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Analyse: Gespaltene Reaktionen auf Klimagipfel

Proteste nach der Minimaleinigung in Kopenhagen: Die Regierungschefs haben sich auf ein unverbindliches Klima-Abkommen geeinigt.Großansicht
Washington/Peking/Kapstadt (dpa) - So kontrovers der Gipfel war, so unterschiedlich sind die weltweiten Reaktionen auf das Ergebnis von Kopenhagen: Beißende Kritik und bittere Enttäuschung bei Klimaschützern, aber auch Genugtuung und positive Kommentare bei einigen Schwellenländern:

In den USA hat Präsident Barack Obama wenig Ruhm für seinen Auftritt in Kopenhagen geerntet. Die Umweltorganisation «Friends of the Earth» sprach von einer «zahnlosen Erklärung». Industrie- Lobbyisten dagegen jubelten: «Bedeutungsvoll» sei vor allem, dass durch die Nicht-Unterzeichnung 30 Millionen Arbeitsplätze gerettet worden seien, sagte der Vorsitzende des «Club for Growth», Chris Chocola. «Man kann Obama nicht anlasten, dass die Magie seiner Person nichts genutzt hat», spottete der konservative Abgeordnete Joe Barton (Texas) und sagte damit, was viele dachten: Obama hat in Kopenhagen zum zweiten Mal sein persönliches Gewicht in die Waagschale geworfen. Viel mehr als bei der Olympia-Bewerbung von Chicago hat es auch diesmal nicht genutzt.

AFRIKA, das von einem Klimawandel besonders stark betroffen ist, reagierte enttäuscht auf das kümmerliche Ergebnis von Kopenhagen. Besonders lautstark und schrill formulierten dies ausgerechnet Politiker jener Staaten, die wegen Menschenrechtsverletzungen am internationalen Pranger stehen. Der Chef-Unterhändler des Sudans, Lumumba Stanislaus Di-Aping, sprach von einer drohenden «Auslöschung von Afrika» und verstieg sich sogar zu einem Vergleich mit dem Holocaust. Die ungewöhnliche Einheit Afrikas vor dem Gipfel war nach den turbulenten Tagen in Kopenhagen vorbei. Vor Beginn hatten die 52 Mitglieder der Afrikanischen Union von den Industriestaaten eine Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes um 40 Prozent bis 2020 sowie massive Finanzhilfen verlangt: Am Tag danach sprach Afrika wieder mit tausend Stimmen - begrüßt wurde der Ausgang in Kopenhagen aber so gut wie nirgends.

CHINA und INDIEN, Nummer eins und Nummer vier unter den weltweit größten Luftverschmutzern, sind dagegen zufrieden mit dem Klima- Kompromiss. Die Gründe dafür sind weitgehend identisch. Keine der asiatischen Großmächte will sich auf rechtlich verbindliche Vorgaben zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes festlegen lassen - vor allem, um den eigenen Entwicklungsprozess nicht zu gefährden. Auch ein globales Kontrollregime zur Überprüfung nationaler Klimaschutzmaßnahmen sehen Peking und Neu Delhi skeptisch. Die getroffene Vereinbarung sei «gut für alle Entwicklungsländer», befand der indische Umweltminister Jairam Ramesh. Chinas Außenminister Yang Jiechi lobte das Ergebnis als «wichtig und positiv». Gleichzeitig mahnte er: «Kopenhagen ist nicht das Ende, sondern ein Neubeginn.»

In LATEINAMERIKA brachte der venezolanische Präsident Hugo Chávez am drastischsten zum Ausdruck, was linksgerichtete Länder der Region von der Notlösung von Kopenhagen in Sachen Klimaschutz halten: «Es riecht weiter nach Schwefel», sagte er und meinte die seiner Meinung nach auch unter Präsident Obama teuflische Rolle der USA. Aber auch gemäßigtere Stimmen äußerten Enttäuschung. Die Medien in Brasilien waren sich einig: «Fehlschlag», «Scheitern» und «Klima der Frustration» lauteten Schlagzeilen. Aus Sicht des argentinischen Klimaforschers Pablo Canziani haben Armut und Klimakatastrophen dieselbe Ursache: «Sie sind Folge einer Weltsicht, der es nur um wirtschaftlichen Gewinn geht.»

UN / Klima / Gipfel / International / Reaktionen
20.12.2009 · 21:43 Uhr
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