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Analyse: Hält die Mordanklage im Fall Brunner stand?

Oberstaatsanwältin Barbara StockingerGroßansicht

München (dpa) - Nach drei Prozesstagen im Fall Brunner und einer überraschenden Nachricht vom Wochenende stellt sich die Tat für viele anders das, als bisher angenommen. Dominik Brunner hat zuerst zugeschlagen, bestätigen mehrere Zeugen vor Gericht.

Er starb zudem aus medizinischer Sicht gar nicht direkt an den Schlägen und Tritten, die die Angeklagten Sebastian L. und Markus S. ihm versetzten, sondern an Herzstillstand. Die Staatsanwaltschaft bestätigte dies am Samstag - und hält dennoch an der Mordanklage gegen die beiden Heranwachsenden fest.

Brunner war im September bei einer Schlägerei mit den Jugendlichen auf dem S-Bahnsteig München-Solln gestorben, nachdem er sich schützend vor vier Kinder gestellt hatte. Am Samstag berichteten zunächst der «Spiegel» sowie der «Münchner Merkur» mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft München, dass der Manager nicht an den Verletzungen, sondern an Herzversagen starb. «Herr Brunner ist infolge der Schläge und Tritte daran gestorben, dass das Herz stehengeblieben ist», erklärte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger, Sprecherin der Anklagebehörde, dazu der Nachrichtenagentur dpa.

Und es wäre nicht stehengeblieben, hätte es diese massive Gewalt nicht gegeben, ist sie überzeugt. Damit sei die Kausalität klar gegeben. Brunner würde nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ohne die massiven Schläge und Tritte noch leben, aus ihrer Sicht war es Mord. Die Verteidigung der Angeklagten sieht das nach drei Prozesstagen längst nicht mehr so und bewertet die Mordanklage als kaum haltbar. «Das dreht jetzt», sagt der Anwalt von Sebastian L., Jochen Ringler, mit Blick auf mehrere Zeugenaussagen bereits am Donnerstag.

Das Ergebnis der Obduktion Brunners und das Gutachten eines Sachverständigen zur Todesursache sind bislang nicht veröffentlicht worden. Der Staatsanwaltschaft war beides indes schon länger bekannt, bestätigte Stockinger. Sie wusste auch, dass Brunner demnach einen vergrößerten Herzmuskel hatte. Ob dies aber als Herzfehler zu bewerten sei, könne sie nicht beurteilen. Doch auch wenn es medizinisch keine eindeutig zuzuordnende Todesursache abseits des Herzversagens gibt, ist für die Ankläger die massive Gewalt gegen Brunner Ursache des Todes durch Herzversagen.

Warum all dies bisher unter Verschluss blieb, wenn es doch für die Anklage gar nicht am Mordvorwurf rüttelt, ist unklar. Laut «Spiegel» erlitt der Manager trotz der massiven Tritte und Schläge weder einen Schädelbruch noch andere Knochenbrüche, die zum Tode hätten führen können. Auch bei den Zeugenaussagen deutete schon vieles daraufhin, dass das Herz versagt haben könnte. So sei Brunner zunächst noch einmal aufgestanden, dann plötzlich wieder zusammengesackt und blau angelaufen, schilderten Zeugen.

Mit Blick auf den Beginn der Schlägerei sehen zudem manche Prozessbeobachter das Bild des Helden leicht getrübt, auch wenn er aus Zivilcourage handelte. «Die zwei sind uns gefolgt. Herr Brunner hat seine Jacke ausgezogen und hat gesagt, wir sollen uns raushalten - da sind die beiden auf ihn zugekommen», schildert eine der von Brunner verteidigten Schülerinnen die Momente vor der tödlichen Eskalation. Ein anderer sagt, Brunner sei den beiden entgegengegangen mit den Worten: «Ihr wollt's nicht anders»; dann habe er Markus S. ins Gesicht geschlagen, um einen drohenden Angriff abzuwehren. Alle Schüler aber waren sicher, dass die Jugendlichen angreifen wollten.

Das Gutachten des Sachverständigen über die Todesursache Brunners und die Bewertung aller Umstände wird erst nach der Beweisaufnahme zu hören sein. «Frühestens am 28. Juli», sagte Barbara Stockinger.

Prozesse / Kriminalität
18.07.2010 · 11:07 Uhr
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