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Analyse: Helle Aufregung bei Frankreichs Sozialisten

Ex-Parteichef François Hollande: «Nichts sollte Dominique Strauss-Kahn hindern, anzutreten.»Großansicht

Monaco (dpa) - In Frankreich hat sich viel verändert, seit Dominique Strauss-Kahn in Handschellen abgeführt wurde, um sich Vergewaltigungsvorwürfen eines Zimmermädchens zu stellen.

Ein blasser Normalo wurde statt des schillernden Strauss-Kahn zum Favoriten der Opposition bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen. Und Präsident Nicolas Sarkozy verlor seine beste Ministerin und Finanzexpertin, Christine Lagarde, die Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) ablöste.

Doch nun die überraschende Wende: Vielleicht war alles gar nicht so, vielleicht wird DSK freigesprochen und tritt am Ende doch noch gegen Sarkozy an. Bei den Sozialisten, bei denen Strauss-Kahn lange als aussichtsreichster Kandidat galt, herrscht helle Aufregung.

Ex-Parteichef François Hollande sprach als erster aus, was viele denken: «Nichts sollte Dominique Strauss-Kahn hindern, anzutreten», sagte er. Konkret bedeutet dies, die Frist für die Kandidaten der Vorwahl vom 13. Juli um ein paar Wochen zu verschieben. Nach dem ursprünglichen Plan wollten die Sozialisten im Oktober bestimmen, wer von ihnen den Wahlkampf gegen Sarkozy aufnehmen soll.

Ist eine Kandidatur Strauss-Kahns in Frankreich realistisch? Im Fall eines Freispruchs hätte er zumindest Zeit für einen neuen Job, da sein IWF-Posten bereits an Lagarde vergeben ist. Andererseits: Wollen die Linken einen Kandidaten - und die Franzosen einen Präsidenten - der eine solche Geschichte hinter sich hat? Zumal ja noch niemand weiß, wie diese Affäre tatsächlich endet.

Dass Strauss-Kahns Anwälte versuchen würden, die Anklägerin zu diskreditieren, stand schon früh fest. Falls sie bei ihrem Asylantrag geschummelt hat, bedeutet aber noch lange nicht, dass sie eine Vergewaltigung erfunden hat, meinen auch manche seiner alten Anhänger.

Für den Fall, dass Strauss-Kahn tatsächlich freigesprochen wird, werden in Frankreich aber schon mal die Karten neu gemischt: Hollande setzt sich nach Ansicht von Beobachtern für eine Kandidatur von DSK ein - weil er sich gegen ihn wohl bessere Chancen ausrechnet als gegen Parteichefin Martine Aubry. Und Aubry wäre möglicherweise erleichtert. Es glauben ihr ohnehin viele nicht, dass sie tatsächlich die nächste Präsidentin Frankreichs werden will.

Grund zur Freude hat Strauss-Kahns Nachfolgerin an der Spitze des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Sie war zwar auch schon vor der Affäre als Kandidatin im Gespräch, für den Fall, dass DSK sein Mandat wegen des Wahlkampfs in Frankreich vorzeitig aufgeben würde. Aber wer weiß, ob sie es dann auch tatsächlich geworden wäre?

Ärgern wird sich hingegen der «Füßekneter»: Der französische Staatssekretär Georges Tron musste seinen Posten nach einer Vergewaltigungsklage aufgeben. Zwei ehemalige Mitarbeiterinnen werfen ihm vor, ihnen Fußmassagen aufgedrängt zu haben, die in sexuelle Handlungen übergegangen seien. Den Mut zur Aussage hätten sie erst durch den Fall von Dominique Strauss-Kahn bekommen. Ohne die DSK-Affäre wäre Tron vermutlich immer noch im Amt.

Finanzen / Frankreich / USA
02.07.2011 · 10:58 Uhr
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