News
 

Analyse: Formel 1 passt nicht zum grünen Image

In diese Richtung soll es gehen: Hybrid-BMW auf der Detroit Auto Show (Archiv).Großansicht
München (dpa) - Zwei bis drei Kilo Benzin pro gefahrener Runde. Das entspricht einem Verbrauch von rund 40 bis 60 Litern auf 100 Kilometern. Der Benzinkonsum von Formel 1-Wagen verträgt sich nicht mehr mit der jüngsten Spritspar-Philosophie von BMW.

Das Image der Marke soll grüner werden, nachhaltiger, sauberer. Motoren mit der Lautstärke eines startenden Düsenjets, hoher Reifenverschleiß und Bleifuß passen da nicht ins Bild. Deshalb hat sich BMW am Mittwoch überraschend aus dem bekanntesten Rennzirkus der Welt verabschiedet. Doch der Ausstieg zeigt auch, wie dringend der Münchner Autokonzern in Zeiten drastisch sinkender Absatzzahlen mit seinen Ressourcen haushalten muss.

Wie der Rest der Branche wurde auch BMW im vergangenen Jahr mit voller Wucht von der internationalen Absatzkrise erwischt. Im Herbst rauschten die Verkaufszahlen mit atemberaubender Geschwindigkeit in den Keller. In der Folge stürzte bei BMW auch der Jahresgewinn um 90 Prozent ab. Im ersten Quartal 2009 fiel sogar ein Verlust von 152 Millionen Euro an.

Damit standen die Bayern aber immer noch deutlich besser da als Konkurrent Daimler aus Stuttgart. BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer hatte das Unternehmen bereits seit Herbst 2007 auf harte Zeiten eingeschworen und drastische Einsparungen durchgesetzt. Konzernweit wurden seitdem rund 8000 volle Arbeitsplätze gestrichen. Durch den Ausstieg aus der Formel 1 sind jetzt nochmals gut 700 Stellen bedroht.

Auch für das laufende Jahr hat BMW bislang wenig Hoffnung auf eine Besserung der Lage gemacht. Der Absatz soll unter der Vorjahresmarke von 1,4 Millionen Fahrzeugen liegen. Ob es für einen Gewinn reicht, ist noch unklar. Ausgaben im dreistelligen Millionenbereich für den Rennsport - die Rede ist von 200 bis 300 Millionen Euro - schienen da kaum noch zu rechtfertigen sein.

«Natürlich ist uns diese Entscheidung schwer gefallen», sagte Reithofer am Mittwoch bei einer eilends einberufenen Pressekonferenz. Eine Premiummarke werde aber immer stärker über Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit definiert. «Unser Engagement in der Formel 1 entspricht dabei nicht mehr unserer Hauptzielrichtung.» Die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen zwölf Monaten habe aber keine Rolle gespielt, beteuert der BMW-Chef. «Das waren ausschließlich strategische Gründe. Die Frage ist: Passt das zu dem, was ich vorhabe als Konzern?»

Es passte offensichtlich nicht. Denn die Bayerischen Motoren Werke, so der ausgeschriebene Name BMW, müssen sich in den nächsten Jahren neu erfinden. Das Unternehmen hat bereits deutlich mehr als eine Milliarde Euro in die Entwicklung sparsamerer Motoren gesteckt und ist auf diesem Gebiet auch unbestritten sehr weit. Der klassische Verbrennungsmotor wird mehr und mehr an Bedeutung verlieren. «Die Zeit dicker Auspuffrohre ist vorbei. Wer nur 500 PS einbaut, wird es nicht schaffen», sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen.

Die Branche rätselt derzeit, wie die Zukunft des Automobils aussehen soll. Wer im Rennen bleiben will, muss auf vielen Gebieten forschen, angefangen von Hybridmotoren über neue Batterietechnik bis hin zur Brennstoffzelle. Doch das verschlingt Unsummen. Autoriesen wie Toyota oder Volkswagen können diese Beträge nicht nur leichter aufbringen, sondern auch leichter wieder hereinholen, weil neue Technologien in entsprechend hoher Stückzahl verbaut werden können. Ein im Konzert der Großen kleinerer Hersteller wie BMW hat deutlich größere Probleme, die Kosten wieder einzuspielen.

BMW muss daher das Geld zusammenhalten und sich genau überlegen, in welche Bereiche investiert wird. «Alle Maßnahmen und Aktivitäten dienen einem Ziel: Der Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens», stellt Reithofer am Mittwoch klar. «Auf dieses Ziel fokussieren wir unsere Mittel und Kapazitäten.» Für die Formel 1 war da kein Platz mehr.

Das dort eingesparte Geld soll nun in die Entwicklung neuer Antriebstechniken fließen. «Das ist eine strategisch richtige, wertvolle Entscheidung», lobt Autoexperte Dudenhöffer. «Letztlich bezahlt ja auch der Kunde das Engagement mit. Und neue Kunden bringt die Formel 1 nach meiner Einschätzung nicht.» Auch die Börse weinte den Rennwagen keine Träne nach. Der Aktienkurs von BMW stieg am Mittwoch zeitweilig um fast vier Prozent auf 31,54 Euro.

Motorsport / Formel 1 / BMW-Sauber
29.07.2009 · 15:48 Uhr
[4 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen