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Analyse: Leitet das iPad ein neues Computer-Zeitalter ein?

Auch in Apple-WeißGroßansicht
San Francisco (dpa) ­ Der Tablet-Computer iPad soll die Lücke zwischen Handy und Laptop schließen und an die Megaerfolge von Apple mit dem iPod und dem iPhone anknüpfen.

«Mit Apples fortschrittlichster Technologie haben wir ein magisches und revolutionäres Gerät entwickelt, das wir zu einem unglaublichen Preis anbieten können», sagte Apple-Chef Steve Jobs am Mittwoch zur Premiere des neuen Tablet-Computers in San Francisco. Die Reaktionen auf das iPad fallen jedoch höchst unterschiedlich aus.

Bestseller-Autor Nicolas Carr glaubt, dass mit dem iPad das Zeitalter des Personal Computers zu Ende gegangen ist, da mit dem neuen Gerät von Apple ein fundamentaler Wandel der Computernutzung einsetzen werde. «Weil das Internet die traditionellen Produkte der Medien aufgesogen hat - Musik, Fernsehshows, Filme, Spiele, die gedruckte Welt -, haben wir begonnen, unsere Computer als multifunktionale Mediaplayer zu sehen», schrieb Carr in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Andere Beobachter dagegen meinen, dass das neue Gerät sich kaum von den bisherigen Multimediaplayern von Apple unterscheide. «Das iPad ist eher ein iPod Touch mit einem großen Bildschirm und einer UMTS-Option», sagte der Technologie-Analyst Rob Enderle.

Wie unterschiedlich die Reaktionen auf das iPad ausfallen, kann man auch am Aktienkurs von Apple ablesen. Die gigantischen Erwartungen im Vorfeld des Events hatten in den vergangenen Wochen den Preis auf ein Allzeithoch von deutlich über 200 Dollar in die Höhe getrieben. Kurz vor Beginn der Präsentation am Mittwoch sackte der Kurs dann zunächst um drei Dollar ab. Doch je mehr Details Steve Jobs im Yerba Buena Center verkündete, desto zuversichtlicher wurden die Investoren. Am Ende des Tages lag die Aktie bei 207,88 Dollar mit einem Prozent im Plus.

Für einen Erfolg des iPad sprechen vor allem zwei Dinge: Die Vielzahl der Anwendungen und der Preis. So werden zum Verkaufsstart des Tablet-Computers im März rund 140 000 Programme aus dem iTunes App Store zur Verfügung stehen, die ursprünglich für das iPhone und den iPod Touch geschrieben wurden. Für die Entwickler dieser «Apps» ist es außerdem eine Kleinigkeit, ihre Software auf den größeren Zehn-Zoll-Bildschirm des iPad zu optimieren.

Die «Apps» und Inhalte aus dem iTunes Store machen aus dem iPad ein digitales Lesegerät für Bücher in Farbe, einen portablen Videoplayer oder auch eine mobile Spiele-Konsole. Und da im iPad ein GPS-Empfänger steckt, wird man es auch als ein Navigationsgerät mit großem Bildschirm nutzen können.

Außerdem will Apple Business-Anwender als Käufer gewinnen. Auf der digitalen Schiefertafel soll man nach den Vorstellungen von Steve Jobs künftig auch seine E-Mails unterwegs bearbeiten oder Kunden eine Präsentation vorführen können. Apple wird für diese Zwecke eine Variante des Office-Pakets «iWork» auf den Markt bringen. Das Paket besteht aus einer Textverarbeitung, Tabellenkalkulation sowie einem Präsentationsprogramm und soll dem Büroprogramm «Office» von Microsoft Konkurrenz machen.

Überrascht wurden die Gäste der iPad-Präsentation vom Einstiegspreis von 499 Dollar für die einfachste iPad-Variante. Steve Jobs hatte früher immer wieder betont, dass Geräte unter 500 Dollar nur «Müll» seien. Daher hatten Beobachter im Vorfeld der iPad- Premiere mit Preisen bis zu 1000 Dollar gerechnet. «Bei einem Preis von 499 Dollar wird die Luft für Anbieter wie Dell, HP und andere dünn, die auch mit neuen Tablet-PCs auf den Markt kommen wollen. Diese Anbieter haben sich in der Vergangenheit immer dadurch ausgezeichnet, Apple im Preis zu unterbieten», sagte Walt Mossberg, Technologie-Korrespondent des «Wall Street Journal».

Auch Amazon dürfte mit dem Preis von 489 Dollar für sein E-Book «Kindle DX» unter Druck geraten, zumal fünf Großverlage künftig die neue Buchabteilung im iTunes Store von Apple bestücken werden.

Doch der Erfolg des iPad wird für Apple kein Selbstgänger. Die größte Variante mit 64 Gigabyte und UMTS-Modem ist deutlich teurer als das Einstiegsmodell und kostet 829 Dollar. Außerdem blieben spektakuläre Innovationen bei der Hardware aus, über die im Vorfeld heftig spekuliert wurde: Kein superbrillanter Bildschirm mit OLED- Technologie, keine Videokamera auf Vorder- und Rückseite und keine Unterstützung für die Flash-Technologie von Adobe. So wird Apple vor allem auf den Nutzwert und den Spaßfaktor seiner Apps setzen müssen.

Die Präsentation des iPad am Mittwoch wurde von hunderttausenden Menschen im Netz verfolgt. Zwar bot Apple keine Live-Sendung aus San Francisco an. Doch etliche Zuhörer übertrugen mit ihren Mobiltelefonen zumindest ein Audiosignal aus dem Yerba Buena Center ins Internet, das dann über Spezialportale im Schneeballprinzip verbreitet wurde. Außerdem sendeten Spezial-Portale wie engadget.com pausenlos Fotos von der Apple-Veranstaltung ins Web. Nur Microsoft- Begründer Bill Gates zeigte sich von dem Rummel um das neue Gerät unbeeindruckt: «Eine Rede Obamas über die Lage der Nation würde ich mir anhören. Ich habe keine Zeit, mir die Präsentation des neuen Apple-Produkts anzusehen», sagte Gates der «Frankfurter Rundschau».

Computer / Elektronik / USA
28.01.2010 · 22:59 Uhr
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