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Analyse: Formiert sich die ETA neu?

Verdächtige ETA-MitgliederGroßansicht
Madrid (dpa) - Eigentlich hatten sich die Mallorquiner vor dem Terror der baskischen Untergrundorganisation ETA ziemlich sicher gefühlt. Das Baskenland ist von der spanischen Ferieninsel weit entfernt, die Insellage und das Mittelmeer schienen Mallorca einen ausreichenden Schutz zu bieten.

«Aber nun ist geschehen, was niemand für möglich gehalten hatte», sagt Carlos Delgado, Bürgermeister der mallorquinischen Kreisstadt Calvià.

Zu seinem Gebiet gehört der Badeort Palmanova, in dem mutmaßliche ETA-Terroristen am Donnerstag zwei Polizisten bei einem Bombenanschlag getötet hatten. «Wir hatten uns, ehrlich gesagt, niemals vorstellen können, dass so etwas bei uns passieren könnte.» Vielleicht habe die Polizei sich auf Mallorca zu sicher gefühlt und es an der nötigen Wachsamkeit fehlen lassen, meint der Bürgermeister.

Das Mordattentat überraschte nicht nur die Mallorquiner, sondern auch die Anti-Terror-Einheiten der spanischen Sicherheitskräfte. Die ETA hatte nach der Festnahme ihrer Anführer und der Zerschlagung mehrerer Terrorzellen als eine Organisation gegolten, die in den letzten Zügen lag. Niemand hatte es den Separatisten zugetraut, innerhalb von zwei Tagen einen massiven Bombenanschlag auf eine Polizeikaserne in Burgos und ein Mordattentat auf Beamte in Palmanova zu verüben.

Auf Mallorca schlug die ETA ausgerechnet in einem Zentrum des Massentourismus in der Nähe des Feriendomizils des spanischen Königs Juan Carlos zu. Die Terroristen gingen dabei ein hohes Risiko ein. Sie bereiteten ihr Attentat in Palmanova vor, obwohl dort die Sicherheitskräfte aufgrund der erwarteten Ankunft des Monarchen verstärkt worden waren. Am helllichten Tage montierten sie Haftbomben an zwei Einsatzfahrzeugen der paramilitärischen Guardia Civil (Zivilgarde). Einer dieser Sprengsätze wurde nicht gezündet, weil das betreffende Fahrzeug von der Polizei nicht benutzt wurde.

Das Ziel des Attentats hatten die Terroristen mit Bedacht ausgewählt. Die ETA hatte schon vor längerer Zeit Informationen über die Einrichtungen der Polizei in Palmanova gesammelt. Sie dürfte daher gewusst haben, dass die Sicherheitsvorkehrungen eher mangelhaft waren. Eine der Polizeikasernen verfügte nicht einmal über Videokameras zur Überwachung der Umgebung.

Die Spanier stellen sich nach den Terroranschlägen von Burgos und Mallorca nun die Frage: Hat die Polizei die Stärke der ETA unterschätzt? Nach Informationen der Zeitung «El País» hatte die Organisation, die am Freitag den 50. Jahrestag ihrer Gründung «feierte», bei den jüngsten Anschlägen alle Kräfte aufgeboten, die ihr zur Verfügung stehen. Das Konkurrenzblatt «El Mundo» zitierte dagegen Terrorismus-Experten mit der Vermutung, dass es der ETA möglicherweise gelungen sei, neue Terrorzellen aufzubauen, deren Mitglieder von den Fahndern noch nicht erfasst sind.

Terrorismus / ETA / Spanien
31.07.2009 · 22:52 Uhr
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