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Analyse: Grüne etablieren sich als Dritte

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Berlin (dpa) - Claudia Roth hält sich im rhythmischen Jubel in der Berliner Grünen-Zentrale nicht lange mit Rückschau auf. «Wir packen's in Niedersachsen, wir packen's in Bayern, wir packen's im Bund 2013 - jetzt lasst uns feiern», schmettert die Grünen-Frontfrau den Anhängern entgegen.

Jürgen Trittin steht daneben und frohlockt für jeden, der es hören will: «Wir haben eine Dynamik in diesem Prozess.» Am Ende würden die Truppen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) immer mehr geschwächt und eine Renaissance von Rot und Grün allen Unkenrufen zum Trotz auch im Bund immer greifbarer.

Ein enorm wichtiges Signal für den Bund - so sagt es Roth, so werden es die Grünen in den nächsten Tagen allen einzuhämmern versuchen. Vor allem von der Piratenpartei fühlten sie sich zuletzt gepiesackt - jetzt redet hier niemand von den fast vier Punkte zurückliegenden Piraten.

Bereits in Schleswig-Holstein kamen die Grünen aus einer Umfragedelle rechtzeitig wieder heraus. Auch in NRW waren sie nach einem Höhenflug um 17 Prozent zu Jahresbeginn bis April auf etwa 10 Prozent abgesackt. Da fühlen sich zwei Punkte mehr als Erfolgstrend an.

Was haben sie nicht alles gemäkelt, die Kritiker: Ein Verfehlen der Wahlziele in Schleswig-Holstein und dann im bevölkerungsstärksten Bundesland könnte eine Erosion der Grünen in Gang setzen. Ähnlich wie 2009 würden sie auch vor der Bundestagswahl 2013 keine Machtoption ins Feld führen können. Immer mehr Junge gingen zu den Piraten.

So leicht dürfte es für den Bund freilich auch jetzt nicht werden - hier fehlt das mit Hannelore Kraft vergleichbare SPD-Zugpferd, auch die Grünen ringen im Bund noch ums Spitzenpersonal. Trittin beugt vor: Die Wahlerfolge lägen nicht vor allem an Personen. Doch die Grünen müssen sich im Bund etwas einfallen lassen, damit sie nicht auf allzu engem Schmusekurs zur SPD weitermarschieren.

Was schon tragisch schien, erweist sich jetzt als großes Plus der Grünen: ihre manchmal wenig spritzige, aber verlässliche Art. NRW-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann steht für geeinte Grüne an Rhein und Ruhr und für Schulkonsens und gute Sacharbeit - Großvisionen für eine bessere Welt, Revolutionsrhetorik gar, würde der geerdeten Frau aus Essen kaum jemand abkaufen. Aber laut ARD-Umfrage erwarten die Wähler zu 47 Prozent am ehesten von den Grünen, dass sie vor der Wahl sagen, was sie später machen.

Oberpragmatisch zeigte sich eine Berliner Grüne auf deren Bundeswahlparty schon drei Minuten nach 18 Uhr. «Jetzt müssen wir weiterarbeiten», sagt sie.

Wahlen / Landtag / Nordrhein-Westfalen / Grüne
14.05.2012 · 01:37 Uhr
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