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Analyse: Europäer kämpfen bei G20 um ihren Status

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Toronto (dpa) - Die Europäer sind im Kreis der richtig Mächtigen der Welt bestens vertreten. Die «Chefs» von sechs EU-Ländern waren beim G20-Gipfel in Toronto eingeladen. Dazu gesellten sich noch zwei Spitzenvertreter der Europäischen Union.

Die Gemeinschaft der 27 ist mit einer halbe Milliarde Bürgern immer noch der größte Exporteur der Welt. Aber Europa war am Wochenende in Kanada nach dem Eindruck von Beobachtern nicht in Hochform und wirkte mitunter kleinlaut.

Das ist kein Zufall. Da ist zunächst die Krise, die in Europa vor allem eine Schuldenkrise ist. In vielen Staaten steigen die Defizite und die Milliardenkosten für die Zinsen. «Das größte Risiko, wenn es eins gibt, ist das der Staatsschulden», meint Großbritanniens neuer Finanzminister George Osborne.

Defizitsünder Griechenland konnte im Frühjahr nur mit Not vor dem Finanzkollaps gerettet werden. Für finanzschwache Euro-Mitglieder wie Spanien oder Portugal gibt es inzwischen einen gigantischen Rettungsschirm von 750 Milliarden Euro. In den Delegationen war man erleichtert, dass es wenigstens derzeit in Europa keinen neuen Krisenfall gibt.

Die Europäer müssen wegen dieser Krise ihre Finanzen und die Märkte wetterfest machen. Ihre Forderungen nach Bankenabgaben und einer Steuer auf Finanzgeschäfte sind aber weltweit nicht durchzusetzen.

Die EU-Spitzen erklärten bei dem Doppelgipfel der G8 und G20 geduldig ihren Kollegen aus Amerika, Asien oder Afrika die Rettungsaktionen. Und sie beruhigten: Es wird nicht sofort auf die Sparbremse getreten. «Vielen war überhaupt nicht klar, dass wir dieses Jahr noch mit den Maßnahmen zur Konjunkturstützung weitermachen, auch in Deutschland», bilanzierte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Beim Ausweg aus der Wirtschaftskrise gibt es kein Patentrezept, das für alle Partner taugt. Für US-Präsident Barack Obama bleibt «dauerhaftes und robustes Wachstum» oberste Priorität. Auch da hat Europa nicht viel zu bieten. Gerade mal ein Prozent dürfte die Wirtschaft der Eurozone im laufenden Jahr zulegen, wenig Glanz angesichts einer weltweiten Steigerung um immerhin knapp fünf Prozent.

Der Gipfel-Gastgeber, Kanadas Regierungschef Stephen Harper, strotzte geradezu vor Selbstbewusstsein: Sein Land kam gut aus der weltweiten Wirtschaftskrise und erwartet wird 2010 ein Wachstum von über drei Prozent.

Der große Gipfel-Streit um den richtigen Wirtschaftskurs blieb aus. «Wachstumsfreundliche Haushaltskonsolidierung» lautet die Zauberformel, die es jedem recht macht. Das heißt, das einige mit Konjunkturstützen weitermachen, andere aber sparen. Deutschland wurde auch nicht vorgeführt, weil es spart und angeblich zu wenig konsumiert.

«Falls Deutschland eine schwierigere Haushaltslage hätte, würde es nicht für Vertrauen zugunsten des Euro sorgen», meint Kommissionschef Barroso. «Es ist im Interesse der Weltwirtschaft, dass Deutschland mit der Haushaltssanierung fortfährt.»

G8 / G20 / Gipfel
27.06.2010 · 11:46 Uhr
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