News
 

Analyse: Lässt Gaddafi afrikanische Söldner kämpfen?

ArmeefahrzeugGroßansicht

Nairobi (dpa) - Afrikanische Söldner in Gaddafis Diensten? Noch gibt es keine überprüfbaren Beweise für die Berichte und Behauptungen über hunderte, vielleicht sogar tausende Kämpfer aus schwarzafrikanischen Ländern.

Vor zwei Jahren noch war der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi der amtierende Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), plädierte für die Vereinigten Staaten Afrikas, mit einer gemeinsamen Armee, einer gemeinsamen Währung und einer einheitlichen Führung. In der Rolle des afrikanischen Übervaters sah er vor allem sich selbst - gerade aus den größten und einflussreichsten Staaten des Kontinents schlug ihm Widerstand gegen diese Art Panafrikanismus entgegen.

Ein hoher nigerianischer Politiker sprach verächtlich vom «Verrückten aus Libyen». Schließlich hatte sich Gaddafi ein Jahr zuvor bereits von rund 200 traditionellen afrikanischen Königen und Stammesführern zum «König der Könige Afrikas» wählen lassen.

Die Berichte über schwarzafrikanische Söldner in Diensten Gaddafis allerdings haben bei einer Reihe afrikanischer Staaten Besorgnis ausgelöst. Im kenianischen Parlament wurde der amtierende Außenminister George Saitoti gefragt, ob er Informationen über kenianische Söldner habe. «Ich habe im vergangenen Jahr Libyen besucht und dort Kenianer getroffen, die als Soldaten ausgebildet wurden, obwohl sie eine Ausbildung als Religionsgelehrte erhalten sollten», sagte der Abgeordnete Gitobu Imanyara.

In Harare gab sich Simbabwes Verteidigungsminister Emmerson Mnangagwa Medienberichten zufolge bei einer ähnlichen parlamentarischen Anfrage bedeckt. Die Opposition zitierte Berichte, nach denen simbabwische Soldaten an der blutigen Niederschlagung von Demonstrationen in Libyen beteiligt gewesen sein sollen. Simbabwes Präsident Robert Mugabe hat gute Beziehungen zu Gaddafi.

Überhaupt hat Gaddafi in den vergangenen Jahrzehnten Freiheitsbewegungen und Rebellen auf dem Kontinent mit Geld, Waffenlieferungen und Ausbildung unterstützt. Der Afrikanische Nationalkongress ANC verdankt ihm Unterstützung im Kampf gegen das Apartheidregime in Südafrika. Aber auch der ehemalige liberianische Präsident Charles Taylor, der sich nun wegen Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg von Sierra Leone vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten muss, konnte in der Vergangenheit auf Gaddafi zählen. Zuletzt fanden unter anderem Darfur-Rebellen Aufnahme in Libyen.

Gerade in westafrikanischen Staaten wie Guinea, Sierra Leone oder Elfenbeinküste, aber auch im Kongo, Tschad oder Sudan gibt es nach Jahren von Krieg oder Bürgerkrieg ein Überangebot an Waffen - und an Männern, die oft nichts anderes gelernt haben als das Kämpfen.

Am Donnerstag wurde auf einer Website der libyschen Opposition ein Video veröffentlicht, das angeblich ein Verhör mit einem afrikanischen Söldner zeigt. Der Mann, der aus Mali stammen soll, erklärt, er sei am 16. Februar angeheuert und zusammen mit knapp 50 weiteren Männern zum Flughafen Labrak in der östlichen Region Grüner Berg geschickt worden.

Von dort seien er und die anderen Männer zu einer Kaserne gebracht und für den Kampf gegen Demonstranten bewaffnet worden. Die Echtheit des Videos war nicht zu überprüfen. Unklar blieb auch, wie und wann der Mann von den libyschen Aufständischen überwältigt worden war.

Afrika / Konflikte / Libyen
24.02.2011 · 23:04 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
27.03.2017(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen