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Analyse: Es geht um Geld, Arbeitsplätze und Macht

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Frankfurt/Main (dpa) - Der Tarifstreit bei den Piloten der Lufthansa droht zum größten Streik in der Geschichte der deutschen Luftfahrt zu führen. Die Ursachen der Eskalation sind vielschichtig:

Welche Rolle spielt das Geld?

Die Piloten waren ursprünglich mit einer Forderung nach 6,4 Prozent mehr Gehalt und deutlich höheren Gewinnbeteiligungen in die Verhandlungen gegangen. Lufthansa lehnte dies ab und forderte in der Folge von den Piloten Zugeständnisse für das aktuelle Sparprogramm, das in der weltweiten schweren Luftfahrtkrise aufgelegt worden war. Im Laufe der Verhandlungen signalisierte die Vereinigung Cockpit ihre Bereitschaft zu einer Nullrunde, wenn es Garantien zur Arbeitsplatzsicherung gibt.

Was bedeutet Arbeitsplatzsicherung?

Hier gehen die Meinungen von Lufthansa und der Gewerkschaft weit auseinander. Das Unternehmen ist bereit, die bestehenden Jobs bis Ende 2012 zu garantieren, wenn die Piloten im Gegenzug beim Gehalt Zugeständnisse machen. Ohnehin gelten Piloten-Arbeitsplätze angesichts des wachsenden Luftverkehrs als recht sicher. Doch die Vereinigung Cockpit will mehr: Sie will langfristig verhindern, dass die Lufthansa die deutschen Piloten gegen billigere Kollegen bei den Töchtern ausspielen könnte. Daher besteht sie auf Mitspracherechten auch bei den Auslandsaktivitäten der Lufthansa, was das Management wiederum als einen unzulässigen Eingriff in die Unternehmensführung ansieht.

Sind Mitspracherechte der Piloten neu?

Nein, die Piloten sind schon immer ein wichtiger Machtfaktor bei Lufthansa gewesen. So hatte die Arbeitnehmerseite 1992 - zumindest nach ihrer Auslegung - durchgesetzt, dass Piloten in Flugzeugen mit dem Kranich-Logo und mehr als 70 Sitzen nach dem Konzerntarifvertrag bezahlt werden müssen und nicht für weniger Geld in Töchterfirmen beschäftigt werden. Inzwischen fliegen aber schon größere Maschinen bei der Tochter Cityline - allerdings ohne das Lufthansa-Logo am Heck. Die Pilotengewerkschaft sieht darin einen Verstoß gegen die Vereinbarung, Lufthansa legt dies anders aus.

Wer sind die Spieler?

An der Spitze der Lufthansa steht Konzernchef Wolfgang Mayrhuber, der sich öffentlich im Tarifkonflikt bislang weitgehend zurückgehalten hat. Stattdessen ließ er unter anderem seinen Vize und wahrscheinlichen Nachfolger Christoph Franz, der bereits die Swiss sanierte, in der vergangenen Woche vor die Presse treten. Auch Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer spielt eine große Rolle. Auf Seiten der Gewerkschaft steht Winfried Streicher, der erst im April zum Präsidenten der Vereinigung gewählt worden war. Vorsitzender der Tarifkommission der Gewerkschaft ist Thomas von Sturm, ehemaliger Präsident der Vereinigung.

Wie ist Lufthansa wirtschaftlich aufgestellt?

Das Unternehmen sieht sich derzeit selbst in einer Schieflage. Zwar hatte die Lufthansa 2007 einen Rekordgewinn von 1,7 Milliarden Euro und 2008 im Gegensatz zu vielen anderen Airlines immerhin noch 600 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen. Doch in der Wirtschaftskrise brach vor allem die Nachfrage nach teuren Tickets für die Business- Class und First-Class ein. Zudem ergattern die Billigflieger zunehmend Marktanteile, selbst auf typischen Lufthansa-Strecken wie von Frankfurt nach Hamburg. Auch müssen viele Zukäufe im Ausland erst noch saniert werden. «Wir brauchen ein gemeinsames Verständnis dafür, wie besorgniserregend die aktuelle Situation ist», hatte Franz vor einigen Monaten an die Mitarbeiter appelliert.

Gibt es Lösungen?

Vor dem geplanten Streik scheinen die Fronten zu verhärtet. Vermutlich muss erst das Verkehrschaos einsetzen, bevor neue Gespräche geführt werden.

Luftverkehr / Tarife
22.02.2010 · 22:05 Uhr
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