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Analyse: Harte Einschnitte bei Arcandor

Arcandor-HauptverwaltungGroßansicht
Essen (dpa) - Bei der Rettung der Arcandor-Töchter Karstadt und Primondo drängt die Zeit: Schon im November will der vom Essener Amtsgericht bestellte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bei den Gläubigerversammlungen «plausible Sanierungskonzepte» präsentieren.

In den kommenden zwei Monaten müssen sich rund 38 000 von der Insolvenz betroffene Beschäftigte daher auf harte Einschnitte einstellen. Mit der Eröffnung der Insolvenzverfahren für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften hat das Gericht am Dienstag ein neues Kapitel in der Geschichte des seit Jahren dauernden Überlebenskampfes des Handels- und Touristikriesen aufgeschlagen.

Sogenannte Sanierungsbeiträge fordert der Insolvenzexperte dabei nicht nur von den Beschäftigten, sondern auch von Vermietern, Dienstleistern und Lieferanten vor allem bei der Warenhaustochter Karstadt. Denn dort drücken hohe Mieten für die unter der Regie von Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff verkauften Warenhäuser.

«Mit den Ergebnissen der Verhandlungen wird definiert, wie viele Karstadt-Häuser insgesamt fortgeführt werden können», teilte Görg mit. 19 von insgesamt 126 Sport- und Warenhäusern stehen derzeit auf dem Prüfstand. Die Mitarbeiter müssen um ihre Arbeitsplätze bangen.

Spätestens wenn in einigen Warenhäusern die Lichter ausgehen, wären die Folgen der Insolvenz auch für die Kunden spürbar. Erst im August hatten die letzten Filialen der ehemals zu Karstadt gehörenden Warenhauskette Hertie schließen müssen. Rund 2600 Mitarbeiter hatten dabei ihren Job verloren. Die insolvente Warenhauskette Hertie war zuvor von britischen Investoren übernommen worden.

Für die Arcandor-Versandhandelstochter Primondo hat Görg schon im vergangenen Monat angekündigt, mehr als jeden dritten Arbeitsplatz abzubauen. Bis Januar 2010 sollen 3700 Stellen gestrichen werden. Rund 100 Beschäftigte der durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens weitgehend funktionslos gewordenen Holding Arcandor AG sollen noch in diesem Monat erfahren, ob sie noch gebraucht werden.

Auf eine nennenswerte Substanz kann der Sanierungsexperte Görg bei dem seit Jahren um sein Überleben kämpfenden Unternehmen nicht mehr zurückgreifen. Bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter war er zu diesem ernüchternden Ergebnis gekommen. Die Anteile an der nicht von der Insolvenz betroffenen Tourismussparte Thomas Cook sind längst an Gläubiger verpfändet.

Mehr Glück hat dagegen der ausgeschiedene Arcandor-Chef Karl- Gerhard Eick: Bereits vor seinem Amtsantritt vor nur einem halben Jahr hat er sich von dem Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim das gesamte Gehalt seines Fünf-Jahres-Vertrags von bis zu 15 Millionen Euro garantieren lassen. Diese Regelung gilt auch bei einem vorzeitigem Ausscheiden und bei einer Insolvenz. Auch einige weitere Vorstandsmitglieder, die zusammen mit Eick das Unternehmen verlassen haben, können noch auf Zahlungen der Bank hoffen.

Ein Drittel seines noch ausstehenden Gehalts will Eick nun nach Informationen der «Bild»-Zeitung bedürftigen Arcandor-Mitarbeitern spenden, um soziale Härten abzufedern. Für die Betroffenen dürfte dies wohl nur ein schwacher Trost sein.

Handel
01.09.2009 · 19:06 Uhr
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