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Analyse: Krisen-Rezepte - Griff nach Bundesbank-Gold

Bundesbank-GoldGroßansicht

Frankfurt/Main (dpa) - 3401 Tonnen Gold - mit dem Milliardenschatz ließe sich eine Menge anfangen.

Der Bundesbank sind Forderungen nicht neu, ihr Gold zu «versilbern», um damit öffentliche Schuldenberge abzutragen. Doch nie in der mehr als 50-jährigen Geschichte der Institution gelang es der Politik, solche Begehrlichkeiten durchzudrücken. Die Notenbank pocht auf ihre Unabhängigkeit - auch bei der Suche nach Auswegen aus der aktuellen Euro-Schuldenkrise.

Was sollte nicht schon alles mit dem Bundesbank-Gold finanziert werden: Renten, Hilfen für die Opfer der Elbeflut 2002, ein Systemwechsel im Gesundheitswesen. Ob SPD oder Grüne, Union oder FDP - je nachdem, wer gerade Löcher zu stopfen hatte, dem fiel irgendwann ein, dass von Frankfurt aus ein Geldsegen zu erhoffen wäre. Erst Anfang dieses Jahres schlug Beamtenbund-Chef Peter Heesen angesichts des hohen Goldpreises vor, mit dem Verkauf eines Teils der Bundesbank-Reserven die hohe Staatsverschuldung zu verringern. Die Euro-Schuldenstaaten sehen sich mit ähnlichen Vorstößen konfrontiert.

Für Deutschland fast schon legendär: Die «Operation Goldfinger» des damaligen Bundesfinanzministers Theo Waigel (CSU). Deutschlands oberster Kassenwart wollte die Bundesbank zwingen, ihre Gold- und Devisenreserven höher zu bewerten und die daraus resultierenden Gewinne an den Bund auszuschütten. Waigel holte sich - wie all die anderen, die nach dem Gold griffen - eine blutige Nase: Die Notenbank wehrte sich erfolgreich gegen den Eingriff in ihre Geldpolitik.

Bei den aktuellen Vorschlägen der Mächtigen des G20-Gipfels von Cannes ging es zwar nicht direkt um die Goldreserven, sondern um sogenannte Sonderziehungsrechte. Doch hinter diesem sperrigen Begriff - Sonderziehungsrechte sind eine Art Kunstwährung, sie stehen für finanzielle Ansprüche von Staaten gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) - verbirgt sich nach Ansicht von Experten nichts anderes als ein Griff nach dem Bundesbank-Gold.

«Von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Gold», sagt ein Bundesbank-Kenner. Fakt ist: Der Löwenanteil der Währungsreserven der Bundesbank steckt im Gold. In ihrem jüngsten Geschäftsbericht weist die Notenbank Ende 2010 Währungsreserven von insgesamt 162,1 Milliarden Euro aus. Das meiste davon ist Gold (115,4 Mrd Euro), der Rest sind Devisen (28,0 Mrd Euro) und Forderungen an den IWF (18,7 Mrd Euro).

«Man muss sich schon überlegen, welches Signal man senden würde, wenn man auf die Goldreserven zurückgreifen würde», urteilt Gabor Vogel, Rohstoffanalyst bei der DZ Bank. Der Trend bei den Notenbanken weltweit gehe derzeit eher dahin, Goldbestände aufzustocken - etwa um unabhängiger vom US-Dollar zu werden.

Die Bundesbank hortet in Tresors im In- und Ausland den zweitgrößten Goldschatz nach der US-Notenbank Fed (rund 8100 Tonnen). Das Edelmetall gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten, nicht von ungefähr stürmen Privatanleger in den vergangenen Monaten die Verkaufsschalter.

Die bei der Bundesbank vor allem im Nachkriegsdeutschland der 1950er und 1960er Jahren angehäufte Goldreserve hat für die Deutschen auch psychologische Bedeutung. «Die Goldbestände der Bundesbank sind Teil des Volksvermögens, sie haben für die Bevölkerung einen hohen Symbolwert», betonte der in diesem Jahr ausgeschiedene Bundesbank-Präsident Axel Weber, erklärter Gegner großer Goldverkäufe, während seiner Amtszeit.

Mit seiner Intervention beim jüngsten Krisengipfel stellt sich Webers Nachfolger Jens Weidmann in diese Tradition: Die Deutsche Bundesbank will nicht zum Spielball der Politik verkommen. Zwar verkauft auch die Bundesbank gelegentlich Gold. Derzeit sind das aber nur sechs bis sieben Tonnen im Jahr, wie ein Sprecher erläutert: Die gehen zum Marktpreis an das Bundesfinanzministerium zur Prägung von Gold-Sondermünzen.

EU / Finanzen / Bundesbank / Gold
07.11.2011 · 22:40 Uhr
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