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Analyse: Großoffensive in Aleppo frisst sich fest

Kairo (dpa) - Aleppo ist jetzt im Krieg. Im Morgengrauen des Samstag startete das Regime von Präsident Baschar al-Assad die erwartete Großoffensive gegen die Aufständischen in der nördlichen Handelsmetropole. Seitdem lassen Kampfjets, Hubschrauber und Stalinorgeln ihre tödliche Ladung über den Stellungen der Freien Syrischen Armee (FSA) niederregnen.

«Sie setzen alle Arten von Waffen ein, aber unseren mutigen Rebellen wehrten die Angriffe ab», sagte der FSA-Kommandeur Abu Omar al-Halebi der Deutschen Presse-Agentur am Satellitentelefon.

Tatsächlich schien die Offensive in ihren ersten anderthalb Tagen nicht recht vom Fleck zu kommen. Trotz massiven Einsatzes schwerer Waffen konnten die Regimetruppen bei Vorstößen an mehreren Stellen zunächst keine Terraingewinne verbuchen. «Unsere Positionen sind unverändert», teilte der Kommandeur Al-Halebi am Sonntagmorgen mit.

Dennoch wäre es verfrüht, die militärischen Anstrengungen des Regimes abzuschreiben. Das Terrain - endlose Wohngebiete mit engen Straßen und Gassen - ist für konventionelle Kriegsführung ungeeignet. Außer man macht es wie Assads Vater Hafis 1982 gegen den Islamisten-Aufstand in Hama: mit großflächigen Luftbombardements und Zehntausenden zivilen Toten.

Die Militärs des jüngeren Assad gingen bisher nicht diesen Weg. Nach Beschreibungen der FSA-Kommandeure gingen die Angreifer sehr geballt und konzentriert, mit schwerem Feuereinsatz, gegen konkrete Rebellenstellungen vor. Angeblich setzten sie mit Helikoptern Luftlandetruppen ab. Diese Soldaten gelten als professionell und sind gut ausgerüstet. Und zwischen die Linien geraten immer wieder Zivilisten. Allein am Samstag seien mindestens 17 von ihnen getötet worden.

Die Aufständischen igelten sich nach den Angaben ein, so gut sie eben konnten. Zugleich versuchten sie durch Nadelstichattacken, dem Gegner das Leben bei den nötigen Bewegungen schwer zu machen. Mit ihren Panzerfäusten hätten sie am ersten Tag der Offensive gleich zehn Panzer ausgeschaltet. Überprüfen lassen sich die Zahlen und die anderen Informationen nicht. Im Internet tauchten jedenfalls Bilder ausgebrannter Panzerwracks auf.

Insofern ist jeder Tag, den die FSA-Kämpfer der Übermacht der Regimekräfte widerstehen können, für sie auch ein psychologischer Erfolg. Selbst wenn sie demnächst - wie schon vor mehreren Tagen aus eroberten Bezirken in der Hauptstadt Damaskus - den «taktischen Rückzug» antreten müssten, fühlten sie sich doch moralisch gestärkt. Dem auch wirtschaftlich angeschlagenen syrischen Regime werden Aufwand, Verluste und Kosten dieser Militäroperation schwer zusetzen, wie Beobachter meinen.

In Aleppo hatten die FSA-Kämpfer vor mehr als einer Woche Fuß gefasst. Noch kontrollierten sie den Gebietsstreifen zwischen der türkischen Grenze - einschließlich dem Grenzübergang Bab al-Salem - und den Rändern der Millionenstadt. Anders als im konservativ geprägten Stadtzentrum, wo die Haltung zum Anti-Assad-Aufstand eher zwiespältige ist, wurden die Rebellen von der kleinstädtisch und ländlich geprägten Bewohnern der Vorstädte meist freudig empfangen.

Denen sitzt nun die Angst im Nacken. In den Gebieten, die zurück ans Regime fallen, befürchteten sie schlimmste Vergeltungsmaßnahmen: Verhaftungen, Verschleppungen, Folter und Massenerschießungen. Die Ängste waren nicht unbegründet. Nachdem die Regimetruppen im Februar und März dieses Jahres den Widerstand in der Großstadt Homs niedergerungen hatten, kam es zu genau diesen Racheakten.

Konflikte / Syrien
29.07.2012 · 14:22 Uhr
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