respekt erhält», sagte sie vor dem großen Ereignis.

Musik / USA
07.07.2009 · 22:23 Uhr
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