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Analyse: Erste Kraftprobe in Griechenland

Auch Rentner unterstützen die Streiks der Beamten in Griechenland. Die Staatsverschuldung führt zu Einschnitten bei den Angestellten des Staates.Großansicht
Athen (dpa) - «Es ist der Anfang vom Beginn einer langen Kraftprobe» - der altgediente Vorstand der allmächtigen griechischen Beamtengewerkschaft (ADEDY) zeigt sich am Mittwoch kampfbereit. Mehr als 6000 Beamten nehmen am Mittag im strömenden Regen an der zentralen Kundgebung im Zentrum Athens teil.

Die Beamten und Staatsbediensteten - das ist fast jeder Vierte Beschäftigte in Griechenland - sind aus Protest gegen Lohnkürzungen für 24 Stunden in den Streik getreten. Griechenland drohen wegen horrender Staatschulden der Bankrott und Sanktionen durch die EU.

Schulen, Universitäten und Ministerien bleiben an diesem Tag geschlossen. Der Streik der Fluglotsen legt auch den griechischen Luftraum lahm. Alle Flüge fallen aus. Doch in dieser an Touristen armen Jahreszeit ist es kein großes Problem. Anders wäre es im Sommer, wenn Hochsaison ist. Dass die Ministerien geschlossen blieben, bemerkt ebenfalls fast niemand. «Die (Beamten) arbeiten sowieso kaum. Ihre Abwesenheit in den Ministerin hat niemand bemerkt», sagen Passanten im Fernsehen.

Doch die Beamten wollen Stärke zeigen. Die sozialistische Regierung hatte angesichts der dramatischen Finanzlage am Vortag angekündigt, es werde bis zu 5,5 Prozent weniger Lohn für die Beamten geben. «Jeder muss nach seinen Kräften beitragen», forderte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou.

«Wir werden es durchziehen und erneut streiken», warnt ein Sprecher der Beamtengewerkschaft. Eine ernsthafte Kraftprobe steht der Regierung in den kommenden Wochen bevor: Am 24. Februar wollen die Gewerkschaften des privaten Bereichs streiken. Dann sollen vor allem die öffentlichen Verkehrsmittel lahmgelegt werden.

Dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou kommen diese Streiks äußerst ungelegen: Fast täglich wiederholt er den Aufruf an alle Griechen: «Entweder ändern wir uns (zahlen Steuern) oder wir gehen allesamt unter.»

Papandreou muss in denn kommenden Monaten gleich zwei Beweise liefern. Er muss die EU und potenzielle Helfer - wie Berlin und Paris - überzeugen, dass ihre Hilfe für Athen nicht umsonst sein wird und im schwarzen Haushaltsloch verschwindet. Und zeigen, dass er es kann, in seinem Land Korruption und Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Und er muss darum kämpfen, dass das Land nicht in einem Streiksumpf versinkt.

«Im Moment steht der Kampf auf unentschieden», meint Steuerberater Giannis Stinis. Die Maßnahmen seien richtig. Und man muss nicht vergessen, dass die Gewerkschaften, hauptsächlich von den Sozialisten kontrolliert werden. Die sozialistische Regierung hoffe, dass die von ihr kontrollierten Gewerkschafter sich auf die «übliche Streikgymnastik» beschränken werden, um Dampf aus dem Kessel der Unzufriedenheit zu lassen, hieß es in Kommentaren der griechischen Presse. Der Kampf werde aber lang sein und das Ergebnis sei offen.

EU / Finanzen / Streiks / Griechenland
11.02.2010 · 09:31 Uhr
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