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Analyse: Klima-Kanzlerin in brenzliger Mission

Kanzlerin Merkel (CDU) spricht im Deutschen Bundestag in Berlin.Großansicht
Kopenhagen (dpa) - Viele Hoffnungen richten sich in Kopenhagen auf Angela Merkel. Die Regierungschefin, die sich auch «Klima-Kanzlerin» nennen lässt, steht vor einer äußerst schwierigen Aufgabe. Sie will ein Scheitern des UN-Klimagipfels - der bisher größten Klimakonferenz - verhindern.

Nach einem langen Mikado-Spiel, weil sich keiner größer bewegen wollte, keimte aber wieder Hoffnung auf. Merkel rief ihre rund 120 Kollegen aus aller Welt zu einer gemeinsamen Verpflichtung auf: «Die Welt arbeitet zusammen.» Gar nicht so einfach, wenn es an allen Ecken und Enden hakt. Merkel machte Druck. «Schaffen wir das, und zwar nicht irgendwann, sondern in den nächsten 25 Stunden?»

So wie bisher geht es nicht weiter - das war das Signal der Kanzlerin. Erst einmal sollen die reichen Länder den armen helfen. Während Merkel im Bundestag vor ihrem Abflug noch mehr Anstrengungen von den USA und China forderte, ging sie später auf dem Klimagipfel auf das Engagement beider Staaten ein. Nachdem US-Außenministerin Hillary Clinton zusagte, sich an einem Finanztopf von 100 Milliarden Dollar (69 Milliarden Euro) zu beteiligen, lobte Merkel die USA. Sie sprach von einem wichtigen Schritt zu langfristigen Finanzhilfen. Es geht aber um mehr. «Wir müssen genauso auch dazu bereit sein, unseren Lebensstil zu ändern.»

Von einem möglichen Scheitern wollte Merkel in Kopenhagen nicht sprechen. «Wenn wir nach Hause fahren und erklären wollen, warum wir hier nichts geschafft haben, dann wird das gut sein für die, die nichts gegen den Klimawandel tun wollen.» Ungewöhnlich für die Kanzlerin war, dass sie vor der heißen Phase des Gipfels frei heraus zugegeben hatte, sie sei etwas nervös. Es war wohl einfach ehrlich: Merkel weiß, dass die Chancen nicht gut stehen und die Zeit allen davonläuft. Und sie weiß, dass viel Druck auf ihr lastet. Als Brückenbauerin versteht sich die Kanzlerin in Kopenhagen. Hinter den Kulissen zog sie Fäden und sprach unter vier Augen mit Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao, um eine Lösung für ein Abkommen an diesem Freitag zu suchen.

Für die «Klima-Kanzlerin» steht viel auf dem Spiel. UN-Klimachef Yvo de Boer lobte ihre bisherigen Anstrengungen für den weltweiten Klimaschutz. «Sie ist eindeutig eine Klima-Kämpferin von Statur.» Viel Vorschuss für Merkel. So kompliziert die Verhandlungen waren - die Regierungschefin hatte eine einfache Bitte zum Schluss ihrer Rede, wie ein Erfolg noch möglich ist. «Wir haben die Chance, das zu erreichen, wenn wir miteinander arbeiten», sagte Merkel. Denn dann könnten die Staats- und Regierungschefs sagen: «Wir haben gezeigt, dass wir verstanden haben, dass das Leben so nicht weitergehen kann.»

UN / Klima / Bundestag
17.12.2009 · 20:27 Uhr
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