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Analyse: Gipfel als Bewährungsprobe für Südkorea

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Seoul (dpa) - Auf der großen Bühne der Diplomatie spielt Südkorea bisher eher eine kleine Rolle. Doch die G20-Präsidentschaft rückt den einstigen asiatischen Tigerstaat einmal ganz anders ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit.

Fernab des Konflikts mit dem kommunistischen Nordkorea will sich das Land in der internationalen Gemeinschaft stärker einbringen. Auch deshalb muss das G20-Gipfeltreffen in der Hauptstadt Seoul ein Erfolg werden.

Südkorea kann nach eigenem Verständnis eine wichtige Funktion übernehmen: Als Mittelmacht will es in dringenden Fragen wie einer neuen globalen Finanzordnung, beim Klimaschutz und in der Entwicklungspolitik eine Rolle als Vermittler und Brückenbauer zwischen Industrie- und Entwicklungsländern spielen.

Südkoreas Präsident Lee Myung Bank hat mit Blick auf das Treffen der stärksten Volkswirtschaften der Erde (G20) die Latte entsprechend hoch gelegt. Die Regierung wird nicht müde, dem Gipfel eine große symbolische Bedeutung zuzusprechen. «Wir müssen diese historische Gelegenheit in ein wertvolles Vermögen ummünzen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird», sagte Lee. Es ist das größte diplomatische Ereignis in der Geschichte Südkoreas und das erste Mal, dass ein G20-Gipfel in einem Land stattfindet, das nicht zu den führenden Industriestaaten (G8) gehört.

Das Land hofft vor allem - wie schon zuvor bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul und der Fußball-WM 2002 in Korea und Japan - auf einen Imagegewinn. «Der G20-Gipfel im November ist ein bedeutungsvolles Ereignis, um ein stärkeres nationales Profil Südkoreas zu entwickeln», zeigte sich die Vorsitzende des dafür zuständigen Beraterrats beim Präsidenten, Lee Bae Yong, überzeugt. Der Gipfel werde das wahre Bild Koreas «intensiv und umfassend» fördern.

Denn das Bild wird zu einem großen Teil noch immer von den Spannungen mit dem kommunistischen Nachbarstaat geprägt. Und zudem fühlt sich das Land im Vergleich zu den benachbarten Wirtschaftsmächten China und Japan in der Wahrnehmung vernachlässigt. Beim G20-Gipfel will Südkorea beweisen, dass es als verantwortungsbewusster Akteur auf der Weltbühne Führungsqualitäten hat. Damit wächst aber auch der Druck, Ergebnisse vorzuweisen.

Südkorea nimmt dabei für sich in Anspruch, zwei neue Themen auf die G20-Agenda gesetzt zu haben: die Stärkung eines globalen Finanzsicherheitsnetzes und die Entwicklungshilfe. Seoul betonte mehrfach, eine Brückenfunktion zwischen armen und reichen Staaten übernehmen zu wollen. Südkorea selbst hat sich binnen weniger Jahrzehnte vom Agrarland zu einem modernen Staat und Hochtechnologie-Standort entwickelt.

Der Druck ist groß, für einen störungsfreien Ablauf des Mammuttreffens zu sorgen. Für die Polizei ist es die bisher größte Sicherheitsaktion. Es werden 10 000 Gäste erwartet. Damit alles nach Plan verläuft, werden nach Angaben der Polizei 50 000 Beamte mobilisiert. Eine zwei Kilometer große Schutzzone ist um den Veranstaltungsort im Süden der Hauptstadt errichtet worden. Ein Sondergesetz für die Zeit des Treffens schränkt Proteste innerhalb der Zone stark ein. Der Polizeichef stellt sich auf gewalttätige Gipfelgegner ein.

Die Polizei sieht auch Gefahren durch den internationalen Terrorismus und Nordkorea. Das kommunistische Regime unterstellte Südkorea zuletzt über seine offiziellen Medien, mit der erhöhten Alarmbereitschaft für das G20-Treffen eine «Atmosphäre der Konfrontation» zu schaffen. Der Gipfel findet ohnehin zu einem Zeitpunkt schwerer Spannungen auf der koreanischen Halbinsel statt. Bei den Südkoreanern schwingt immer auch die Sorge mit, dass die Nachbarn Störmanöver unternehmen könnten.

G20 / Gipfel
11.11.2010 · 22:32 Uhr
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