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Analyse: Geflügelbranche selbstbewusst

Allein in Niedersachsen sind nach dem Dioxin-Skandal bislang etwa 100 000 Eier vernichtet worden (Symbolbild).

Hannover (dpa) - Mit maßgeschneiderter Werbung und verstärkten Eigenkontrollen versucht die Geflügelwirtschaft, die Dioxin-Krise bei den Eier- und Futtermittelproduzenten gar nicht erst in ihren eigenen Betrieben ankommen zu lassen.

Vorwärtsverteidigung lautet das Motto. Dabei sind Verarbeiter von Hähnchen-, Puten- und Entenfleisch nach derzeitigem Stand wie die Bauern eindeutig Opfer des Skandals - und tragen keine Mitschuld an der Weiterverbreitung belasteter Produkte.

Beim Geflügelspezialisten Wiesenhof bemühen sich die Produktstrategen, die Kunden in Kauflaune zu halten und Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. «Wir wollen Transparenz schaffen und das Vertrauen stärken», betonte das Unternehmen aus dem niedersächsischen Visbek am Mittwoch. Zuvor hatten Leser der «Bild»- Zeitung beim morgendlichen Frühstücksei gleich auf Seite eins ein bundesweites Bekenntnis serviert bekommen: «Wiesenhof-Geflügel ist nicht mit Dioxin belastet», hieß es mit Verweis auf eigene Analysen. Seit 1996 setze die Firma zudem keine tierischen Fette ein.

«Unser Kontrollsystem ist schon weit davor eingeführt worden», erklärte ein Sprecher. «Das ist ein klarer Qualitätsanspruch.» Die jüngste Futtermittel-Panscherei beim Hersteller Harles & Jentzsch in Uetersen (Schleswig-Holstein), die inzwischen auch die Staatsanwaltschaft auf den Plan rief, habe bislang nicht zu Absatzproblemen geführt. Um sicher zu gehen, habe das hausinterne Marketing das Problemthema Dioxin jetzt von sich aus aufgegriffen; auch «autarke Kontrollen» in Eigenregie würden fortgesetzt.

Weiter südlich in Westfalen sieht die Geflügelwurst-Marke Gutfried ihr Qualitätsmanagement ebenfalls auf Kurs. Alle 15 Lieferanten hätten «einwandfreie Fleischlieferungen» bestätigt, alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben und gesetzlichen Grenzwerte würden respektiert, teilte die Heinrich Nölke GmbH & Co. KG mit. Kritik an einer verspäteten Reaktion wie im Fall der Uetersener Futtermittelfirma focht das Unternehmen nicht an: Sofort nach Bekanntwerden der brenzligen Lage habe man die Geflügel-Zulieferer «im Interesse von Verbrauchern und Kunden abgefragt».

Auch die Emsland Frischgeflügel GmbH stellte klar: Sowohl Kunden als auch Mitarbeiter wurden schnellstmöglich darüber informiert, dass die verwendeten Futtermittel nicht mit Dioxin belastet sind. Die Nachfrage nach Fleisch sei stabil, eigene Prüfungen würden im Internet dokumentiert. Vor der Anlieferung neuen Tierfutters müssten zudem stets Daten vorliegen, die dessen Unbedenklichkeit garantieren.

Die bestehende Positivliste für zulässige Futtermittel-Zutaten hielten die Emsländer für «vollständig und praxisgerecht». Das auf Basis deutscher Standards erarbeitete europäische Futtermittelrecht sei das strengste der Welt: «Unsere Lebensmittel waren noch nie so sicher wie heute.» Neu geregelt werden sollte dagegen die Herstellung und Trennung von technischen Fetten und Ernährungsfetten.

Private Initiativen zur Qualitätskontrolle müssten anerkannt werden, forderte der Geschäftsführer des QS-Prüfsystems für Lebensmittel, Hermann-Josef Nienhoff, in Bonn: Jeder der knapp 81 000 QS-Tierhaltungsbetriebe sei zu eigenen Checks verpflichtet und werde zusätzlich «neutral kontrolliert». Voriges Jahr kamen laut Nienhoff nur vier überhöhte Dioxin-Funde auf rund 4000 Proben.

Auf die Sorgfalt der Analysen bauen nicht zuletzt auch Handel und Gastronomie. Während große Supermarkt-Ketten noch keinen Grund sehen, Eier oder Fleisch aus den Geschäften zu holen, setzt der Schnellrestaurant-Gigant McDonald's auf seine ohnehin strikten Anforderungen an die Zulieferer: «Das wird natürlich alles geprüft.»

Agrar / Gesundheit
05.01.2011 · 21:55 Uhr
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