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Analyse: Gabriel massiert die Genossen-Seele

Hoffnungsträger: SPD-Chef Sigmar Gabriel winkt beim Politischen Aschermittwoch in die Menge.Großansicht
Vilshofen (dpa) - Im traditionsreichen Wolferstetter Keller ist es in allen Ecken zu spüren: Die geschundene sozialdemokratische Seele sehnt sich danach, dass ihr wieder jemand den Weg nach vorne und besonders nach oben zeigt.

Am Aschermittwoch fällt dem neuen SPD-Chef Sigmar Gabriel diese Rolle zu - und nach Ansicht der rund 500 Parteianhänger erledigt der 50-Jährige diesen Job mit einer kämpferischen Rede bestens. Mit frenetischem Applaus feiern sie Gabriel nach dessen rund einstündigem Auftritt, einige sprachen gar von der besten Aschermittwochsveranstaltung seit langem.

Schon beim Einzug in den Saal hat Gabriel reichlich Zustimmung geerntet. Während die Blaskapelle den Erzherzog-Albrecht-Marsch intoniert, bahnt sich der SPD-Hoffnungsträger minutenlang den Weg durch die engen Stuhlreihen. Dabei hält er hier und dort mal ein Plausch mit Genossen, dazwischen wollen zahlreiche Hände geschüttelt werden. Keine Frage, die Basis schart sich nach dem Desaster bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hinter dem Niedersachsen.

Für Gabriel war die von FDP-Chef Guido Westerwelle angestoßene Sozialdebatte natürlich ein gefundenes Fressen. «Jetzt werden die Hartz-IV-Empfänger zu Sündenböcken gemacht», schimpft er. In Zukunft komme diese Rolle bestimmt auch wieder auf die Gewerkschaften zu, warnt er.

Für Gabriel ist Westerwelle nicht viel mehr als der Handlanger von Steuerhinterziehern, die es sich in mit Steuergeld subventionierten Theatersesseln bequem machen, während sie selbst aber ihr Geld lieber auf ausländischen Schwarzkonten deponieren. «Das sind die wahren Sozialbetrüger und Asozialen in Deutschland.»

Genüsslich arbeitet er sich am internen Streit der Berliner Regierungspartner ab. Die Koalition habe mit «drei Fehlstarts in 100 Tagen» auf ihre Weise ein hohes Tempo vorgelegt, meint er. Für die bisherigen politischen Ergebnisse der ehemaligen Wunschpartner hat er nur Spott und Hohn parat: «Pfusch ist fast verniedlichend!»

Zuvor hatte schon SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold in die selbe Kerbe geschlagen. Für ihn ist Schwarz-Gelb inzwischen so etwas wie eine Faschingsgesellschaft: «Ohne Schnaps erträgt man das fast nimmer.» Bei seinen Rundumschlägen geht Pronold bis hart an die Grenze, was selbst beim derb-deftigen Aschermittwoch erlaubt ist: «Wenn man Schwarz mit Geld mischt, kommt Braun raus - und das ist auch keine schöne Farbe», ätzt er.

Für die SPD war es endlich wieder ein Erfolgserlebnis bei dem wichtigen Aschermittwochstreffen in Niederbayern. Zuletzt war die Versammlung 2009 regelrecht gefloppt, damals blieben in dem Gasthof viele Plätze frei. Gabriel konnte sich hingegen nicht nur über ein volles Haus freuen, auch die Begeisterung bei den Anhängern war spürbar. So hatten auch die Vertreter des SPD-Ortsvereins aus dem oberpfälzischen Regenstauf, die regelmäßig dabei sind, Lob für ihren neuen Frontmann parat. «Der Gabriel ist besser rübergekommen als seine Vorgänger», lobte Harald Danner. Der Vorsitzende schaue dem Volk halt genau aufs Maul.

[Wolferstetter Keller]: Bürg 21, 94474 Vilshofen

Parteien / Aschermittwoch / SPD
17.02.2010 · 23:08 Uhr
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