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Analyse: Gaddafi hat Berge von Waffen und keine Armee

'Grüne Garde' in LibyenGroßansicht

Tripolis/Tel Aviv (dpa) - Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi hat Milliarden für moderne Waffensysteme ausgegeben. Dennoch hielt der selbst ernannte Revolutionsführer die Streitkräfte mit Absicht schwach. Die Taktik könnte sich vorübergehend auszahlen.

Sein ehemaliges Riesenreich wird für Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi Stück für Stück kleiner. Der 68-Jährige hat sich jetzt mit seinem letzten Aufgebot in der Millionenmetropole Tripolis verschanzt. Spezialeinheiten mit einem großen Anteil ausländischer Söldner halten ihrem in Bedrängnis geratenen Oberst noch die Treue. Die reguläre Armee ist nach Angaben von Militärexperten längst in Auflösung.

Anders als in Ägypten, wo die Armeeführung Präsident Husni Mubarak den Laufpass gab, droht dem exzentrischen Gaddafi keine Revolte der Militärs. Damit könnte die Gewalt noch Tage weitergehen.

Auf den kläglichen Zustand der libyschen Streitkräfte wies das in Washington ansässige Center for Strategic and International Studies bereits im Dezember 2010 hin. Gaddafi habe in Ausrüstung, statt in Militärpersonal investiert. Das Verhältnis von Waffen zu Soldaten sei militärisch absurd, heißt es.

Rund 119 000 Mann betrage die Gesamtstärke der libyschen Streitkräfte, schreibt die Forschungsstelle des US-Kongresses in einem neuen Bericht. 50 000 Mann dienten in der regulären Armee, 18 000 in der Luftwaffe und 3000 in Spezialeinheiten. Der Ausbildungsstand von Soldaten wie Militärführung sei schlecht. Viele moderne Waffensysteme könnten überhaupt nicht bedient werden, weil ausgebildetes Personal fehle.

Stimmen die Angaben von Militärexperten, dann hat Gaddafi die Luftwaffe sowie alle wichtigen Posten in den Teilstreitkräften mit Mitgliedern seines eigenen Stamms besetzt. Diese seien loyal, weil sie bei einem Sturz des Regimes am meisten zu verlieren hätten. Darüber hinaus soll Gaddafis Sohn Chamies eine kleine Privatarmee kommandieren, zu der auch ausländische Söldner gehören.

Wie wenig der libysche Staatschef auf die Unterstützung durch die reguläre Armee setzt, zeigt auch sein Auftritt vom Freitagabend. Gaddafi drohte damit, Waffen aus den riesigen Arsenalen an loyale Anhänger zu verteilen. Libyen könnte sich dann in eine Hölle verwandeln, warnte Gaddafi Rebellen wie Zivilbevölkerung vor einem Untergangsszenario.

Allerdings wird die Gewaltorgie in Libyen nicht ohne Folgen bleiben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warnte, dass alle Kommandeure und Mitglieder der libyschen Sicherheitskräfte sowie alle ausländischen Kämpfer nach internationalem Recht mit strafrechtlicher Verfolgung wegen des ungesetzlichen Einsatzes von Gewalt und Schusswaffen rechnen müssten.

«Die Welt beobachtet Euch», schreiben die Menschenrechlter. Jeder Polizist, Soldat und ausländische Kämpfer sollte gewarnt sein. «Es gibt keine Immunität, selbst wenn Ihr auf Befehl handelt. Ihr habt die Pflicht, ungesetzlichen Befehlen den Gehorsam zu verweigern», appelliert die Menschenrechtsorganisation an die noch loyal zu Gaddafi stehenden Einheiten.

Libye / Unruhen
26.02.2011 · 22:16 Uhr
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