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Analyse: Jetzt beginnt Zeit der «Reue» und «Buße»

Ein Demonstrant hält am 5. März ein Schild für den zurückgetretenen Verteidigungsminister zu Guttenberg auf einer Solidaritäts-Demonstration in die Höhe.

Berlin (dpa) - Ein letztes Mal steht Karl-Theodor zu Guttenberg im Rampenlicht. Auf einem kleinen roten Podest vor dem Berliner Bendlerblock folgt er zusammen mit seinem Nachfolger Thomas de Maizière und Generalinspekteur Volker Wieker dem Großen Zapfenstreich.

Es ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr, an dem Guttenberg als Verteidigungsminister mehrfach teilgenommen hat - zum Abschied von Generälen und einem Bundespräsidenten. Jetzt gilt die Zeremonie ihm selbst.

Es sei ein «schmerzlicher Abschied» sagt er bei einem Empfang vor dem Zapfenstreich vor etwa 450 geladenen Gästen. Aus seiner Rede ist Bitterkeit herauszuhören, aber auch Demut. Er habe viel gelernt in den vergangenen Jahren, unter anderem, «was den Wert von Freundschaften angeht», sagt er. Nun wolle er zur Ruhe kommen, das Geschehene aufarbeiten, sich um seine Familie kümmern. Es stehe aber auch eine «Zeit der Reue, wahrscheinlich auch der Buße» bevor.

«Ich weiß, die Bundeswehr ist in guten Händen», ruft er seinem Nachfolger de Maizière zu. Die letzten Worte gelten der Truppe, deren oberster Befehlshaber er 16 Monate lang war: «Gottes Segen der Bundeswehr, ich melde mich ab.»

Seine Musikauswahl für den Großen Zapfenstreich auf dem Paradeplatz des Berliner Bendlerblocks war mit Spannung erwartet worden. Neben zwei Märschen entschied sich der AC/DC-Fan für einen Rock-Klassiker der fast auf den Tag genau so alt ist wie er selbst: «Smoke on the Water» von Deep Purple.

Er erzählt eine Geschichte, die irgendwann einmal als Parabel auf die Karriere des Oberfranken herhalten könnte. Es geht um die Entstehung des Albums «Machine Head», das Deep Purple eigentlich im Casino von Montreux aufnehmen wollten. Am 4. Dezember 1971 - einen Tag vor Guttenbergs Geburt - brach dort während eines Konzerts von Frank Zappa Feuer aus, das Gebäude am Genfer See brannte ab, und auch die Produktion der Deep Purple-Scheibe geriet in Gefahr. Die Band wich schließlich ins Grand Hotel aus und produzierte dort eins der wichtigsten und erfolgreichsten Alben der Rock-Geschichte.

Ob auch die politische Karriere Guttenbergs irgendwann wieder in die Erfolgsspur kommt, ist noch offen. Zunächst werde er Zeit brauchen, um seine Wunden zu heilen, betont Guttenberg in seiner Abschiedsrede. Er hat sich aber schon einiges vorgenommen. Unter anderem will er offenbar in einem Buch eine Zwischenbilanz seiner politischen Karriere ziehen. Er wolle die eine oder andere Erinnerung aufschreiben, sagt er, und fügt ironisch im Hinblick auf die ungekennzeichneten Zitate in seiner Doktorarbeit hinzu: «Es sind eigene Gedanken, die ich aufschreiben werde.»

Was Guttenberg in seiner Auszeit sonst noch vor hat, darüber gibt es nur Spekulationen. Seinen Wohnsitz in Berlin will er dem Vernehmen nach auf jeden Fall behalten. Aus dem politischen Berlin verschwindet er trotzdem bis auf weiteres. Neben seinem Ministeramt und den Parteiämtern hat er auch sein Bundestagsmandat nach achteinhalb Jahren niedergelegt - obwohl er 2009 das beste Ergebnis aller Direktkandidaten erzielt hat. Sein Büro im Wahlkreis Kulmbach bleibt dagegen als Anlaufstelle für Bürger geöffnet. «Oberfranken werde ich ... nicht im Stich lassen», hatte er nach seinem Rücktritt erklärt. «Ebenso wenig meine politische Heimat, die CSU.»

Herzliche Worte hatte der neue Verteidigungsminister de Maizière bei der Verabschiedung für seinen Nachfolger parat. In seiner Rede sprach er mehrfach vom «lieben Karl-Theodor» und vom «lieben KT», und geißelte die Kritik in der Plagaiatsaffäre als überzogen. «Was Sie in Ihrer Amtszeit geleistet haben, wird den letzten Eindruck überdauern.»

Als Guttenberg schließlich zusammen mit seiner Frau Stephanie nach dem Großen Zapfenstreich zum letzten Mal in die Dienstlimousine steigt, die sie vom Bendlerblock wegbringt, brandet unter den Zuschauern Beifall auf. Kanzlerin Angela Merkel lässt es sich nicht nehmen, ihren Ex-Minister, der ihr in den vergangenen Tagen so viel Ärger eingebracht hat, selbst zu verabschieden.

Verteidigung / Bundeswehr
10.03.2011 · 23:02 Uhr
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